Weitere Berichte

2. Tagung der 10. Synode der EKD Trier, 2. - 7. November 2003

„Auf dem Weg zu einer befreienden Mission“

Zusammenfassung des Jahresberichtes 2002/2003 des Evangelischen Missionswerks in Deutschland e.V.

Der Jahresbericht des EMW besteht – wie in den Vorjahren – aus einem thematischen Teil und einem Arbeitsbericht. Im thematischen Teil stellt die Amerikareferentin des EMW, Frau Dr. Sabine Plonz, ökumenisches Lernen im Gespräch mit Lateinamerika vor:

Lateinamerika ist ein religiös, ethnisch und sozial vielfältiger Kontinent, in dem neue gesellschaftliche (Landlose, Weltsozialforum, kommunale Bürgerbeteiligung) und kirchliche Subjekte ihre Stimme erheben, die lange aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen waren: Evangelische Denominationen, Pfingstkirchen, Indígenas, Schwarze, Frauen. Daraus resultieren theologische Veränderungen, die auf Entdeckung warten – sowohl diesseits wie jenseits des Ozeans.

Lateinamerika leidet unter politischer und wirtschaftlicher Dominanz von Außen und Korruption im Innern, die eine eigenständige Entwicklung, eine Gemeinwohl orientierte Politik und eine überlebensfähige Ökonomie blockieren. Menschenrechtsverletzungen gegenüber beiden allen von den UN in den neunziger Jahren behandelten Bereichen sind an der Tagesordnung. Das Leben sehr großer Bevölkerungsteile ist im Wortsinn lebensgefährlich.

Die Befreiungstheologie hat sich auf theoretischer, theologischer und spiritueller Ebene mit den aktuellen Entwicklungen auseinandergesetzt und ihre Ansätze fortgeschrieben. Diese Theologie wird von neueren Strömungen wie dem Ökofeminismus und der Erfahrungen der Pfingstler herausgefordert, leiblicher und vielgestaltiger zu werden. Ökumenische Impulse und Aufbrüche, das Evangelium in diesem Kontext zu hören und praktisch werden zu lassen, gibt es genügend.

Was bringen evangelische Kirchen mit in eine ökumenische Zukunft?

In Lateinamerika existiert ein breites Spektrum historischer evangelischer Kirchen, deren Geschichte die Verwobenheit des europäischen und des lateinamerikanischen Kontinentes deutlich werden lassen. Kolonialisierung, Migration und Mission hängen eng zusammen und haben die Kirchen europäischer (und nordamerikanischer) Herkunft verändert.

Auch diese Kirchen sind von dem Wandel des Kontinentes betroffen – womöglich bis hin zu ihrem Verschwinden. Sie stehen vor der Aufgabe und Chance, ihren Ursprung und ihre Identität so zu erinnern, dass die Wurzeln in der Gegenwart in ihrem Kontext hilfreich sind. Nun kann die Kirche als Institution hinter die Kirche als Bewegung in der Mission zurücktreten. Es bilden sich lebendige Gemeinschaften, in denen sich die Menschen verankern und die flexibel und sensibel gegenüber ihrem Umfeld reagieren können. So wird der lateinamerikanische Protestantismus erkennbar.

Die ökumenischen Kirchenräte der Region und ihre Aktivitäten gehören trotz Unzulänglichkeit zu den wichtigen Partnerbeziehungen des EMW. Die ökumenische Kooperation eröffnet Chancen in der Mission, im gemeinsamen Dialog und im Lernen, die Einzelkirchen nicht wahrnehmen können.
 
Mission kann in diesen Zusammenhängen als christliche Existenzweise verstanden werden, die nicht in konfessionelle Einzelteile zerfällt, sondern wahrhaft evangelisch und ökumenisch im Sinn des neutestamentlichen Anfangs ist.

Christ Sein in Lateinamerika ist konfrontiert mit Leiden und Lebenshoffnung, mit dem Glauben an den Bund Gottes mit Israel und der Vielfalt der Religionen in der Völkerwelt. Mission geht von den Armen und ihrem Schrei nach Leben aus. Die Frage nach der Mission, die in der Wirklichkeit des menschlichen Lebens verankert und auf Befreiung ausgerichtet ist, lässt sich nicht endgültig und einseitig beantworten. Sie ist vielstimmig aufzunehmen und eine spannende Herausforderung für die protestantischen Kirchen hierzulande.

Die protestantische Freiheitstradition ist auch in Lateinamerika lebendig. Dort fragt man: Wie kann vor dem Hintergrund von Tod, Unterdrückungserfahrungen und Gnadenlosigkeit der Gesellschaft die Botschaft des Lebens in Fülle, der Freiheit und der Rechtfertigung gelesen werden? Bundestheologische Begründungen der ökumenischen Kooperation und das Leitbild des Lebens in der Heiligung als Impuls zur Solidarität mit den Armen sind andere protestantische Traditionen, die im lateinamerikanischen Kontext wichtig sind. Heilung als Veränderung des ganzen Lebens in der Not des Alltags, Gemeinschaft als Gegenerfahrung zur Einsamkeit und Perspektivlosigkeit sind verbreitete evangelische Praxis in Lateinamerika.


Der Arbeitsbericht stellt die wichtigsten Aufgaben, die die Geschäftsstelle wahrgenommen hat, vor. In dieser Zusammenfassung kann nur auf einige Bereiche verwiesen werden:


1. Direktorat:

Das EMW ist eingebunden in die Suche des ÖRK nach neuen Strukturen seiner Arbeit sowie in größere Verbindlichkeit zwischen ÖRK und „Hilfswerken“.
Die nächste Weltmissionskonferenz findet Pfingsten 2005 in Athen statt unter dem Thema „ Come Holy Spirit, Heal and Reconcile – Called in Christ to be Reconceilling and Healing Communities.”
Kurz vor dem 2. Golfkrieg fand ein Pastoralbesuch bei Kirchen, Gemeinden und Institutionen in Pakistan statt.


2. Geschäftsführung:

Verhandlungen gegen die Reduktion der Kulturfondsmittel waren noch nicht erfolgreich.
Der Vorstand beschloss die Einrichtung von zwei Lehrstellen in der Geschäftsstelle des EMW.
Die Beratung und Koordination wurde von den Mitgliedern als Dienstleistung intensiver als in den Vorjahren in Anspruch genommen.


3. Abteilung Studien und Öffentlichkeitsarbeit

3.1  Die Theologische Kommission erarbeitete nach Beratung im Vorstand eine Publikation zum Verständnis von Bekehrung und Konversion.

In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck wurde das Jubiläum zur Weltmissionskonferenz Willingen 1952 mit Rück- und Ausblick ausgerichtet.
 

Das Exekutiv-Komitee der Internationalen Vereinigung für Missionswissenschaften (IAMS) tagte unter dem Thema „The Integrity of Mission in the Light of the Gospel: Bearing the Witness of  the Spirit“, in Halle fand die zweite Europäische Missionskonferenz auf Einladung der deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft in Zusammenarbeit mit IAMS statt und in Rom trafen sich Experten auf Einladung von IAMS zur Tagung „Rescuing the Memory of our Peoples“, auf der es um den Erhalt von Missionsarchiven ging.

 3.2  Unter Federführung des EMW entstand eine Kooperation zur Herausgabe einer deutschsprachigen Missionszeitschrift, die seit Anfang 2003 gemeinsam von Evang.- luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) Missionswerk der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (MWB), Evang. Missionswerk in  Südwestdeutschland (EMS), „mission 21“ (ehemalige Basler Mission und andere Schweizer Missionen), Evang. Arbeitskreis für Weltmission (EAWM) in Österreich und der Geschäftsstelle des EMW.

 3.3  Das EMW stellt im Internet- eine Nachrichten- und Materialbörse zur Verfügung. In der Koje der Weltmission auf dem Ökumenischen Kirchentag kooperierten 13 katholische und evangelische Missionswerke zusammen.

 3.4  Die Kommission „Frauen in der Mission“ bearbeitet das Thema HIV/AIDS unter frauenspezifischen Gesichtspunkten und bereitet eine Tagung für Ökumenische Mitarbeiterinnen (einmal hin und anders zurück – leben in zwei Kulturen) und eine Internationale Frauenkonsultation (Traditionen – wann befördern, wann behindern bzw. blockieren sie Heilung und Leben) vor. 

„Kursuskonsultation“ und „Kooperationskurs“ sind inzwischen eine eingeübte Kooperation von EED, EKD und EMW zur Qualifizierung von Personalentsendungen. 

Das EMW arbeitet intensiv im „Aktionsbündnis gegen AIDS“ mit, u.a. mit einer Tagung über „Instrumente und Verfahren zur Bekämpfung von HIV/AIDS“ mit und verantwortete die Publikation von Arbeitshilfen.



4. Abteilung Weltmissionarische Zusammenarbeit

4.1  Theologische Ausbildung
Die Kommission für „Theologische Ausbildung“  unter Leitung von Bischof Dr. Abromeit beschließt Förderung von Projekten in Afrika, Asien, Pazifik und Lateinamerika.

Der ÖRK berät Vor- und Nachteile der Dezentralisierung der Arbeit der „Ökumenischen Theologischen Ausbildung (ETE)“


4.2  Afrika

Hamilton M. Dundala , neuer Generalsekretär der Allafrikanischen Kirchenkonferenz bereitet deren aus finanziellen und personellen Gründen von 2002 in den November 2003 vertagte Vollversammlung vor.

Fortbildungskurse in Hamburg für 20 afrikanische Gemeindeleiterinnen und –leiter wurden nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Ein Folgekurs ist in Vorbereitung.


4.3 Asien

Indienreferentinnen und –referenten beraten komplexe Fragen von Partnerschaft und Projektförderung.

Dalit Solidarität in Deutschland (DSiD) stellt Situation der Dalits auf dem Ökumenischen Kirchentag vor.

Die neu gewählte Leitung des „China Christian Council“ und der „Drei-Selbstbewegung“ sowie eine Delegation von Regierungsbeamten der Volkrepublik China, die für das Verhältnis des Staates zur Diakoniestiftung „Amity Foundation“ sowie zur Kirche verantwortlich sind, besuchen Deutschland.

Unter Leitung von Bischöfin Jepsen fährt eine Delegation zur Deutsch-Japanischen Kirchenkonsultation zu „Spiritualität in einer Minderheitenkirche“.

Das „South Asian Ecumenical Partnership Programme (SAEPP) beschäftigt sich mit dem erschreckenden Anstieg von Infizierten und an Aids erkrankten Menschen in Asien.

 4.4  Mittelost
Eine Delegation des Middle East Council of Churchensweist beim Besuch des Ökumenischen Kirchentages darauf hin, dass sich die Lage einheimischer Christen nach dem Irakkrieg drastisch verschlechtert habe.

Die Beteiligung deutscher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Ökumenischen Friedens- und Begleitprogramm in Palästina und Israel (ÖFPI) des ÖRK wird wegen Sicherheits- und Fürsorgefragen neu geregelt.

4.5  Amerika
In Absprache mit dem EED begleitet das EMW den Lateinamerikanischen Kirchenrat (CLAI) und die Karibische Kirchenkonferenz (CCC), damit inhaltliche und finanzielle Aspekte in ihrer Arbeit aufeinander abgestimmt werden.

Der paritätisch von Deutschem Katholischen Missionsrat (DKMR) besetzte Ökumenische Ausschuss für Indianerfragen sucht nach Wegen aus der Gewalt gegen indigene Völker.

In Zusammenarbeit mit dem Weltgebetstag der Frauen, der 2004 eine Liturgie aus Panama übernimmt, hat das EMW (als eine Ausgabe von EineWelt) ein Länderheft herausgegeben und eine von der westfälischen Weltgebetstagsarbeit bundesweit ausgeschriebene Reise nach Costa Rica und Panama koordiniert.


4.6  Pazifik

Das Pazifik-Netzwerk e.V. hofft, dass die Pazifik-Informationsstelle mit Unterstützung verschiedener Träger, darunter das EMW, seine Arbeit fortsetzen kann.


4.7  Finanz- und Organisationsentwicklung

Bei Kirchen,vor allem in Afrika, nehmen finanzielle Schwierigkeiten und Strukturprobleme zu, insbesondere in ihrer Gesundheits- und Bildungsarbeit. Diese Kirchen nehmen zunehmend die – gemeinsam von Brot für die Welt, EED und EMW finanzierte – Beratung in Anspruch.

Hamburg, den 3. Sept. 2003
Herbert Meißner



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