Fastenbotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden

„Wir dürfen auf falschen Ehrgeiz verzichten“

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, erklärt zum Beginn der Passionszeit und zum Start der Aktion „Sieben Wochen Ohne“:

Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Die sieben Wochen vor Ostern sind in der Tradition der Christenheit eine Fastenzeit. In der evangelischen Kirche gibt es keine festen Fastenregeln. Der Reformator Martin Luther hatte vor 500 Jahren aufgeräumt mit der Vorstellung, dass uns Enthaltsamkeit als „gutes Werk“ vor der Hölle bewahren könne.

Dennoch hat auch Luther gefastet. Ihm ging es beim Fasten um Selbstbesinnung, um die Frage nach seinem Lebensweg, um Umkehr von falschen Wegen - und das heißt um Buße. Das mag heute altertümlich anmuten. Es meint aber etwas sehr Wichtiges für die heutige Zeit, in der viele Menschen unter Burnout und Überforderung leiden: Durch den Verzicht können Menschen sich selbst in Frage stellen, erkennen, dass sie von Beziehungen leben -zu anderen und zu Gott.

Es ist deshalb gut, wenn Menschen die Fastenzeit nutzen, um ausgetretene Pfade zu verlassen und den gewohnten Lebensablauf unterbrechen. Ein Leitgedanke dieser inneren Fastenzeit kann dann sein: Ich darf neu anfangen. Neu anfangen mit mir und mit anderen. Neu anfangen auch mit dem Glauben an Gott. Vor Gott muss ich mich nicht schönreden und auch nichts beweisen, sondern Liebe und Vergebung werden mir von Gott geschenkt.

Das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche lautet „Gut genug - Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz“. Diese Aktion wirbt auf kluge Weise dafür, dass wir vor unseren Mitmenschen und vor Gott auf jeden falschen Ehrgeiz verzichten können. Das heißt: Wir müssen uns nicht überfordern, und wir sollen nicht mehr darstellen wollen als wir wirklich sind. In den entscheidenden Beziehungen unseres Lebens können wir authentisch sein.

Hannover, 22. Februar 2012

Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick