Begrüßung von Oberkirchenrätin Katrin Hatzinger zum Podiumsgepräch "Zukunft der Arbeit" am 7. November in Brüssel 38514

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

sehr herzlich darf ich Sie zu unserer Veranstaltung „Die Zukunft der Arbeit“ Welche Ethik für das digitale Zeitalter?“ begrüßen. Ich freue mich sehr, dass wir Sie, liebe Frau Prof. Dr. Woopen als Vorsitzende des Europäischen Ethikrates dafür gewinnen konnten, uns heute Abend Einblicke in den Stand der Beratungen der EGE zum Thema geben. Besonders dankbar bin ich darüber hinaus, dass es uns gelungen ist, für Sie als „Sparring-Partner“ niemand geringeren als den vormaligen Ratsvorsitzenden des Rates der EKD und früheren Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, zu gewinnen. Sehr geehrter, lieber Wolfgang Huber, schön, dass Sie heute den Weg nach Brüssel gefunden haben. Dass Sie beide sich nicht zuletzt aufgrund Ihrer Zusammenarbeit im Deutschen Ethikrat gut kennen, trifft sich umso besser. Wir sind äußerst gespannt auf den Austausch zwischen der renommierten Medizinethikerin und dem profilierten Theologen und Sozialethiker. Seien Sie herzlich willkommen.

Herzlich begrüßen darf ich auch den Moderator der heutigen Veranstaltung, Dr. Ralph Charbonnier. Er leitet im Kirchenamt der EKD in Hannover das Referat für sozial- und gesellschaftspolitische Fragen. In dieser Funktion ist er auch für die Kammer für soziale Ordnung zuständig, die aktuell einen EKD-Text zum Thema „Den digitalen Wandel gestalten“ erarbeitet, der im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll.

Kirche und Digitalisierung, das ist kein Selbstläufer, aber auch kein Gegensatz. Innerhalb der EKD gibt es zahlreiche Initiativen dazu, die Kirche in der digitalen Welt zu verorten und auch die ethische Debatte gewinnt zunehmend an Fahrt, auch wenn der EKD Ratsvorsitzende Heinrich Bedford- Strohm vor zwei Jahren noch davon sprach, dass die digitale Welt „eine ethische Grauzone“ sei. Das Thema Digitalisierung  bzw. industrielle Revolution 4.0. (nach der Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung) ist ein wichtiges Thema für die Kirchen, geht es doch darum unter den Vorzeichen des digitalen Wandels die Würde des Menschen und seine Autarkie zu wahren, Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu leben sowie die Teilhabe aller zu ermöglichen.

Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,
Bewahret sie!
Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!

mahnte Friedrich Schiller in seinem Gedicht „Die Künstler“. Schillers Zeilen lassen sich jedoch nicht nur als Mahnung, sondern auch als Auftrag an Kunst und Wissenschaft lesen. Denn seiner Meinung nach sind die Kunst und die Wissenschaft in der Lage, des Menschen Würde zu vervollkommnen. Die ganze Ambivalenz der Debatte ist also in diesen wenigen Zeilen bereits angelegt.

Je nach Perspektive wird die Digitalisierung der Arbeitswelt entweder mit großen Hoffnungen auf die Eröffnung neuer Berufsfelder, mehr wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand oder aber mit großen Ängsten vor Arbeitsplatzverlust wegen Verdrängung durch Maschinen, einer Vertiefung sozialer Spaltungen zwischen hoch- und geringqualifizierten Arbeitnehmern und Abbau von sozialen Schutzstandards verbunden.

Fest steht, der digitale Wandel schreitet rasant voran und es fällt nicht nur der Politik schwer, mit der enormen Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen Schritt zu halten und ein passendes gesetzliches Regelwerk aufzulegen, sondern auch wir Normalbürger sind mit den Möglichkeiten des technischen Fortschritts oft überfordert.

Je schneller der technische Fortschritt voranschreitet, umso dringlicher stellt sich daher die Frage, wie ein ethisch verantwortlicher Umgang mit digitalen Technologien in der Arbeitswelt und ihren Potentialen und Risiken aussehen kann? Ist die Technik für den Menschen da oder der Mensch für die Technik?

Bereits im Februar dieses Jahres hatte die European group on ethics zu einem Austausch über die verschiedenen Aspekte des Themas „Zukunft der Arbeit“ eingeladen, an dem auch Kirchenvertreter beteiligt waren. Ende des Monats soll nun das Meinungspapier mit Empfehlungen an die EU-Kommission vorgelegt werden. Wir freuen uns, dass wir heute sozusagen exklusiv und vorab erste Einblicke in die Beratungsergebnisse der EGE erhalten werden und ich darf nun Sie bitten, liebe Frau Prof. Woopen, uns den Stand Ihrer Beratungen in einem kurzen Impuls darzulegen, bevor Prof. Huber darauf aus theologischer Warte reagieren wird.

Ich wünsche uns allen einen anregenden Abend!