"Kirche unterstützt was der Freude aneinander und gegenseitigen Achtung dient"

EKD-Synode beschliesst ihre Kundgebung

07. November 2002

Jedem Menschen sei Würde geschenkt, die ihm nicht genommen und die er selbst sich nicht nehmen könne. Deshalb setzt sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dafür ein, dass Leben in Beziehung und Gemeinschaft ermöglicht, gestärkt und gefördert wird. Die Würde des Menschen aus evangelischer Perspektive beschreiben und in den Herausforderungen unserer Zeit konkretisieren -– das möchte die Synode. mit ihrem Kundgebungstext. Sie versucht damit, eine Antwort auf die Frage zu geben "Was ist der Mensch?", dem Schwerpunktthema der 7. Tagung der 9. Synode der EKD in Timmendorf.

Der Kundgebungstext "...wenig niedriger als Gott"?, der von der Synode der EKD zum diesjährigen Schwerpunktthema verfasst wurde, ist mit großer Mehrheit und dem Zusatz eines Thesenpapiers verabschiedet worden. Vorausgegangen war eine längere Aussprache. So ist etwa die These "Der Mensch ist gefallen" auf Antrag eines Synodalen geändert worden in: "Der Mensch ist Sünder". Für den der theologischen Sprache entwöhnten Leser habe dies ansonsten eine andere Bedeutung, so die von den Synodalen mit Schmunzeln aufgenommene Erklärung.

Die Synode beschreibt im Kundgebungstext den Menschen aus christlichem Verständnis; nämlich als Geschöpf Gottes, dem eine unverlierbare Würde zueigen ist. Der ihn leitende Maßstab sei die Liebe, die ihm selbst von Gott entgegengebracht werde. "Sie konkretisiert sich im Mitgestalten von Strukturen und Ordnungen, die das Gemeinwohl befördern."

Exemplarisch entfaltet die Synode Aufgaben und Ziele für die Evangelische Kirche in konkreten Verantwortungsfeldern. So sei der Mensch grundsätzlich ein Beziehungswesen. Die Evangelische Kirche unterstütze "alles, was der Freude aneinander, der gegenseitigen Achtung dient."

Sie wolle vermitteln, "dass kein Mensch sich seine Daseinsberechtigung und Würde erst durch seine Leistung verdienen muss, sondern dass diese ihm mit seinem Dasein immer schon gegeben sind." Sie trete für den Schutz der Würde jedes Menschen ein und bejahe in diesem Zusammenhang nachdrücklich die medizinische Forschung. Allerdings, so die Synode, müsse "jedes ´Ethos des Heilens´ um seine Grenzen wissen, um menschlich zu bleiben. Das schließt die Einsicht ein, dass Krankheit, Sterblichkeit und Tod zum Menschsein gehören."

Würde und Lebensrecht dürften, so die Synode, durch keine Behinderung in Frage gestellt werden. Anlass zur Besorgnis gebe, dass eine durch vorgeburtliche Diagnostik festgestellte Behinderung fast automatisch zum Schwangerschaftsabbruch führe. Betroffene Eltern müssten begleitet und zur Annahme des Kindes ermutigt werden. Die Diskussion über Sterbehilfe und Euthanasie verstehe die Evangelische Kirche als Herausforderung. Sie unterstütze die Hospizbewegung sowie den Einsatz der schmerzlindernden Palliativmedizin als Beitrag zu einem menschenwürdigen Sterben. Diese wie auch weitere Punkte sind in der Kundgebung direkt angesprochen.

Timmendorfer Strand, 7. November 2002
Pressestelle der EKD
Anita Hartmann



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