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Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche

EKD-Text 113, aktualisierte Auflage, 2013

"Alles was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles
im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn."
Kolosser 3,17

Martin Luther ermahnt uns in seinem Kleinen Katechismus, dass wir Gott lieben und vertrauen und gerne tun nach seinen Geboten. In seiner Erklärung zum 7. Gebot führt er aus: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten."

In der Leuenberger Konkordie (II.1.d) heißt es für uns konkret: "Sie [die Christen] treten ein für irdische Gerechtigkeit und Frieden zwischen den einzelnen Menschen und unter den Völkern. Dies macht es notwendig, dass sie mit anderen Menschen nach vernünftigen, sachgemäßen Kriterien suchen und sich an ihrer Anwendung beteiligen."

In diesem Sinne soll sich auch unser Handeln im Bereich der Geldanlagen nicht im Widerspruch, sondern im Einklang mit Gottes Geboten und unserem kirchlichen Auftrag befinden. Der kirchliche Auftrag besteht in der Verkündigung des Evangeliums, im diakonischen Handeln und im Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung in dieser Welt. Zum evangelischen Christ sein gehört dabei auch die Freiheit der Entscheidungen in Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Verantwortlicher Umgang mit dem anvertrauten Geld bedeutet, es ökonomisch zielgerichtet unter Beachtung des so genannten Magischen Dreiecks unter Abwägung der drei Kriterien "Sicherheit, Liquidität und Rendite" anzulegen und sich zugleich mit den Wirkungen der Geldanlagen auf Andere auseinanderzusetzen und dem Magischen Dreieck ein viertes Kriterium "Ethik/Nachhaltigkeit" hinzuzufügen. Daher gilt:

Geldanlagen sind nach ökonomischen Grundsätzen vorzunehmen
Zugleich ist die Auseinandersetzung mit den Wirkungen der Geldanlage auf Umwelt, Mitwelt und Nachwelt unverzichtbar.

Darum sollen Geldanlagen unter Berücksichtigung unserer christlichen Werte auch

sozialverträglich,
ökologisch und
generationengerecht erfolgen.

Unter "sozialverträglich" verstehen wir die Anerkennung der Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen und die weltweite Beachtung der bürgerlichen, poltischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte und Pflichten eines jeden Menschen.

Unter "ökologisch" verstehen wir die Verantwortung jedes Einzelnen für die Bewahrung der Schöpfung, nicht nur durch den Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen.

Unter "generationengerecht" verstehen wir die Verantwortung für das Zusammenleben der jetzigen Generation in Gerechtigkeit und Frieden und für die Erhaltung der Entwicklungsmöglichkeiten der kommenden Generationen ("Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.")[1]

Bei Beachtung dieser Kriterien der Vermögensanlage sprechen wir von ethisch nachhaltigen Geldanlagen.


[1] Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 (Brundtland-Bericht), Seite 46