Mensch klingt anders

Kock schreibt an Rocksänger und wünscht Segen für Tournee

07. November 2002

„Da kommt ein Pop-Sänger daher, singt und sagt an, was uns unbedingt angeht.“ Keinen Bibeltext hat sich Christel Ruth Kaiser ausgesucht für die Andacht am Donnerstagmorgen während der Tagung der Synode. Sie weiß, das ist ein Lied und kein Predigttext, doch das Lied bietet „eine Reihung christlich fundierter Gedanken – kurz und knapp, dabei authentisch und konkret“. Wo sonst Texte des alttestamentlichen Schmerzensmanns Hiob und Lieder aus den Jahrtausendealten Psalmen vorgelesen wurde, erklang am vorletzten Synodentag Herbert Grönemeyer. Im Song „Mensch“ hat die Oberstudiendirektorin „Monologfetzen“ erkannt, die in die Weite menschlicher Existenz führen.

In Text und Melodie hört sie den „persönlichsten Ausdruck seiner Trauer, ausgelöst durch den frühen Tod seiner Frau und seines Bruders“. Darin sei, so Christel Ruth Kaiser, die eigene und die andere Ratlosigkeit zu spüren, „aber wir saugen auch die Hoffnungszeichen auf, die er setzt“. Die Synode hat mehrere Tage gefragt und diskutiert „Was ist der Mensch?“ Die Antworten von Herbert Grönemeyer wirken nicht „mit erhobenem Zeigefinger“, so die Lehrerin, sondern sie „erzählen von Glück und Leid, singen von Leben und Tod, fragen nach Sinn und Halt, machen Mut“.

Im Anschluss an die Gedanken von Christel Ruth Kaiser über den wochenlangen Nummer 1 Hit bekamen die Mitglieder der Synode und die Gäste die Single-CD mit dem Song „Mensch“ überreicht. Dieser Song würde den „Menschen in allen Generationen und Bevölkerungsgruppen Zeichen und Bestätigungen für ihr elementares Bedürfnis nach Selbstvergewisserung, mehr noch: nach religiöser Orientierung“ geben.

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Kock, hat an Herbert Grönemeyer einen Brief zum Start der Tournee am morgigen Freitag, 8. November, in Friedrichshafen geschrieben: „Der Mensch im Werden, der Mensch im Sterben, der Mensch in den Anfechtungen des Lebens – das ist der Mensch, der liebt und lebt, wie Sie ihn in dem Lied „Mensch“ beschreiben.“ Bei vielen Liedern auf der neuen CD sei zu spüren, wie sehr der Sänger durch die Erfahrung von Leid, Schmerz und Tod geprägt wurde. In den Texten und in der musikalischen Gestaltung würden Gefühle und Ängste, Sorgen und Fragen anklingen. Manfred Kock freute sich: „Dass Sie wieder auf Tournee gehen, ist für viele andere, die durch den Verlust eines lieben Menschen wie gelähmt sind, ein Zeichen der Hoffnung.“ Der Ratsvorsitzende wünschte mit diesem Brief dem Rocksänger Gottes Segen für die Tournee.

Timmendorfer Strand, 7. November
Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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