Gesellschaft ist auf Kirche angewiesen

03. November 2002

Der Wertekonsens der Gesellschaft lasse sich ohne das christliche Menschbild nicht verstehen, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock, in seinem Ratsbericht zum Auftakt der 7. Tagung der 9. Synode der EKD. In einem kurzfristig zum schriftlichen Redemanuskript ergänzten Abschnitt verwies Kock darauf, dass der moderne Staat seine Voraussetzungen nicht aus sich selbst hervorbringen könne und deshalb die persönlichen Überzeugungen der Bürgerinnen und Bürger brauche.

Nachdem in dieser Woche, die neue Bundesregeierung gebildet worden sei und ihre Aufgabe mit der Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder übernommen habe, sei „neuerlich bewusst geworden, vor welchen verschärften Problemen Deutschland schon in nächster Zukunft stehe.“ Bei deren Bewältigung seien "Staat und Politik auf die persönlichen, vor allem die religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen der Bürger und ihr bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Viele Christen in dieser Gesellschaft verstehen sich bewusst als Christen, sowohl der Christengemeinde wie der Bürgergemeinde zugehörig".
Das Engagement der Kirche und der Christen in den Kirchen müsse nicht pünktlich in jeder Regierungserklärung erwähnt werden, kommentierte Kock die Tatsache, dass erstmalig die Kirchen nicht von Bundeskanzler Gerhard Schröder erwähnt wurden. Es sei jedoch festzuhalten: "Das, was den sogenannten Wertekonsens der heutigen Gesellschaft ausmacht, ist eben weder historisch noch aktuell ohne das christliche Menschenbild und dessen Entwicklungsgeschichte zu verstehen".

Der ergänzte Abschnitt im Wortlaut

„Mit – und nach – der Bildung der neuen Bundesregierung ist uns allen neuerlich bewusst geworden, vor welchen verschärften Problemen unser Land schon in nächster Zeit stehen wird.
Dazu möchte ich mich jetzt nicht im Einzelnen äußern. Aber im Zusammenhang mit dem, was ich eben ausgeführt habe, will ich an Folgendes erinnern: Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde hat einmal sinngemäß gesagt, der moderne Staat könne seine Voraussetzungen nicht aus sich selber hervorbringen. Staat und Politik sind also auf die persönlichen – auch und vor allem die religiösen oder weltanschaulichen – Überzeugungen ihrer Bürger und auf deren bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Viele in dieser Gesellschaft verstehen sich bewusst als Christen, sowohl der Christengemeinde wie der Bürgergemeinde zugehörig. Selbst wenn dieses Engagement der Kirchen und der Christen nicht in jeder Regierungserklärung pünktlich erwähnt werden muss, bleibt doch festzuhalten: Das, was den sogenannten Wertekonsens der heutigen Gesellschaft ausmacht, ist eben weder historisch noch aktuell ohne das christliche Menschenbild und dessen Entwicklungsgeschichte zu verstehen.“

Timmendorfer Strand, 3. November 2002
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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