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Energieeinsparung - Umrisse einer umweltgerechten Politik im Angesicht der Klimagefährdung

Ein Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats des Beauftragten für Umweltfragen des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD-Text 31, 1990

Im Januar 1989 wandten sich 31 Unterzeichner aus dem Raum der evangelischen Kirche in einem brieflichen Appell an den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie forderten darin den Rat auf, "knapp, eindeutig und in öffentlich-unüberhörbarer Form" zu erklären, "daß die Fortführung der bisherigen Atomenergiepolitik in der Bundesrepublik nicht mehr zu rechtfertigen ist". Der Rat hat daraufhin den Wissenschaftlichen Beirat seines Beauftragten für Umweltfragen um ein beratendes Votum gebeten. Dieses Votum ist vom Wissenschaftlichen Beirat - nach einem Zwischenbericht im Mai 1989 - im März 1990 vorgelegt worden. Es geht von der Überzeugung aus, daß ein Votum zur Atomenergiepolitik nur im Kontext von Energiepolitik und Umweltproblematik insgesamt formuliert werden kann. Der Wissenschaftliche Beirat hat sich, wie er dem Rat dargelegt hat, bei der Ausarbeitung seines Votums insbesondere von den folgenden Sach-verhalten leiten lassen:

  • 1985 hat sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland zusammen mit der Deutschen Bischofskonferenz in einer gemeinsamen Erklärung zu den Prinzipien eines verantwortlichen Umgangs mit der Schöpfung geäußert ("Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung").
  • Durch den Reaktorunfall in Tschernobyl im April 1986 ist die etwa zweineinhalb Jahrzehnte währende Auseinandersetzung über Energiefragen zu einem Höhepunkt gekommen. In Verbindung damit wurde auch der Meinungsbildungsprozeß in den Kirchen durch Stellungnahmen von Synoden und anderen kirchenleitenden Gremien zu einem gewissen Abschluß gebracht. Insgesamt haben sich 12 von 17 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Tendenz für einen Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen.
  • Zunehmend wird deutlich, daß das Ausmaß der von den Menschen gegenwärtig verursachten und vor allem der für die Zukunft zu erwartenden Energieumsätze nicht mehr klimaverträglich ist.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat das Votum des Wissenschaftlichen Beirats auf seiner Sitzung am 30. März 1990 mit Dank entgegengenommen. Er sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über die Energiefrage angesichts der Klimagefährdung und hat darum empfohlen, diesen Diskussionsbeitrag auch öffentlich zugänglich zu machen.

In den Aussagen zur "Zukunft der Kernenergie" hat der Wissenschaftliche Beirat keine vollständige Übereinstimmung erzielt und die fortbestehenden Auffassungsunterschiede offengelegt. Gerade darin ist sein Votum ein hilfreicher Diskussionsbeitrag. Die ehrliche Beschreibung des Dissenses dient der Urteilsbildung in Kirche und Öffentlichkeit mehr als ein verschwommener Kompromiß oder die Vernachlässigung der abweichenden Auffassung. Die Kennzeichnung des fortbestehenden Dissenses darf im übrigen den Blick dafür nicht verstellen, daß zu gewichtigen Aspekten der Zukunft der Kernenergie ein gehaltvoller Konsens erreicht wurde.

Die Diskussion über die Umrisse einer umweltgerechten Politik im Angesicht der Klimagefährdung hat in den vergangenen Jahren auch den "konziliaren Prozeß gegenseitiger Verpflichtung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" nachhaltig bestimmt. Den Benutzern des vorliegenden Heftes wird es darum willkommen sein, wenn als Anhang zum Diskussionsbeitrag des Wissenschaftlichen Beirats auch die thematisch einschlägigen Abschnitte aus den Schlußdokumenten der Versammlungen in Stuttgart, Dresden, Basel und Seoul abgedruckt werden.

Hannover, im April 1990

Dr. Hartmut Löwe
Präsident im Kirchenamt der EKD


 

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Publikationsdatum dieser Seite: Samstag, 30. September 2017 09:10