Grußworte (Auswahl)

2. Tagung der 10. Synode der EKD Trier, 2. - 7. November 2003

Kurt Beck

Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz

Es gilt das gesprochene Wort.

Hochverehrter Herr Bundespräsident, verehrte Frau Rinke, Hohe Synode, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlichen Dank für die Gelegenheit, bei Ihnen Gast zu sein, und herzlichen Dank dafür, dass Sie Gäste in unserem - ich darf es sicher so sagen - schönen Land Rheinland-Pfalz sind. Wir freuen uns darüber, dass Sie Trier als Ort dieser Synode gewählt haben, und wir freuen uns darüber, dass diese Synode bisher einen so erfolgreichen Verlauf genommen hat. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass dies weiterhin so sein mag.

Es ist an mir, heute eine Bitte an Sie auszusprechen, die herzliche Bitte nämlich an die Evangelische Kirche in Deutschland, den Dialog mit der Politik weiterhin zu suchen und zu pflegen, denn wir alle in Deutschland, die Politik in besonderer Weise, haben es nötig, diesen Dialog mit den Kirchen zu führen. Es ist nicht so, dass die Fragen, von denen der Herr Bundespräsident gesprochen hat, bei der Politik alle mit klaren und eindeutigen und auf sicherer Basis fußenden Antworten versehen werden könnten. Wir sind auch sehr unsicher in sehr vielem, was wir an Antworten versuchen. Wir brauchen, so glaube ich, immer wieder das Gespräch, das es uns möglich macht, zu überprüfen, ob das, was wir an Antworten versuchen, mit den Werten, insbesondere mit den christlichen Werten, auf denen unsere Überzeugungen, auch unsere Verfassung basiert, übereinstimmt.

Dieses Einordnen in das Wertegerüst ist nicht ganz so einfach, wenn man jeden Tag mit neuen Hiobsbotschaften auf der einen Seite überhäuft wird, aber auf der anderen Seite den Versuch unternehmen will, die großen Chancen, die unserer Generation und den folgenden Generationen geboten sind, nicht hinter diesen Herausforderungen und hinter den negativen Botschaften verschwinden zu lassen.

Wenn Sie hier in Trier tagen, liegt es mir einfach am Herzen zu sagen: Diese Stadt ist eine Stadt, die Brückenfunktion wahrnimmt ins westliche Europa hinein. Wenn wir wissen, dass wir im kommenden Jahr diese Funktion Westeuropas als einem Teil des Zusammenschlusses des europäischen Kontinents weitestgehend vollenden können, indem wir Mittelosteuropa einbeziehen in die gemeinsamen Zukunftsherausforderungen und deren Bewältigung, dann ist dies eine ungeheure Chance, wenn man sich gleichzeitig vergegenwärtigt, dass an der Grenze zu Frankreich, die unweit von hier ist, über anderthalb Jahrhunderte geschossen worden ist und von Erbfeindschaften gefaselt worden ist.

Das wollen wir nicht vergessen, und diese Chance sollten wir auch den jungen Menschen immer wieder vor Augen führen, damit sie Mut haben. Aber wir müssen auch wissen, dass diese Offenheit, diese neuen weltweiten Möglichkeiten damit verbunden sind, dass härter denn je um jeden Arbeitsplatz, um jeden investierten Euro gerungen wird. Es ist manchmal für den handelnden Politiker nicht so ganz einfach, wenn ein Weltkonzern zu einem kommt und sagt: Wenn wir hier in Trier oder in Mainz oder in Kaiserslautern oder wo auch immer bleiben soll, dann müsst ihr uns jetzt einmal 40 oder 50 Millionen Euro auf die Hand geben, ansonsten haben wir ein sehr viel günstigeres Angebot, irgendwo in Mittelosteuropa oder wo auch immer auf der Welt. Da sträubt sich alles in einem zu sagen: Ja, ja, das machen wir, weil wir natürlich genau wissen, dass wir im sozialen Bereich, im Bereich der mittelständischen Wirtschaft und viele andere Sektoren unseres Zusammenlebens diese Euros einsetzen müssen, und da werden sie viel vernünftiger eingesetzt.

Nur, wenn man dem folgt, dann heißt dies zugleich, dass 5.000 bis 6.000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und viele Mittelständler, die mit einem solchen Unternehmen verbunden sind, ihre Existenz gefährdet sehen. In solchen Alltagskonflikten muss man häufig pragmatisch entscheiden und dennoch wiederum versuchen, das, was über die einzelnen Entscheidungen hinausgeht, nicht aus dem Ruder laufen zu lassen und der Willkürlichkeit anheim zu stellen. In solchen Fragen brauchen wir das Gespräch, brauchen wir auch die Einbindung als Person, aber auch in unseren Funktionen, in unserer Kirche und in der Diskussion die Gespräche, die dort möglich sind.

Einen zweiten Punkt will ich mir erlauben, in der Kürze dieses Grußworts noch anzusprechen, um die Bitte zum Dialog zu untermauern. Sie wissen, dass ich für die Länder der Bundesrepublik Deutschland die Aufgabe habe, die Medienpolitik zu koordinieren. Ich glaube, dass wir gerade in diesem Feld in der besonderen Verpflichtung stehen, sehr kritisch, sehr selbstkritisch, aber auch mit einem wachen Auge für die Wirklichkeit die mediale Entwicklung zu diskutieren. Das digitale Zeitalter hat begonnen. Das, was an Vielfalt, die allzu häufig im Alltag eher Einfalt ist, einströmt, wird sich quantitativ noch deutlich ausweiten. Auch an dieser Stelle kommt es darauf an, dass wir die Maßstäbe nicht verlieren, dass wir die Einordnung dessen, was in Rundfunk und Fernsehen, im medialen Bereich passiert, in das allgemeine Wertegerüst weiterhin einfordern.

Eine Voraussetzung dafür ist für meine Begriffe, dass wir nicht aufgeben zu verlangen, dass dies eben auch die Definition von Fernsehen und Radio als Kulturgut voraussetzt. Denn wenn wir erst einmal akzeptiert haben, es handele sich um ein allgemeines Wirtschaftsgut, dann werden viele der Ansprüche, die wir miteinander besprechen, eben an den für Wirtschaftsgüter geltenden Spielregeln unseres Zusammenlebens zerschellen. Deshalb hoffe ich, dass es uns gemeinsam gerade auch in einem größer werdenden Europa gelingt, unsere Vorstellungen in Brüssel nicht nur einzubringen, sondern auch durchzusetzen, damit wir nicht am Ende zwar sehr, sehr viele Sender, aber kaum noch eine wirkliche Wahlmöglichkeit haben, wenn es uns darum geht, Inhalte auszuwählen, und dass es dann vielleicht außer einigen Alibisendungen kaum noch eine Reflektion der Dinge geben wird, die über das schrille, das laute, das schnelle Berichten hinausgeht.

Auch dort müssen wir, denke ich, das Gespräch ganz, ganz intensiv suchen und weit über parteipolitische Grenzen hinaus die Reihen derjenigen, die diese Überzeugung haben, schließen, damit diejenigen, die alles nur unter materiellen Gesichtspunkten einordnen wollen, letztlich nicht Recht bekommen.

Meine Damen und Herren, ich bitte Sie in diesem Sinne um diesen Dialog und um diese Zusammenarbeit. Wenn es so kommen sollte, dass mich meine Partei in zwei Wochen in eine der Stellvertreterfunktionen auf Bundesebene wählt, will ich dort gern den Versuch unternehmen, die Aufgabe wahrzunehmen, die Kontakte zu den christlichen Kirchen in besonderer Weise zu pflegen. Ich hoffe, dass der lebendige Dialog - ich darf das sicher im Beisein der für Rheinland-Pfalz zuständigen Präsiden und Kirchenpräsidenten so formulieren -, der in Rheinland-Pfalz geführt wird, auch auf Bundesebene versucht wird. Ich bitte Sie in jedem Fall darum.

Insoweit bleibt mir, daran anknüpfend, ein herzliches Wort des Dankes für die Zusammenarbeit zu sagen, die wir hier über viele Jahre miteinander pflegen konnten und weiter pflegen wollen.

Ich möchte natürlich die Gelegenheit nutzen, Ihnen, verehrter Präses Kock, ganz herzlich für diese Zusammenarbeit zu danken, die ja aufgrund Ihrer Funktion auch eine bundesweite war, aber eben auch eine rheinland-pfälzische gewesen ist. Ich danke Ihnen für die Funktionen insgesamt, die Sie wahrgenommen haben, und dafür, wie Sie sie wahrgenommen haben.

Ihnen, Herr Professor Huber, wünsche ich für die große Aufgabe, in die Sie gewählt worden sind, alles Gute, Gottes Segen, viel Erfolg. Auch uns eine gute Zusammenarbeit und ein gutes Zusammenwirken mit Ihrem Stellvertreter, Herrn Dr. Kähler, und mit allen, die in den Rat gewählt worden sind.

Ich möchte zum einen den Dank an Sie, Präses Kock, und zum anderen die guten Wünsche an Sie, Herr Professor Huber, ausdrücken, indem ich Ihnen jeweils einen gerade in diesen Tagen erschienenen Bildband über das mittlere Rheintal, das jüngste Weltkulturerbe in Deutschland, mit auf den Weg gebe. Das soll Sie erinnern an dieses Land. Sie werden viele kulturelle Hinweise finden, die deutlich machen, dass die Kultur bei uns wie überall in Deutschland, in Europa und darüber hinaus eine Menge mit dem zu tun hat, was die Kirche und den weltlichen Bereich verbindet, ohne die Dinge gleichsetzen zu wollen.

Alles Gute für die Zukunft, herzlichen Dank für die Zusammenarbeit, viel Erfolg für die weitere Arbeit der Synode.

Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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