Bioethik, Biotechnologie und Gentechnik

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Gentechnikgesetz muss größtmöglichen Schutz für Mensch und Umwelt sichern!

Kirchliche Umweltbeauftragte kritisieren Eckpunktepapier

Die Umweltbeauftragten der evangelischen Landeskirchen in Deutschland fordern den Bundestag dazu auf, das vom Bundeskabinett im Februar verabschiedete Eckpunktepapier zur Novellierung des Gentechnikgesetzes kritisch zu überdenken.

Die deutsche Bevölkerung verlangt gentechnikfreie Lebensmittel. Die Umsetzung des Eckpunktepapiers würde zu einer großflächigen Verunreinigung in der Landwirtschaft und damit in der Nahrungskette führen, befürchten die kirchlichen Umweltexperten.

Um eine nachhaltige und gentechnikfreie Landwirtschaft zu sichern, sollten nach Meinung der Umweltbeauftragten die folgenden Punkte überarbeitet werden:

  1. Mindestabstand: Um eine Verunreinigung von Nachbarfeldern zu vermeiden, ist bei Mais der Mindestabstand zu vergrößern. In Luxemburg sind 800 Meter vorgesehen, die CSU hatte 300 Meter vorgeschlagen. Der im Eckpunktepapier vorgesehene Abstand von 150 Metern ist keinesfalls ausreichend. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass es keinen Abstand gibt, der einen sicheren Schutz vor Verunreinigungen bieten wird.
  2. Haftung im Schadensfall: Die EU sieht bei zufälligen oder technisch nicht vermeidbaren Verunreinigungen von Lebens- und Futtermitteln einen Grenzwert von 0,9% vor. Eine Übertragung dieses Werts auf den Anbau würde insbesondere die Existenz von biologisch wirtschaftenden Bauern gefährden. Der Grenzwert muss sich daher an der Nachweisgrenze orientieren. Aufgrund der starken Ablehnung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Bevölkerung kann es nicht angehen, dass die Regierung Verunreinigungen unter 0,9% als "nicht wesentliche Beeinträchtigungen" einstuft.
  3. Haftung bei Freisetzungsversuchen: Es ist nicht hinnehmbar, dass Verunreinigungen durch Pflanzen in Freisetzungsversuchen, deren Unbedenklichkeit erst noch geprüft werden muss, lediglich bei unmittelbaren Nachbarn haftungspflichtig werden sollen. Freisetzungsversuche sind so sorgfältig zu planen, dass es zu keiner Kontamination kommen kann. Verunreinigungen der Nahrungskette (z.B. nicht zugelassener Reis aus USA) darf es nicht geben. Die Absicht der Regierung, Entschädigungen für Schäden aus Forschungsfreisetzungen aus Steuermitteln zu zahlen, wird abgelehnt.
  4. Transparenz über Freisetzung und Anbau: Die Information darüber, wo gentechnisch veränderte Pflanzen freigesetzt oder angebaut werden, muss flurstückgenau erhalten bleiben. Es ist nicht akzeptabel, dass der vorgesehene Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen lediglich unmittelbaren Nachbarn mitgeteilt werden soll. Eine Auskreuzung kann unter ungünstigen Bedingungen in einem weiten Umkreis erfolgen. Auch Imker sind auf diese Information angewiesen. Das Anbauregister muss für alle Bürger zugänglich sein.
  5. Kosten für Nachweistests: Die Prüfung einer Charge auf Spuren von gentechnisch veränderten Pflanzen verursacht Kosten, die zumindest für die unmittelbar benachbarten Landwirte und Imker von denjenigen Landwirten übernommen werden sollten, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen und damit die Verursacher des Testbedarfs darstellen. Durch die Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen wird ein kostspieliger Testaufwand erforderlich, der zu einer Erhöhung der Produktionskosten bei den gentechnikfreien Produkten führen würde.

Die kirchlichen Umweltbeauftragten fordern die Abgeordneten des Bundestages auf, die breite Ablehnung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Bevölkerung zu respektieren und den Schutz durch das Gentechnikgesetz nicht zu beschneiden. Sie mahnen weiterhin an, nicht zwischen Energiemais und Futtermais zu differenzieren. Die Risiken für die Umwelt durch gentechnisch veränderte Pflanzen treten auch beim Anbau von Energiepflanzen auf. Außerdem können die Produktionsrückstände an Tiere verfüttert werden, so dass auch Energiemais in die Nahrungskette gelangt.

Die kirchlichen Umweltbeauftragten setzten sich anlässlich ihrer Frühjahrstagung vom 26. - 28. März 2007 in München mit Fragen der Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung auseinander. Fast alle evangelische Landeskirchen sehen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen auf dem kircheneigenen Pachtland kritisch: Es wurden Verbote, Empfehlungen des Verzichts und Moratorien ausgesprochen. Eine Übersicht über die Beschlusslage findet sich unter

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Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Arbeitshilfe Grüne Gentechnik

Nach wie vor werden in Deutschland und Europa kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Global gesehen nimmt der Anbau jedoch weiter zu. Meldungen über Probleme für Landwirte, die Umwelt und die Gesundheit weisen auf Nachteile des großflächigen Anbaus dieser Pflanzen hin. "In Gentechnisch veränderte Pflanzen - Eine Betrachtung aus kirchlicher Sicht" wird der Sachstand zu gentechnisch veränderten Pflanzen und die Position der Evangelischen Kirche von Westfalen dargestellt.  

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

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Next Generation

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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 11. Juli 2018 22:22