Biologische Vielfalt

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Lebensräume von Tieren und Pflanzen in kirchlichen Liegenschaften

Kirchliche Liegenschaften dienen in erster Linie der Gemeinde, aber sie gehören nicht ihr allein, sondern auch den Arten, die einmal hier zu Hause waren, lange bevor Menschen Häuser bauten. Das Motto von Albert Schweizer "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will", erfordert Kompromisse.

Aber es gibt viele Möglichkeiten, den verdrängten Lebewesen Ersatz-Lebensräume zurückzugeben.Beispielhaft für das Schicksal vieler tierischer Mitbewohner sei die Schleiereule genannt. Sie ist ein Baumbewohner. Durch zunehmende menschliche Besiedlung, d. h. Wegfall von Bäumen wurde sie zum Kulturfolger und wohnt in Scheunen, Dachböden und Kirchtürmen. Dort wird sie nun zunehmend ausgesperrt, zum Teil aus Unkenntnis, zum Teil mit Absicht, weil man alles "pflegeleicht" haben möchte. Das aber bedeutet meist lebensfeindliche Verhältnisse. Das hat ein Rückgang der Artenvielfalt zur Folge.  

Aber der Mensch ist Teil der ganzen Schöpfung und hat das Lebensrecht anderer Geschöpfe zu respektieren.

In den ökologischen Leitlinien der Württembergischen. Landeskirche heißt es beispielsweise "Wir achten und erhalten Lebensräume für Pflanzen und Tiere."
Alle Lebensvorgänge sind vernetzt. Wenn eine Dachöffnung verschlossen wird, kann das das Verlöschen eines Fledermausbestandes bedeuten. Umgekehrt, wenn ein Rasen in Wiese umgewandelt wird, können dort wieder Schmetterlinge und Insekten zurückkehren und das kommt der Vogelwelt zugute.

Grundlagen der Artenvielfalt

Grundlagen der Artenvielfalt sind die einheimischen Pflanzen. Rasen bietet nur wenigen Tieren Futter, ebenso sind Thuja und exotische Koniferen keine Nahrung für Schmetterlinge, Käfer, Wildbienen und Schwebfliegen. Deshalb ist die Grundlage eine naturnahe Bepflanzung, also Umwandlung von Rasen in Wiese, das Pflanzen einheimischer Wildsträucher, eine naturnahe Bewirtschaftung und wenn möglich Fassaden- und Dachbegrünung.

Tiere auf Wohnungssuche

Neben der Nahrungsgrundlage sind Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten für Tiere wichtig. Öffnungen, Spalten oder Nischen an Gebäuden sind bei moderner Bauweise meist Mangelware. Wo immer sie vorhanden sind, sollten sie erhalten bleiben und darauf ist besonders bei Umbauten und Renovierungen zu achten. Das bedeutet, Gebäude nicht hermetisch abzuschließen, nicht alles peinlich sauber aufzuräumen und Ersatzlebensräume zu schaffen, d. h. Nistkästen und Nisthilfen für Vögel, Insekten und Fledermäuse aufzuhängen.

Von großem Wert ist auch ein alter Baumbestand. Unter der Borke, in Astlöchern, im Holz abgestorbene Äste finden kleinere und größere Tiere Wohnung. Totholz sollte man nur entfernen, wenn Unfallgefahr besteht.
Reisig soll nicht verbrannt werden, sondern an einer Stelle des Grundstückes, wo es nicht stört, zu einem Haufen aufgeschichtet werden. Das bietet einen Platz für Spitzmäuse, Blindschleichen, Kröten.

Kirchen erhalten Artenvielfalt

Es gibt viele Möglichkeiten, Artenvielfalt zu erhalten. Wichtig ist, dass die Planungen mit dem Kirchengemeinderat, dem Kirchenvorstand bzw. Presbyterium  abgesprochen werden und vor allem, dass Hausmeister, Küster und Messner nicht mit unzumutbaren Pflegearbeiten belastet werden. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die entsprechende Behörde zu konsultieren. Die Naturschutzverbände vor Ort helfen gern, beraten und betreuen. Bei dieser Kooperation gewinnen alle, vor allem die Natur.

Dr. Hans-Hermann Böhm,
Der Umweltbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg,
umwelt@elk-wue.de

Lebensraum Kirchturm

Der Naturschutzbund initiierte die Aktion "Lebensraum Kirchturm". Die Lippische Landeskirche hat dies aufgegriffen und fördert die Kontakte zwischen den örtlichen Arbeitsgruppen des NABU und den Kirchengemeinden. Aber auch in Gemeinden der Nordkirche und in vielen anderen Regionen geschieht ähnliches.

Fledermäuse finden neues Zuhause in Kirchengemeinden

Artenschutzaktion erfolgreich

Mehr als 80 Kirchengemeinden haben sich an der Artenschutzaktion der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beteiligt. Das berichtete der Umweltbeauftragte Hans-Hermann Böhm bei einer Tagung zum UN-Jahr der Artenvielfalt in Bad Urach. Dabei ging es darum, entweder eine vom Aussterben bedrohte Baumart, die Elsbeere, zu pflanzen oder einen Nistkasten für die ebenfalls vom Aussterben bedrohte Fledermausart aufzuhängen. Böhm zeigte sich mit dem Verlauf der Aktion zufrieden: „Dadurch wird ein Zeichen gegen den rapiden Verlust der Artenvielfalt gesetzt“.

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Handeln für die Schöpfung

Natur und Umwelt rund um den Kirchturm

Mit Bildungsangeboten und einer Materialmappe unterstützt die Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA)  Kirchengemeinden in ihren Bemühungen für Natur und Umwelt rund um den Kirchturm. Die Materialien wurden zusammen mit den Landeskirchen und Bistümern in Nordrhein-Westfalen erarbeitet.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 11. Juli 2018 22:22