Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

zurück

Keine Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere!

Brot für die Welt, kirchliche Umweltbeauftragte und evangelischer Dienst auf dem Land unterstützen Aufruf gegen Auswüchse bei der Erteilung von Biopatenten

Am 4. Oktober feiern Christinnen und Christen in diesem Jahr das Erntedankfest und danken Gott für eine gute Ernte und für die Vielfalt der Nahrungsmittel: Kirchen werden liebevoll mit einer Vielzahl an Früchten, Gemüsen und vielleicht auch einer kunstvoll gestalteten Erntekrone geschmückt. Diese Vielfalt ist nicht nur ästhetisch schön, sondern auch für die Sicherung der Welternährung unerlässlich. Denn nur durch eine große Vielfalt an Zuchtmaterial ist es möglich, immer wieder neue widerstandsfähige Pflanzen zu züchten. Insbesondere angesichts des Klimawandels wird dies zukünftig noch wichtiger werden.

Diese Vielfalt in der Landwirtschaft wird durch die Erteilung von Biopatenten gefährdet. Patente werden für technische Erfindungen gewährt. Inzwischen gelten auch Pflanzen und Tiere als technische Erfindungen des Menschen und werden patentiert. Erst im August erteilte das Europäische Patentamt wieder ein Patent auf eine Tomate, die einen erhöhten Anteil an bestimmten wertvollen Inhaltsstoffen (sog. Flavonole) enthält. Diese Tomate ist aber durch herkömmliche Züchtung, d.h. durch Kreuzung von Tomatenpflanzen entstanden. Obwohl nach dem europäischen und deutschen Patentrecht die Erteilung von Patenten auf konventionelle Züchtung verboten ist, hat die Große Beschwerdekammer des Europäischen Patentamts (EPA) im März dieses Jahres in einer Grundsatzentscheidung festgelegt, dass zwar das Zuchtverfahren nicht patentfähig ist, die dabei gezüchteten Pflanzen jedoch schon. Damit setzt sich das EPA über die geltenden Bestimmungen hinweg und den bereits in großer Zahl erteilten Patenten könnten in Zukunft viele weitere folgen.

Dagegen protestieren kirchliche Experten und mahnen Reformen im Patentrecht an. In einer Studie der EKD-Kammer für nachhaltige Entwicklung zu Biopatenten aus dem Jahr 2012 heißt es: „Die Evangelische Kirche in Deutschland und ihre ökumenischen Partner im Süden treten dafür ein, dass die genetischen Ressourcen von Pflanzen und Tieren auch zukünftig als Gemeingut für die Zucht und damit für die Sicherung der Ernährung und für die Erhaltung der Agrobiodiversität in Gottes guter Schöpfung zur Verfügung stehen.“

Es gilt nun, die Verantwortlichen auf europäischer Ebene dazu aufzufordern, die umstrittene Patentierungspraxis zu reformieren und zu verhindern, dass die Züchtungsleistung von Generationen von Bäuerinnen und Bauern in Form von Biopatenten privatisiert wird. Der Aufruf „Keine Patente auf Pflanzen und Tiere“ wird von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen unterstützt, zu denen auch Brot für die Welt, die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU) und der Evangelische Dienst auf dem Lande (EDL) gehören.

agu / Brot für die Welt / edl / Banner

AnsprechpartnerInnen:
Dr. Gudrun Kordecki 
Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW,
Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (AGU)

gudrun.kordecki@kircheundgesellschaft.de
Mobil +49 (0) 176 10396477

Stig Tanzmann 
Referent Landwirtschaft, Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst

Stig.tanzmann@brot-fuer-die-welt.de
Telefon +49 (0) 30-65211-1820

Superintendent Pfarrer Marcus Harke,
Vorsitzender Evangelischer Dienst auf dem Land der EKD (EDL)

MarcusHarke@t-online.de
Mobil +49 (0) 160 96669008

Download des Aufrufs

  • Keine Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere! | von Brot für die Welt, kirchliche Umweltbeauftragte und evangelischer Dienst auf dem Land

    Upload am: 28.09.2015

"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Zellux.net

Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht  

Next Generation

Das Institut für Kirche und Gesellschaft bietet unter dem Titel "Next GENeration?!" zwei Veranstaltungen zum Themenkomplex Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese an. Das innovative Programm ist sowohl auf den Lehrstoff zum Themenkomplex Genetik und Ethik, als auch auf die besonderen Lernbedürfnisse junger Erwachsener abgestimmt. Die Veranstalterinnen und Veranstalter legen dabei besonderen Wert auf die Verknüpfung von Fachwissen und Erfahrungswissen sowie darauf, Freiräume zu schaffen, um die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes zu fördern. Die Angebote "Diskurs" und "Kreativ" werden in Flyern näher vorgestellt.


Copyright © 2018 Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: Sonntag, 3. Juni 2018 10:53