Monster oder Wunder: Was ist der Mensch?

Anna Magdalena Fitzi und Volker Hanisch lesen vor der EKD-Synode

28. Oktober 2002

Beim Thema Mensch wird Anna Magdalena Fitzi lebhaft. "Das ist doch die Frage schlechthin", sprudelt es aus der 36jährigen Schauspielerin heraus. "Was ist der Mensch? Ein Monster? Ein Wunder? Diese Fragen sind doch der Grund, warum man überhaupt Theater spielt."

"Was ist der Mensch?" lautet auch das Schwerpunktthema der diesjährigen Synode der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die vom 3. bis 8. November in Timmendorfer Strand tagt. Am 4. November wird Anna Magdalena Fitzi gemeinsam mit ihrem Kollegen Volker Hanisch vor den Teilnehmern der Synode eine Lesung zu diesem Thema veranstalten.

Ob nun Lesungen, Radiohörspiele oder Theater: die Schauspielerei bestimmt ihr Leben. Schon ihre Eltern waren am Theater, und für Anna Magdalena Fitzi gab es nie einen Zweifel, dass auch sie eines Tages auf der Bühne stehen würde. Sie studierte an der Kunsthochschule in Stuttgart und Lüttich/Belgien und erhielt 1994 den nordrhein-westfälischen Nachwuchspreis. Zur Zeit hat sie ein Engagement am Stadttheater Lübeck.

"Das Theater", so sagt sie, "ist ein Ort gelebter Suche. Es geht um das Ungeklärte und die ewigen Fragen nach Macht, Verrat, Idealismus. Theater ist die Möglichkeit zu leidenschaftlicher Reflexion."

Leidenschaft und Reflexion - die Verbindung dieser Gegensätze klingt in den Sätzen der Schauspielerin mit. War ihre Stimme gerade noch lebhaft und engagiert, zögert sie plötzlich, sucht nach Worten, um schließlich zu seufzen: "Das kann man schwer erklären. Es wäre viel leichter, das zu inszenieren."

Manchmal kommen ihr auch Zweifel: "Man fragt sich schon ab und zu, ob sich der Einsatz lohnt. Ob man überhaupt etwas bewirkt." Die gesellschaftliche Situation will sie hinterfragen, will wissen, was den Menschen zu dem macht, was er ist. "Das Thema Bildung ist doch gerade in aller Munde. Aber was bildet den Menschen denn? Welche Vor-Bilder hat er? Und wie bildet man jemanden zum Menschlich-Sein aus?"

Kirche und Theater könnten ihrer Meinung nach stärker zusammen arbeiten. "Die Kirche hat die Räume und das Publikum", so Anna Magdalena Fitzi. "Wenn sie sich einem weltlichen Diskurs öffnen würde, könnte man gemeinsam auf die Suche gehen. Denn darum geht es doch: Um die spannende Suche nach fehlenden Antworten."

Hannover, den 28. Oktober 2002
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi



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