EKD und DBK stellen Statistiken zur Kirchenmitgliedschaft für 2018 vor

Noch immer ist mehr als die Hälfte der Deutschen Mitglied einer Kirche

Menschen verlassen die Kirche (Symbolbild)

Ursache für die insgesamt sinkenden Mitgliederzahlen sind Kirchenaustritte und Sterbefälle, ergibt die Jahresstatistik 2018 zur Kirchenmitgliedschaft der beiden großen Kirchen in Deutschland. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verbindet mit den Zahlen auch eine Aufforderung. Da Menschen heute, anders als früher, aus Freiheit entschieden, ob sie der Kirche angehören wollen, müsse man umso deutlicher machen, warum die christliche Botschaft attraktiv sei, sagte er.

Hannover/Bonn (epd). Die Mitglieder schwinden rasant. Das ist das Ergebnis der am 19. Juli vorgestellten Jahresstatistiken für 2018 der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Evangelische und katholische Kirche verloren demnach 2018 noch mehr Mitglieder als bereits 2017. Die Zahl der Protestanten ging um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000. Der Verlust summiert sich auf rund 704.000 Mitglieder. Im Jahr 2017 waren es noch knapp 660.000.

Trotz des zunehmenden Mitgliederschwunds sind mehr als die Hälfte aller Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen. 21,1 Millionen Menschen gehörten 2018 der evangelischen Kirche an. Die katholische Kirche zählte zum Stichtag 31. Dezember rund 23 Millionen Mitglieder. Finanzwissenschaftler der Universität Freiburg prognostizieren, dass in rund 40 Jahren nur noch 22,7 Millionen Menschen einer der großen christlichen Kirchen angehören werden. Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, nannte die Zahlen „besorgniserregend“.

Ursache für die sinkenden Mitgliederzahlen sind Kirchenaustritte und Sterbefälle. Die 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verloren zwar mehr Mitglieder als die 27 deutschen Bistümer. Doch in der katholischen Kirche stiegen die Austritte prozentual stärker an. So traten 2018 rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche aus (2017: rund 200.000). Der katholischen Kirche kehrten im vergangenen Jahr knapp 216.000 Menschen den Rücken, ein Jahr zuvor waren es noch rund 168.000 gewesen. Das ist ein Anstieg um mehr als ein Viertel gegenüber der Vorjahreszahl.

„Jeder Austritt schmerzt.“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (l.). ueberreicht die Martin-Luther-Medaille der EKD an Kardinal Karl Lehmann.
Heinrich Bedford-Strohm Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB)

Die Diskussion über die Aufarbeitung des Missbrauch ist einer zentralen Gründe für den Vertrauensverlust der Mitglieder. „Wir verstehen, wenn durch Entfremdungsprozesse oder einen großen Vertrauensverlust Misstrauen entstanden ist und Glaubwürdigkeit verspielt wurde“, sagte Langendörfer. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte: „Jeder Austritt schmerzt.“ Er verbindet mit den Zahlen auch eine Aufforderung. Da Menschen heute, anders als früher, aus Freiheit entschieden, ob sie der Kirche angehören wollen, müsse man umso deutlicher machen, warum die christliche Botschaft attraktiv sei, sagte er.

2018 starben laut Statistik 340.000 evangelische Kirchenmitglieder. Die Zahl der Sterbefälle in der katholischen Kirche wird in veröffentlichten Statistik hingegen nicht erfasst. Die katholische Kirche weist in ihrer Statistik nur die Zahl der Bestattungen nach katholischen Ritus aus. Demnach ließen sich rund 240.000 Menschen katholisch beerdigen.

Doch die beiden christlichen Kirchen konnten im Jahr 2018 auch Mitglieder gewinnen. Durch Aufnahmen und Taufen wurden rund 195.000 Menschen Mitglied der evangelischen Kirche, rund 176.500 Menschen wurden katholisch. Während 2017 die Zahl der neu oder wieder gewonnen Mitglieder noch höher lag als die Zahl der Austritte, ist dies 2018 nicht mehr der Fall.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) machte in ihrer Statistik auch Angaben zur Kirchensteuerentwicklung. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer sind demnach 2018 erneut gestiegen. 5,79 Milliarden Euro betrug das Kirchensteueraufkommen, 2017 waren es noch 5,67 Milliarden Euro. Wegen der guten Konjunktur steigen die Kirchensteuereinnahmen trotz sinkender Mitgliedszahlen seit 2010. Bis 2060 wird sich die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen in etwa halbieren, ergab die Prognose der Universität Freiburg, die im Mai 2019 veröffentlicht worden war.

Franziska Hein (epd)


Die Kirchenmitglieder sind in den vergangenen zehn Jahren stetig weniger geworden, trotzdem sind die Einnahmen aus der Kirchensteuer gestiegen. Dieser Trend könnte noch kurze Zeit anhalten, prognostizierten Freiburger Forscher im Mai. Die Wissenschaftler haben für die beiden großen christlichen Kirchen einen Blick in die Zukunft geworfen und anhand von demografischen Daten und Trends bei Taufen und Ein- und Austritten berechnet, wie sich Kirchenmitglieder und Einnahmen bis 2060 entwickeln könnten.

 

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Mitgliederschwund schon heute Realität ist. Im Jahr 2007 gab es insgesamt 50,3 Millionen Christinnen und Christen, die Mitglied in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) oder in der römisch-katholischen Kirche waren. Das waren damals 61,2 Prozent der gesamten deutschen Bevölkerung.

Cover Gezählt 2019

Gezählt 2019

Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben.

Die Statistik 2018 der Evangelischen Kirche in Deutschland.