Mission

Mission heißt, dass Gott zu den Menschen kommt und diese von ihm erzählen.

Christinnen und Christen glauben an einen Gott, der zu den Menschen kommt. Das lateinische Wort missio bedeutet „Sendung“. Gott hat seinen Sohn Jesus Christus in die Welt zu den Menschen gesandt, um ihnen zu zeigen, dass er bei ihnen ist und bleibt. Er sendet seinen Heiligen Geist, um Menschen mit Glauben und Hoffnung zu erfüllen. Menschen nehmen an der Mission Gottes teil, wenn sie von ihrem Glauben an Gott erzählen und von der Hoffnung, die dieser Glaube ihnen schenkt (1 Petr 3,15). Bedingung für Mission, schreibt der Apostel Paulus, ist Freiheit (Gal 5,1). Das ist in der heutigen Gesellschaft besonders wichtig, in der Menschen verschiedener Religionen zusammenleben. Freiheit bedeutet zum einen die Freiheit, vom eigenen Glauben erzählen zu dürfen, und zum anderen, das Glaubenszeugnis anderer zu hören, um dann selbst zu entscheiden, welcher Religion man angehören möchte.

Mission gehört entscheidend zum christlichen Glauben, weil Christinnen und Christen an einen Gott glauben, der für alle Menschen da ist (Mt 28,18–20[KC3] ). Darum sollen auch alle Menschen die Chance bekommen, sich diesem Gott zuzuwenden. In der Evangelischen Kirche in Deutschland sind Christinnen und Christen allerdings davon überzeugt, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist und man ihn nicht erzwingen kann. Ebenso wenig entspricht es dem Glauben von Christinnen und Christen in der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit einem strafenden Gott zu drohen und so Menschen unter Druck zu setzen.

Das Mittelalter und die Kolonialzeit sind historische Phasen, in denen christliche Mission mit Gewalt und Herrschaft verbunden war. Menschen wurden gezwungen, den Glauben des christlichen Herrschers anzunehmen. Nichtchristliche Religionen wurden unterdrückt und verdrängt. Oft wurden Anhänger dieser Religionen gewaltsam verfolgt und ermordet. Karl der Große zum Beispiel zwang 776 die Sachsen, gegen die er Krieg geführt hatte, sich taufen zu lassen. Otto I. ging noch einen Schritt weiter und führte einen Krieg gegen die Elbslawen, um sie zu missionieren. Später, im 16. Jahrhundert, versklavten Portugiesen und Spanier bei der Besiedlung Amerikas und der Kolonisierung in Afrika unter anderem diejenigen, die sich nicht zum Christentum bekehren wollten.

Die Jesuiten, die ihren katholischen Orden 1534 gegründet hatten, setzten auf eine andere Art von Mission. Sie eröffneten Schulen oder lehrten an Königshöfen in vielen Ländern der Welt, zum Beispiel in Südindien und Japan. Während der Kolonialzeit gründeten sich außerdem viele christliche Missionsgesellschaften, um das Christentum auch in die entlegenen Gebiete der Kolonien zu bringen.

Heute engagieren sich diese Missionsgesellschaften vor allem in humanitären Projekten. Zum Beispiel unterstützt die ehemalige Hermannsburger Mission, heute „Evangelisch-lutherisches Missionswerk Niedersachsen“ (ELM), besonders christliche Gemeinden in Südamerika und Afrika. Es entstehen Austauschprogramme zwischen deutschen, südamerikanischen und afrikanischen Gemeinden, und deutsche Pfarrerinnen und Pfarrer helfen den Kirchen vor Ort, sich zu organisieren. Das ELM entsendet aber auch Ärzte und landwirtschaftliche Berater, um Agrar- und Klimaschutzprojekte in den jeweiligen Ländern zu unterstützen.

Mission gelingt dort, wo der Glaube in den Gemeinden so gelebt wird, dass er nach außen ausstrahlt. Wenn Menschen gerne in die Kirche kommen und etwas von dem finden, was sie suchen. Zum Beispiel in ansprechenden Gottesdiensten und Andachten, in der Erfahrung guter Gemeinschaft oder in Glaubenskursen, in denen kritische Fragen ernst genommen werden. Mission gelingt auch dort, wo Menschen mit ihrem Einsatz für andere die Liebe weitergeben, die sie selbst von Gott empfangen. Zum Beispiel im Besuchsdienst, in der Altenpflege oder in der Krankenhausseelsorge. Dabei ist die Evangelische Kirche in Deutschland für alle offen, die Hilfe suchen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist sich bewusst, dass fundamentalistische Strömungen im Christentum große Vorbehalte gegenüber der Mission hervorrufen und gerade in pluralistischen Gesellschaften eine Konkurrenzsituation entsteht, die solche Tendenzen hervorruft. Sie setzt sich deswegen für interreligiösen Dialog ein, auch in ihren Kindergärten, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen, in denen Mitglieder aller Religionen willkommen sind. Sie ist überzeugt: Christlicher Glaube lebt nicht von Abgrenzung und Ausgrenzung, sondern überall dort, wo Zusammenleben gelingt und Begegnung stattfindet, egal ob unter Christen oder mit Anhängern anderer Religionen.

Weiterführende Inhalte und Links

  • Fragen

    Muss man Angst haben, missioniert zu werden, wenn man in eine evangelische Kirche kommt?

    Antwort: Nein. Man muss nicht befürchten, zu etwas gezwungen, genötigt oder verführt zu werden. Christinnen und Christen in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland laden ein: zu ihren Gottesdiensten, Festen, Gruppen, Veranstaltungen und Angeboten. Sie laden ein, weil sie ihren Glauben lieben und an ihm Freude haben. Jeder kann kommen, egal ob er öfter in die Kirche geht oder noch nie in der Kirche war und nur mal gucken möchte. Keiner wird gezwungen zu bleiben. Christinnen und Christen in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland erzählen von ihrem Glauben, aber genauso auch von ihren Zweifeln und ihrer Suche nach dem richtigen Weg. Deswegen sind gerade auch diejenigen willkommen, die ebenfalls auf der Suche sind.

    Christinnen und Christen freuen sich natürlich, wenn Menschen sich taufen lassen möchten. Die Taufe ist das Zeichen dafür, dass jemand den Weg zum christlichen Glauben gefunden hat. Aber auch wenn sie getauft sind, bleiben Christinnen und Christen in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland frei, selbst zu entscheiden, ob sie sich am Gemeindeleben beteiligen wollen oder nicht. Mit der Taufe sind keine Verpflichtungen gegenüber der Kirche verbunden – sieht man einmal von der gesetzlichen Pflicht zur Zahlung der Kirchensteuer ab. 

  • Diskussion

    Es gibt mehrere christliche Kirchen und Bewegungen, die in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen sind. Immer mehr Menschen schlossen sich ihnen an, weil sie missioniert haben: vor allem in Südamerika, Afrika und Asien. Eine dieser Bewegungen ist die sogenannte Pfingstbewegung. Pfingstler wollen möglichst viele Menschen vom christlichen Glauben überzeugen, besonders dort, wo das Christentum nicht so weit verbreitet ist. Sie wollen möglichst viele Menschen gewinnen, weil ihrer Ansicht nach nur die Menschen von Gott gerettet werden, die sich auf dem Weg der „Heiligung“ befinden (Rettung). Sich zu „heiligen“ bedeutet im pfingstlerischen Sinne, sich auf die Rückkehr Jesu Christi vorzubereiten (Wiederkunft Christi), um dann von ihm auserwählt zu werden.

    Um auf den Weg der Heiligung zu kommen, braucht man in der Pfingstbewegung neben der normalen christlichen Taufe auch noch die sogenannte „Geisttaufe“. Die „Geisttaufe“ ist ein besonders intensives Erleben des Heiligen Geistes. Das äußert sich für Pfingstler zum Beispiel darin, dass Menschen anfangen, „in Zungen“ zu sprechen, also in meist unverständlichen Worten, was als Wirkung des Heiligen Geistes, als Ekstase und Ergriffenheit gedeutet wird. Der Apostel Paulus zählte die Zungenrede zu den sogenannten Charismen, den Geistesgaben (1 Kor 12,10). Da die Geisttaufe einziges Kriterium für die Mitgliedschaft und für die Anerkennung in der Gemeinschaft ist, war die Pfingstbewegung vor allem für ärmere Menschen interessant, die sich von den klassischen großen Kirchen ausgeschlossen fühlten, weil dort beispielsweise ein zu hohes Bildungsniveau vorausgesetzt oder erwartet wurde, dass man sich auch finanziell am Gemeindeleben beteiligte. Die Pfingstbewegung war auch deswegen erfolgreich, weil sie die Geisttaufe mit den Heimatreligionen der Völker verband, etwa in Afrika und Korea.

    Das große Verdienst der Pfingstbewegung ist es, zu zeigen, dass die Kraft des Heiligen Geistes unmittelbar auf Menschen wirken und ihr Leben verändern kann. Sie zeigt außerdem, dass christlicher Glaube immer nur in Verbindung mit der Kultur und den Traditionen des Landes gelebt werden kann, in dem man sich befindet. Sieidet sich aber darin von der Evangelischen Kirche in Deutschland, dass sie klare Regeln aufstellt, die zur Rettung führen und dafür ein wörtliches Verständnis der Bibel zugrunde legt. Die meisten Christinnen und Christen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland verstehen die Bibel nicht als genaue Vorschrift und auch nicht als genaue Vorhersage dessen, was passieren wird, sondern als Zeugnis des Glaubens und der Hoffnung, das immer wieder neu ausgelegt werden muss. Ihr Ziel ist auch nicht in erster Linie, möglichst viele Menschen zum christlichen Glauben zu bringen, sondern ein friedliches Zusammenleben zu erreichen, indem Religionen nicht zur Spaltung beitragen, sondern zu Achtung und Respekt voreinander.

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