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Nur Show oder auch Substanz? Der UN-Klimagipfel steht auf der Kippe

Klima-Allianz: Kirche, Gewerkschaft und Umweltorganisation nennen Erfolgskriterien für Kopenhagen

Kurz vor dem Start der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen mahnt die Klima-Allianz mit namhaften Vertretern von Kirchen, Gewerkschaften und Umweltschutzorganisationen eindringlich einen erfolgreichen Abschluss der Konferenz an.

"Wir müssen darauf achten, dass sich die über 85 Regierungschefs inklusive US-Präsident Barack Obama nicht nur auf einen weiteren Verhandlungsplan oder Absichtserklärungen einigen, sondern die wesentlichen Bausteine eines Klimavertrags rechtlich verbindlich festschreiben", fordert Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch. "Dazu gehören ambitionierte Treibhausgas-Minderungsziele ohne Schlupflöcher für Industriestaaten und zusätzliche Finanzhilfen für Entwicklungsländer. Die Details des Abkommens müssen bis Mitte 2010 verhandelt sein, damit die Staaten rechtzeitig vor 2012 ratifizieren können."

"Eines der großen Themen in Kopenhagen ist Klimagerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund müssen die Staatschefs Farbe bekennen und sowohl kurzfristige als auch langfristige Finanzzusagen an die Entwicklungsländer abgeben", sagt Katrin Göring-Eckardt, Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands. "Der faire deutsche Anteil zur Unterstützung der Entwicklungsländer liegt zwischen 2013 und 2020 bei sieben Milliarden Euro jährlich, die zusätzlich zur Entwicklungshilfe gezahlt werden müssen. Deutschland könnte Vertrauen schaffen und eine Dynamik in die Verhandlung bringen, wenn diese Zahl gleich zu Beginn der Konferenz benannt wird."

"Konkrete Ergebnisse in Kopenhagen für einen weltweiten Klimaschutz schaffen Investitionssicherheit für die deutsche und europäische Wirtschaft und stärken die Wachstumsmärkte der Zukunft. Branchen wie die Bauwirtschaft, Landwirtschaft und der gesamte Bereich der Umwelt­- und Energietechnologien werden positive Arbeitsmarkteffekte aufweisen, wenn sich die Industrieländer auf ambitionierte Ziele zur Senkung der Treib­haus­gase einigen", erklärt Holger Bartels, Vizepräsident der Europäischen Agrar­gewerkschaftsföderation (EFFAT) sowie Abteilungsleiter Agrar und Umweltpolitik im Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Die Klima-Allianz wird am 5.12. mit einer spektakulären Aktion an Bundeskanzlerin Merkel appellieren, sich bei der UN-Klimakonferenz für die Verabschiedung konkreter und ehrgeiziger Ergebnisse einzusetzen. Ab 12.00 Uhr werden auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor in einem riesigen "Aquarium" Regierungschefs an einem Verhandlungstisch sitzen und endlos verhandeln, während um sie herum die Auswirkungen des Klimawandels ein bedrohliches Ausmaß annehmen: denn das Wasser in dem "Aquarium" steigt und steigt. Wenn den Politikern das Wasser im wahrsten Sinne bis zum Hals steht, wird die Aktion mit dem Appell "Act now - Klimaschutz jetzt!" stoppen.

Die AGU ist Mitglied der Klimaallianz

Lesen Sie das Forderungspapier der Klima-Allianz für die UN-Klimakonferenz:

Keine Vertagung des Klimaschutzes in Kopenhagen!

Die Menschheit steht vor einer ihrer größten Herausforderungen: der Abwendung eines unkontrollierbaren Klimawandels. Aus umwelt-, wirtschafts- und entwicklungspolitischen Gründen muss daher ein ambitioniertes und faires Klimaabkommen bei der UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen verabschiedet werden.

Forderungen an die deutsche Regierung

  • Noch aktivere Führungsrolle der Bundesregierung in den Vorverhandlungen
  • Finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer mit mindestens 7 Mrd. Euro pro Jahr im Durchschnitt für die Jahre 2013 bis 2020 für deren klimafreundliche Entwicklung und Anpassung an die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels, sowie den fairen Anteil an einer Kurzfristfinanzierung (2010-2012) von 10 Mrd. Euro jährlich durch die Industrieländer.
  • Zusätzliche Bereitstellung dieser Finanzen zur Entwicklungshilfe, damit entwicklungspolitische Kernaufgaben weiterhin vorgenommen werden können.
  • Reduzierung der Treibhausgase in Deutschland um 40%, dazu:
    1. Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes.
    2. Nachbesserungen der bestehenden „Klimapakete 1 und 2“.
    3. Erlass eines sofortigen Moratoriums für neue Kohlekraftwerke.
    4. Vollzug der Treibhausgasminderung im eigenen Land und nicht mittels Projekten imAusland (Clean-Development-Mechanism).
    5. Abbau klimaschädlicher Subventionen.
    6. Verabschiedung eines Energieeffizienzgesetzes, das nicht auf Freiwilligkeit sondern auf verpflichtenden Vorgaben für die Industrie basiert.

Forderungen an die internationale Staatengemeinschaft

  • Einigung auf ein rechtlich verbindliches, ausreichend ambitioniertes und global gerechtes Klimaschutzabkommen mit allen dafür nötigen Elementen, orientiert an der Vorgabe der Wissenschaft, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten. Wenn der Gipfel im Dezember doch hinter diesem Ziel zurückbleibt, muss um ein Scheitern zu verhindern, bis spätestens Mitte 2010 ein solch völkerrechtlich bindender Vertrag vorgelegt werden.
  • Festlegung der Industrieländer auf Reduktionsziele für Treibhausgase, die den Erkenntnissen der Klimawissenschaft entsprechen: bis 2020 um mindestens 40%
    (gegenüber 1990) und bis 2050 um mindestens 95%.
  • Realisierung der Treibhausgasreduzierung im eigenen Land: Ein Freikaufen von nationalen Verpflichtungen durch Projekte im Ausland (Clean-Development-Mechanism) sorgt nur für eine Verzögerung notwendiger Maßnahmen. Die Kernenergie muss aus den Klimaverhandlungen rausgehalten werden, da sie effektiven Klimaschutz verhindert, besonders aus den finanziellen Mechanismen (derzeit JI und CDM) und dem Technologietransfer.
  • Erhöhung des Reduktionsziels der Europäischen Union auf mindestens 30% bis 2020 ohne Bedingungen an ein internationales Abkommen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen muss die EU eine Reduktion von mindestens 40% bis 2020 anstreben. 
  • Bereitstellung von Finanzen zur Emissionsminderung, technologische Kooperation und Innovation, Anpassung sowie zum Waldschutz für die Entwicklungsländer in
    Höhe von jährlich 110 Mrd. Euro, die zusätzlich zur Offiziellen Entwicklungshilfe (ODA) aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung gestellt werden müssen. 
  • Reformierung der Clean-Development-Mechanism (CDM). Untersuchungen der ersten Handelsperiode des Emissionshandels haben ergeben, dass sich CDM-Projekte nur auf wenige Länder – vor allem Schwellen- und kaum Entwicklungsländer – konzentriert haben. Außerdem trug CDM kaum zur gewünschten, globalen CO2-Reduzierung bei. 
  • Keine Waldzertifikate in den Emissionsmarkt: Sollten massenhaft Waldzertifikate den internationalen Klimazertifikatehandel überschwemmen, droht eine Verfehlung
    der Klimaziele. Waldschutz ist nicht handelbar.
  • Sofortige Anpassungsmaßnahmen: Ein Rahmen für sofortige Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel, inklusive der Bereitstellung von Versicherungen und Kompensationszahlungen, muss insbesondere für die meist gefährdeten Länder und Ökosysteme beschlossen werden. 
  • Neue Institution: Eine neue institutionelle Einrichtung unter der UNFCCC muss geschaffen werden, zur Koordination, Implementierung and Verteilung der
    Finanzierung. Wichtig ist dass dies auf transparente und demokratische Weise erfolgt.
  • Kurzfristige Finanzierung für besonders dringende Anpassungsmaßnahmen, Waldschutz und die Ausarbeitung klimafreundlicher Entwicklungsstrategien in Entwicklungsländern von etwa 10 Mrd. Euro jährlich, finanziert durch Beiträge der Industrieländer; diese Anschubfinanzierung darf auf keinen Fall an die Stelle verbindlicher und verlässlicher Mechanismen für die längerfristige Finanzierung treten und auch nicht zur Umwidmung von Entwicklungshilfemitteln führen. 
     

Pressekontakt:
Christina Hering, Koordinatorin der Klima-Allianz, 030 6781775-72 oder 0176 204949430

Mobilität

Für die Deutschen Aktionstage der Nachhaltigkeit im Juni 2014 stehen vielfältige Aktionsmöglichkeiten für die Arbeit in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen und Gruppen zur Verfügung.

Klimaschutzkonzepte in Landeskirchen

Im Rahmen der Förderprogramme der nationalen Klimschutzinitative wird die Erstellung von integrierten Klimaschutzkonzepten gefördert. In diesen Konzepten werden die Bereiche Liegenschaften, Mobilität und Beschaffung ausführlich untersucht und Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen erarbeitet. Eine aktuelle Übersicht findet sich beim Projektbüros Klimaschutz der EKD

Kernpunkte für ein nachhaltiges Energiekonzept

Aufgrund eines Beschlusses der Landessynode hat die Evangelische Kirche im Rheinland 2012 ein Diskussionspapier zur Energiepolitik vorgelegt. Dafür wurden fachliche Beiträge zur C02-Reduktion, zur Energiewende und zum Ausstieg aus der Kernenergie aufgearbeitet. Das Diskussionspapier dient als Grundlage, um sich an der kirchlichen und öffentlichen Diskussion zu Klimaschutz und Energiewende angemessen beteiligen zu können. Die "Kernpunkte für ein nachhaltiges Energiekonzept" wurden u.a. auf zwei Tagungen in der Evangelischen Akademie Bonn und bei einer Regionalsynode einiger Kirchenkreise zu Energie vorgestellt und diskutiert.  


in 2009 war Energie das Jahresthema des Portals Bildung für Nachhaltige Entwicklung. 


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 29. November 2018 23:53