Landwirtschaft und Ernährung

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Ernährungssicherung und Nachhaltige Entwicklung

Eine Studie der Kammer der EKD für Entwicklung und Umwelt, EKD-Texte 67, 2000

Die evangelischen Kirchen in Deutschland haben sich mehrfach mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft auseinandergesetzt. In der nun vorgelegten Studie "Ernährungssicherung und nachhaltige Entwicklung" greift die Kammer der EKD für Entwicklung und Umwelt die bisherige Debatte auf und führt sie weiter. Der Rat der EKD hat sich im Juni 2000 eingehend mit dem Text auseinandergesetzt und ihn als anregenden Diskussionsbeitrag begrüßt.

Wenn es um die Zukunft der Ernährung geht, sind nicht nur die Experten gefragt. Veränderungen im landwirtschaftlichen Bereich betreffen uns alle. Dies gilt insbesondere für Fragen der weltweiten Agrarproduktion und des globalen Agrarhandels, die auf der Tagesordnung der Welthandelsorganisation (WTO) stehen. Das Verhältnis von Chancen und Risiken des Einsatzes von genetisch verändertem Saatgut in der Landwirtschaft ist umstritten. Besorgt fragen Landwirte und Verbraucher nach den langfristigen Folgen. Was bedeutet die Patentierung von gentechnischen Verfahren für die Herstellung und weltweite Verfügbarkeit auf Nutzpflanzensorten?

Die Studie der EKD-Kammer für Entwicklung und Umwelt informiert über die aktuellen international diskutierten Konzepte für Welternährung, landwirtschaftliche Produktion und Agrarhandel und zeigt die Brisanz politischer Entscheidungen für die globale Ernährungssicherung unter dem Gesichtspunkt einer nachhaltigen Entwicklung auf. Werte- und Interessenkonflikte prägen die Diskussion über Mittel und Wege, mit denen dies erreicht werden soll. Die Kirchen bringen vorrangig mit der Option für die Schwachen und Benachteiligten ihre spezifischen Beurteilungskriterien und Entscheidungshilfen in diesen komplexen Diskurs ein.

Auch diese Studie der EKD will einem breiten Kreis interessierter Bürgerinnen und Bürger Zugänge zu den Sachfragen und Problemanzeigen vermitteln und Orientierung im Spannungsfeld der konkurrierenden Ziel- und Wertvorstellungen anbieten. Die Bibel verkündigt Gott als den Schöpfer und Erhalter dieser Welt, der den Menschen als sein Ebenbild beauftragt hat, die Erde zu bebauen und die Schöpfung zu bewahren. Und sie erinnert an Gottes Parteinahme für Schwache und Arme und an die Verpflichtungen der Generationen füreinander. Die Erde darf darum nicht nur den kurzfristigen Zwecken einer einzigen Generation oder dem Zugriff eines privilegierten Teils der Weltbevölkerung unterworfen sein. Deshalb sind aus christlicher Sicht die Solidarität der heute lebenden Generationen und die Chancengerechtigkeit für die nachkommenden Generationen Dreh- und Angelpunkte für eine nachhaltige Entwicklung.

Im Ringen um ethisch verantwortbare Entscheidungen müssen wir uns vor Sackgassen und falschen Alternativen hüten. So dürfen zum Beispiel die Prognosen über künftige Gefährdungen menschlichen Lebens nicht gegen die heutigen Bemühungen zur Bekämpfung von Armut und Marginalisierung ausgespielt werden - und umgekehrt.

Die Studie zeigt Gefährdungen der Zukunftsfähigkeit in der Landwirtschaft durch den Verlust von Regionalität und biologischer Vielfalt auf, und sie weist auf mögliche negative Folgen des Einsatzes der Gentechnik in der Landwirtschaft hin. Besonders in diesen Themenbereichen möchte die EKD-Kammer für Entwicklung und Umwelt mit der Studie einen kritischen Diskussionsbeitrag leisten, Anstöße für nötige Reformen geben und auf Alternativen aufmerksam machen, die drei Zielen nachhaltiger Entwicklung entsprechen: dem Schutz der Umwelt, der Effizienz des Wirtschaftens und der sozialen Gerechtigkeit. Nachhaltigkeit wird nur dann erreicht, wenn die einseitige Ausrichtung auf eines der drei Ziele vermieden wird.

Allen an der Entstehung der Studie Beteiligten möchte ich für dieses Arbeitsergebnis danken.

Hannover, 20. Juli 2000
Präses Manfred Kock
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Essen wir die Welt? - Ernährung der Zukunft

Eine Ausstellung mit Begleitmaterial zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg

"Keine Gentechnik auf Kirchenland"

Die Kampagne "Keine Gentechnik auf Kirchenland" der kirchlichen Umweltbeauftragten führte zu zahlreichen Beschlüssen zum Umgang mit der Gentechnik auf kirchlichem Pachtland. Die jeweils aktuelle Beschlusslage aus EKD und Landeskirchen wird im folgenden dargestellt. 

Gscheit essen - mit Genuss und Verantwortung

Nicht nur Kampagne der Umweltbildung.Bayern, sondern auch Zwei-Jahres-Thema 2012/2013 der kirchlichen Umwelt- und Klimaarbeit in der Ev.-Luth. Kirche in Bayern.

niemand isst für sich allein

Eine Milliarde Menschen weltweit hungert, die Hälfte von ihnen sind Kleinbauern. Die Kampagne von Brot für die Welt zeigt auf, wie die Ernährungsunsicherheit im Süden entsteht und mit unseren eigenen Konsumgewohnheiten zusammenhängt. 

Vielfalt säen - Freies Saatgut erhalten

80 Prozent der Lebensmittel auf der Welt werden von Kleinbauernfamilien angebaut, die nur eine kleine Ackerfläche und geringe technische Ausstattung zur Verfügung haben. Die Arbeit dieser Bauernfamilien ist von unschätzbarem Wert für den Großteil der Welternährung und den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die vielen Kleinbauern und Kleinbäuerinnen benötigen dafür freien Zugang zu Saatgut. Wer kein Saatgut hat oder wem das freie Saatgut genommen wird, der kann sich nicht selbst ernähren und gerät in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen ‒ mit verheerenden Folgen. Doch die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren.
 

Lesetipp aus der Ökumene

Die Arbeitsgemeinschaft der Katohlischen Umweltbeauftragten weist auf zwei Publikationen aus der Ökumene hin. Sie bieten weitere Informationen und Anregungungen für die Diskussion: In der Sachverständigengruppe »Weltwirtschaft und Sozialethik« der Deutschen Bischofskonferenz erschien die Studie »Den Hunger bekämpfen. Unsere gemeinsame Verantwortung für das Menschenrecht auf Nahrung« -
Quelle: http://www.dbk-shop.de/de/DBK/Publikation-der-Wissenschaftlichen-Arbeitsgruppe/Den-Hunger-bekaempfen-1519.html

Der Zentralrat der deutschen Katholiken gibt eine Erklärung "Eckpunkte für eine nachhaltige Landwirtschaft" heraus
Quelle: http://www.zdk.de/veroeffentlichungen/erklaerungen/detail/Eckpunkte-fuer-eine-nachhaltige-europaeische-Landwirtschaft-201W/ 

München, im Juli 2012


Das Jahresthema 2012 von Bildung für Nachhaltige Entwicklung war Ernährung


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Publikationsdatum dieser Seite: Sonntag, 3. Juni 2018 10:53