Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

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Über 800 000 Unterschriften gegen Patente auf Pflanzen und Tiere

Breites Bündnis fordert Änderung der Regeln des Europäischen Patentrechtes

Übergabe der Unterschriften am Europäischen Patentamt (Foto: Falk Heller, argum)

Über 800 000 Unterschriften gegen Patente auf Pflanzen und Tiere wurden heute in München an den Präsidenten des Verwaltungsrates des Europäischen Patentamtes (EPA), Jesper Kongstad sowie an den Vorsitzenden des Ausschusses Patentrecht, Sean Dennehey, übergeben. Die Unterschriften wurden u.a. in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal und Frankreich gesammelt. Hinter dem Appell steht ein breites Bündnis von Nichtregierungsorganisationen, darunter Campact (Deutschland), Arche Noah (Österreich), Bionext (Niederlande), Erklärung von Bern (Schweiz), WeMove (EU) und weitere Mitglieder der Koalition „Keine Patente auf Saatgut!“.
Die Organisationen fordern eine Änderung der Regeln für die Patenterteilung am EPA. Die europäischen Patentgesetze verbieten Patente auf Pflanzensorten und Tierarten sowie die konventionelle Züchtung von Pflanzen und Tieren. Das Europäische Patentamt (EPA) unterläuft diese Verbote allerdings seit geraumer Zeit und erteilt immer mehr Patente insbesondere auf Pflanzen einschließlich Saatgut und Lebensmittel aus konventioneller Züchtung.
"Wenn ich seh‘ die Himmel, deiner Finger Werk – was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“, so heißt es im achten Psalm. Die Bibel lehrt uns Christinnen und Christen immer wieder das Staunen über die Vielfalt der Geschöpfe, die Gott geschaffen hat. Als Christinnen und Christen loben wir Gott, unseren Schöpfer, wir preisen die Vielfalt seiner Geschöpfe – und wir bekennen, dass alles, was auf dieser Erde lebt, allein Gottes Eigentum ist.
Als Christinnen und Christen haben wir das Recht, Gottes Garten zu bebauen und zu kultivieren. Wir haben aber auch die Pflicht, diesen Garten in seiner Vielfalt zu bewahren. Die Evangelische Kirche in Deutschland und ihre Gliedkirchen haben sich in den letzten Jahren daher wiederholt deutlich dafür eingesetzt, dass die genetischen Ressourcen von Pflanzen und Tieren auch zukünftig als Gemeingut für die Zucht und damit für die Sicherung der Ernährung und für den Erhalt der Artenvielfalt in Gottes guter Schöpfung zur Verfügung stehen. Denn: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen“, wie es ebenfalls im Psalm heißt (Ps 24,1). Die Geschöpfe dieses Erdkreises dürfen nicht patentiertes Privateigentum werden!" erläutert Wolfgang Schürger, Umweltbeauftragter der Ev. Luth. Kirche in Bayern und Sprecher der AGU.
„Es ist höchste Zeit zu handeln. Das europäische Patentsystem hat seine Balance verloren. Vorrang müssen die Interessen der Allgemeinheit haben. Wir wollen nicht von großen Konzernen wie Bayer, Monsanto und Syngenta abhängig werden. Die Patentierung unserer Lebensmittel, von Saatgut, von Pflanzen und Tieren muss endlich gestoppt werden“, sagt Lara Dovifat von Campact.
Der Verwaltungsrat des EPA, der sich heute trifft, muss auf die korrekte Auslegung der Patentgesetze achten. Dieses Gremium, in dem die Delegierten der 38 Vertragsstaaten des EPA sitzen, wacht über die sogenannte Ausführungsordnung, die dafür maßgeblich ist, wie die europäischen Patentgesetze angewendet werden. Die Nichtregierungsorganisationen fordern, diese Regeln so zu ändern, dass keine weiteren Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung erteilt werden. Sie beobachten eine wachsende Unterstützung durch viele Mitgliedsländer des EPA und auch seitens des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission.
„Immer mehr Staaten wie Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und die Tschechische Republik werden sich des Problems einer zunehmenden Monopolisierung von Saatgut bewusst. Einige von ihnen haben bereits die nationalen Patentgesetze geändert oder erkennen diese Patente nicht an. Wir sehen eine starke Unterstützung vom EU-Parlament und auch Bewegung bei der EU-Kommission. Rechtliche Sicherheit werden wir aber erst haben, wenn die Regeln des EPA so korrigiert sind, dass die bestehenden Verbote gestärkt und Patente auf Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung gestoppt werden“, sagt Christoph Then, Koordinator des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut!“

"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Zellux.net

Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht  

Next Generation

Das Institut für Kirche und Gesellschaft bietet unter dem Titel "Next GENeration?!" zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese an. Das innovative Programm ist sowohl auf den Lehrstoff zum Themenkomplex Genetik und Ethik, als auch auf die besonderen Lernbedürfnisse junger Erwachsener abgestimmt. Die Veranstalterinnen und Veranstalter legen dabei besonderen Wert auf die Verknüpfung von Fachwissen und Erfahrungswissen sowie darauf, Freiräume zu schaffen, um die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes zu fördern. Die Angebote "Diskurs" und "Kreativ" werden in Flyern näher vorgestellt.


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 29. November 2018 23:53