Landwirtschaft und Ernährung

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Damit wir auch morgen noch geheilt werden können: Antibiotika-Einsatz senken, Tiere artgerecht halten

Resolution Kirchentag 2015

Sa, 06.06.2015, 15.00–18.00 Uhr, Martin-Schleyer-Halle: … damit wir klug wirtschaften (Hauptpodienreihe Gesellschaft verantwortet Wirtschaft)

Antragsteller/in: Jutta Sundermann, Aktion Agrar, Alte Reihe 16, 27313 Dörverden

Adressat: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel

Text: Die Teilnehmenden des Kirchentages in Stuttgart 2015 rufen Bundeskanzlerin Merkel dazu auf, den G7-Gipfel und den europäischen Prozess zu nutzen, um wirksame gesetzliche Regeln gegen Antibiotikagaben an gesunde Tiere zu erlassen.

Über dringend nötige Anwendungsregeln hinaus kann nur artgerechte Tierhaltung den Bedarf an Antibiotika nachhaltig reduzieren. Für die Gesundheit von Mensch und Tier und für die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft muss die rasant fortschreitende Industrialisierung in der Tierhaltung und der Trend zu immer größeren Ställen mit vielen Tausend Tieren gestoppt werden. Wenig führt uns das so deutlich vor Augen wie die Entwicklung der Antibiotika-Resistenzen.

Begründung:
Antibiotika werden seit gut 70 Jahren gegen Entzündungen und Infektionskrankheiten eingesetzt. Vor dieser Zeit starben viele Menschen und Tiere zum Beispiel an Wundinfektionen oder Lungenentzündungen.

Doch nun warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO): Ein einfacher Kratzer kann wieder zu einer lebensgefährlichen Infektion führen, weil Antibiotika mehr und mehr ihre Wirkung verlieren. Überall auf der Welt bilden Keime Resistenzen gegen Antibiotika aus. Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass sich hierzulande jährlich über 400 000 Patienten infizieren und etwa 15 000 Menschen sterben, weil Antibiotika nicht mehr wirken.

Menschen und Tiere erhalten im Krankheitsfall die gleichen Antibiotikawirkstoffe. Die Antibiotikaresistenzen treten bei Menschen und Tieren auf. Die Weltgesundheitsorganisation spricht deshalb von der „Einen Gesundheit“, für die wir mit Blick auf den Erhalt wirksamer Antibiotika weltweit mehr Verantwortung übernehmen müssen als bisher.

Antibiotika endlich verantwortlich einsetzen
In Deutschland gelangen aktuell 1 450 Tonnen Antibiotika pro Jahr an Tiere in der Fleisch- und Milchproduktion. In der Humanmedizin wird mit ca. 600 Tonnen knapp die Hälfte dieser Menge verschrieben. In der heutigen Tierhaltung bekommen kranke Tiere nicht einzeln – wie bei Menschen – ein Antibiotikum, sondern in neun von zehn Fällen behandeln Tierärztinnen und Tierärzte die ganze Herde über das Trinkwasser oder Futter.

Besonders besorgt uns die steigende Menge an sogenannten Reserveantibiotika in der Intensivtierhaltung. Reserveantibiotika gelten als Mittel, die oft noch heilen können, wenn herkömmliche Antibiotika bereits versagen. Je häufiger jedoch diese Reservewirkstoffe in Tierställen eingesetzt werden, desto eher verlieren sie ihre Wirkung - auch in der Humanmedizin.

Den Trend zu Agrarfabriken stoppen
Heute ist die Tierhaltung gekennzeichnet von einem massiven Höfesterben auf der einen und die immer gigantischeren Ställe auf der anderen Seite. Massenproduktion und niedrige Preise für die Erzeuger haben eine tödliche Dynamik angenommen. Viele Schritte sind nötig, um diesen Trend zu stoppen: Die Politik muss artgerechte, flächengebundene Tierhaltung fördern, in Deutschland und europaweit. Megaställe mit Zehntausenden von Schweinemastplätzen oder Hunderttausenden von Masthühnern dürfen nicht mehr genehmigt werden. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich abwenden vom billigen Industriefleisch.

Essen wir die Welt? - Ernährung der Zukunft

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80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Lesetipp aus der Ökumene

Die Arbeitsgemeinschaft der Katohlischen Umweltbeauftragten weist auf zwei Publikationen aus der Ökumene hin. Sie bieten weitere Informationen und Anregungungen für die Diskussion: In der Sachverständigengruppe »Weltwirtschaft und Sozialethik« der Deutschen Bischofskonferenz erschien die Studie »Den Hunger bekämpfen. Unsere gemeinsame Verantwortung für das Menschenrecht auf Nahrung« -
Quelle: http://www.dbk-shop.de/de/DBK/Publikation-der-Wissenschaftlichen-Arbeitsgruppe/Den-Hunger-bekaempfen-1519.html

Der Zentralrat der deutschen Katholiken gibt eine Erklärung "Eckpunkte für eine nachhaltige Landwirtschaft" heraus
Quelle: http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/erklaerungen/detail/Eckpunkte-fuer-eine-nachhaltige-europaeische-Landwirtschaft-201W/ 

München, im Juli 2012


Das Jahresthema 2012 von Bildung für Nachhaltige Entwicklung war Ernährung


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 11. Juli 2018 22:23