Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

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Freiheit für Brokkoli und Tomate!

Demonstration gegen Patente auf Pflanzen und Tiere

Ein breites Bündnis von Organisationen demonstriert heute vor dem Europäischen Patentamt (EPA) in München. Dort haben die Demonstranten eine riesige Tomate und einen drei Meter hohen Brokkoli aufgebaut. Sie fordern ein Eingreifen der Politik, um zu verhindern, dass Konzerne wie Monsanto weiterhin das Patentrecht missbrauchen, um sich die Grundlagen der Ernährung anzueignen. Anlass ist eine öffentliche Anhörung zu Patenten auf Brokkoli und Tomaten. Die sogenannte Große Beschwerdekammer des EPA diskutiert mit der Industrie darüber, ob Saatgut, Früchte, Pflanzen und Tiere aus der konventionellen Züchtung so wie technische Erfindungen patentiert werden können. Da das EPA selbst an der Erteilung von Patenten verdient, fordern die Organisationen, dass diese Entscheidung nicht dem Patentamt überlassen bleiben darf. Das EPA hat allein im Jahr 2013 etwa 1,5 Milliarden Euro aus Patentverfahren eingenommen. Damit liegt ein gravierender Interessenkonflikt vor.

„Wir fordern Freiheit für Tomate und Brokkoli, für Verbraucher und Landwirte! Die Politik muss den Ausverkauf unserer Lebensgrundlagen stoppen“, fordert Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. „Aber die Bundesregierung kommt nicht in die Gänge. Mehrere Verbände haben bereits im März gemeinsam einen Brief an Justizminister Heiko Maas geschrieben, bisher ohne jede Reaktion. Dabei hat die Regierung im Koalitionsvertrag sogar eine europaweite Initiative gegen Patente auf Pflanzen und Tiere beschlossen. Die zögerliche Haltung der Politik nutzen Monsanto und Co. zwischenzeitlich für immer neue Patentanträge.“

Wie aus einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht hervorgeht, hat das Europäische Patentamt bereits etliche Tausend Patente auf Pflanzen und Tiere erteilt, wobei eine steigende Anzahl auch Produkte aus der konventionellen Züchtung betrifft. Die Reichweite dieser Patente ist oft extrem und erstreckt sich über die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung, vom Acker bis zum Verbraucher.

Die Demonstranten fordern von den europäischen Regierungen, dass als eine erste Maßnahme eine Resolution des Europäischen Parlaments vom Mai 2012 umgesetzt wird. Demnach müssen die bestehenden Gesetze und Regeln anders ausgelegt werden, als das derzeit der Fall ist. Nach dem Wortlaut der Resolution müssen zumindest Pflanzen und Tiere aus konventioneller Züchtung sowie entsprechende Verfahren vollständig vom Patentschutz ausgenommen werden. Die Mitgliedstaaten haben die Möglichkeit, die Resolution umzusetzen, indem sie dem EPA über seinen Verwaltungsrat vorschreiben, wie die bestehenden Gesetze auszulegen sind.

Kontakte:

Georg Janßen, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Tel: 0170 4964684, janssen@abl-ev.de
François Meienberg, Erklärung von Bern (EvB), Tel: +41 44 277 70 04, food@evb.ch
Angela Müller, Referentin für Welternährung und Agrarpolitik, Mission eine Welt. Tel: 0176 38379931, angela.mueller@mission-einewelt.de
Ruth Tippe, Tel 0173.1543409, rtippe@keinpatent.de
Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@no-patents-on-seeds.org

Photos von der Demonstration auf Nachfrage: info@no-patents-on-seeds.org

Aktueller Bericht: www.no-patents-on-seeds.org/de/information/hintergrund/europaeische-patente-auf-pflanzen-und-tiere


"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Zellux.net

Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht  

Next Generation

Das Institut für Kirche und Gesellschaft bietet unter dem Titel "Next GENeration?!" zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese an. Das innovative Programm ist sowohl auf den Lehrstoff zum Themenkomplex Genetik und Ethik, als auch auf die besonderen Lernbedürfnisse junger Erwachsener abgestimmt. Die Veranstalterinnen und Veranstalter legen dabei besonderen Wert auf die Verknüpfung von Fachwissen und Erfahrungswissen sowie darauf, Freiräume zu schaffen, um die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes zu fördern. Die Angebote "Diskurs" und "Kreativ" werden in Flyern näher vorgestellt.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 11. Juli 2018 22:22