Meine Zukunft in Europa

Einladung zu einem Fachgespräch jung. mobil. aktiv.

Fachgespräch: jung.mobil.aktiv. Meine Zukunft in Europa

22. November 2017

Begrüßungsrede von Frau OKR'in Katrin Hatzinger

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,

sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Gäste,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich zu unserem heutigen Fachgespräch „jung.mobil.aktiv. Meine Zukunft in Europa“, das wir in guter Tradition gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) geplant und vorbereitet haben. An dieser Stelle schon einmal ein herzliches Dankeschön an Doris Klingenhagen für die gute Zusammenarbeit.

„Youth in Europe – What´s next? oder „Wohin soll sich Europa aus Sicht junger Menschen entwickeln?“. Diese Frage steht im Mittelpunkt der gerade laufenden europaweiten Konsultation junger Menschen im Rahmen des Strukturierten Dialogs. Der Strukturiere Dialog ist ein wichtiges Instrument für den Austausch zwischen jungen Menschen und EU-Entscheidungsträgern, z.B. über die Frage, wie die neue EU-Jugendstrategie ab 2019 aussehen soll.

Mit unserer heutigen Veranstaltung wollen wir über den Horizont einer künftigen EU-Jugendstrategie hinausblicken und im Jahr des Weißbuchs zur Zukunft der EU, von Reflektionspapieren und wichtigen Europareden erfahren, was junge Menschen im Hinblick auf das Europa von morgen bewegt.

Im April zeichnete eine Studie der europäischen Rundfunkanstalten ein düsteres Bild von der Einstellung junger Menschen zu Politik und Institutionen. Der Studie „Generation What?“ zufolge vertraut die große Mehrheit junger Menschen in der EU den politischen, medialen und religiösen Institutionen kaum noch. Demnach gaben 82 Prozent der befragten 18- bis 34-Jährigen an, wenig bis gar kein Vertrauen in die Politik zu haben. Die Jungen in Europa beklagten außerdem eine wachsende gesellschaftliche und ökonomische Ungleichheit. Insgesamt wurden 200.000 junge Menschen befragt.  

Doch auch wenn diese Zahlen stutzig machen, junge Menschen sind durchaus an Politik interessiert und haben Interesse, sich in die Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung der EU einzubringen. Das gilt nicht nur, wenn es konkret um Programme wie Erasmus+ JUGEND IN AKTION, aus denen europäische Jugendprojekte finanziert werden, geht oder die Umsetzung des neuen Europäischen Freiwilligendienstes, European Solidarity Corps“. Das gemeinsame Sozialwort der Jugend „Damit die Welt zusammenhält“, das die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend zusammen mit dem Bund der Katholischen Jugend in Deutschland in diesem Jahr veröffentlicht hat, zeugt davon, dass junge Menschen auch zum „großen Ganzen“ Stellung beziehen können und wollen. Darin heißt es u.a „Europa ist für uns ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens. Wir erwarten von der Europäischen Union (EU) und anderen politischen Organisationen in Europa, dass sie sich für Verständigung und sichere Lebensverhältnisse für alle einsetzen – insbesondere auch für die Unterstützung der jungen Generation. (….) Wir verstehen Europa als freiheitliche und demokratische Wertegemeinschaft und wünschen uns ein solidarischeres Handeln gegenüber allen, insbesondere den von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen Menschen in der EU.“

Es gibt sie also, die Ideen und Perspektiven junger Menschen und sie verdienen es in allen politischen Themenfeldern berücksichtig zu werden, die diese Generation betreffen – und das sind einige, von Mobilität und neue Grenzen, über Demokratiebildung und Europäische Bürgerschaft bis hin zu Engagement und digitalem Leben.

Nun ist es an der EU und ihren Institutionen diesen Ideen mehr Gehör zu verschaffen und spürbarer für die Lebenslagen junger Menschen aktiv zu werden.

In diesem Zusammenhang ist es ein erfreuliches Signal, dass die EU-Kommission nach dem diesjährigen Dialog mit den hochrangigen Religionsvertretern zur Zukunft der EU, den Vorschlag aus dem Kreis aufgegriffen hat, 2018 erstmals in diesem Rahmen einen Dialog mit jungen Religionsvertretern zu führen. Auch die EU-Jugendminister haben in dieser Woche auf ihrer Sitzung in Brüssel die Bedeutung der besseren Einbindung der jungen Generation in die Politikgestaltung thematisiert.

Doch ein Dialog verlangt auch ein Stück Ehrlichkeit. So hören wir heute von der EU-Kommission, dass die Arbeitslosigkeit im Euroraum, auch unter Jugendlichen zurückgegangen ist und die Wirtschaft in der Währungsunion anzieht. Man sollte jedoch genauer hinsehen. Die Situation von jungen Menschen hat sich in den letzten Jahren leider nicht flächendeckend verbessert: Immer noch ist die Jugendarbeitslosigkeit in vielen südlichen und östlichen Ländern der EU enorm hoch, zu viele junge Menschen leben in prekären und unsicheren Situationen mit unbezahlten Praktika, befristeten Anstellungen und fehlenden Perspektiven für eine klare Lebensplanung. Wir hoffen, dass wir heute mit unserer Veranstaltung einen kleinen Beitrag zu einem offenen Austausch leisten können und einen Impuls für die Relevanz der Stimme junger Menschen in der europapolitischen Debatte um eine starke und zukunftsfähige EU setzen.

Unser Fachgespräch verzichtet bewusst auf die neusten Statistiken, Zahlen und Fakten über junge Menschen in der EU, auf Vorträge über ihre Situation. Die Jugendlichen sollen vielmehr selbst zu Wort kommen. Deshalb freuen wir uns, dass mit Anni Schöbel, Ferdinand Auwärter und Jan Steinhauer drei junge Leute unmittelbar ihre Perspektive in die Debatte einbringen und dann mit dem Europaabgeordneten Jakob von Weizsäcker und Ellen Durst aus der Generaldirektion Jugend der EU-Kommission ins Gespräch eintreten. Moderiert wird der Austausch von Kai Küstner, WDR/NDR- Korrespondent im ARD-Studio Brüssel. Ihnen allen an dieser Stelle vielen Dank für´s Mitwirken und ein herzliches Willkommen!

Los geht es jetzt mit einem Ausschnitt aus dem Film „Unser Europa“, der junge Europäerinnen und Europäer zu Wort kommen lässt. Doris Klingenhaben wird Ihnen ein wenig mehr dazu verraten. Uns allen wünsche ich nun einen anregenden Austausch!