Grußworte (Auswahl)

2. Tagung der 10. Synode der EKD Trier, 2. - 7. November 2003

Generalsekretär Konrad Raiser

Ökumenischer Rat der Kirchen

Es gilt das gesprochene Wort.

Frau Präses, hohe Synode!

Es ist für mich eine Freude und Ehre, dass ich Ihnen kurz vor dem Ende meiner Amtszeit als Generalsekretär noch einmal persönlich die herzlichen Grüße des Ökumenischen Rates der Kirchen überbringen kann. Das Verhältnis zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Ökumenischen Rat der Kirchen ist seit den Anfangszeiten beider Körperschaften von sehr besonderen Faktoren geprägt gewesen, die in der gemeinsamen Geschichte wurzeln. Ich kenne keine andere Mitgliedskirche, die ihre Zugehörigkeit zum Ökumenischen Rat in aktiver Anteilnahme und Kritik so ernst genommen hat wie die EKD mit ihren Gliedkirchen, Werken und Einrichtungen, ihren Gemeinden und kirchlichen Gruppierungen.

So ist es für mich mehr als ein Gebot der Höflichkeit, wenn ich an den Anfang dieses Grußworts den Dank stelle für die langjährige verlässliche Unterstützung, die unsere Arbeit im Ökumenischen Rat der Kirchen während vieler Jahrzehnte aus dem Raum der EKD empfangen hat. Das gilt für Sie als Synode ebenso wie für den Rat, für das Kirchenamt und nicht zuletzt für den Ratsvorsitzenden selbst und seine Vorgänger.

Sie stehen noch am Anfang einer neuen Legislaturperiode und werden bei dieser Tagung mit der Neuwahl des Rates wichtige Entscheidungen für den weiteren Weg der EKD und ihrer Vertretung nach außen treffen; auch im Verhältnis zu den ökumenischen Partnern. Und so verbindet sich mit meinem Gruß der Wunsch, dass Ihre Entscheidungen von Weisheit getragen sein mögen und dass sie zur Stärkung von Leben und Zeugnis unserer Evangelischen Kirche in einer Zeit der Verunsicherung bei vielen Menschen beitragen.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme am Leben und an der Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen nicht selbstverständlich gegeben ist und immer neu geweckt und begründet werden muss, gerade in Zeiten der unvermeidlichen Konzentration auf den Erhalt der eigenen Kirche und ihrer Arbeitsfelder. Gerade im finanziellen Bereich hat die EKD seit Jahren einen unverhältnismäßig großen Beitrag geleistet, ohne dies je mit spezifischen Forderungen und Erwartungen zu verbinden. Dafür möchte ich an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank sagen. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass es notwendig ist, auf Seiten des Ökumenischen Rates zu einer besseren Verteilung der Lasten zu kommen, und wir haben dafür die erforderlichen Schritte in die Wege geleitet.

Seit der letzten Vollversammlung des ÖKR in Harare vor fünf Jahren sind häufiger kritische Anfragen an die Arbeit des ÖKR gerichtet worden, auch innerhalb der EKD. Sie haben sich verstärkt nach der Vorlage des Abschlussberichtes der "Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im Ökumenischen Rat" im vergangenen Jahr. Inzwischen ist uns die Stellungnahme des Rates der EKD zu diesem Bericht, die der Rat noch in seiner letzten vollen Sitzung im Oktober verabschiedet hat, zugeleitet worden. Ich bin sehr dankbar für die sorgfältige und abwägende Erörterung der durch den Bericht der Sonderkommission aufgeworfenen Fragen und für die Empfehlungen zur Weiterarbeit. Die EKD ist eine der ersten Mitgliedskirchen, die offiziell Stellung genommen hat. Zusammen mit anderen Voten aus dem Raum der Evangelischen Kirchen in Deutschland hilft uns diese Stellungnahme, die Diskussion im Ökumenischen Rat weiter voranzutreiben und bis zur nächsten Vollversammlung im Jahr 2006 zu den notwendigen Klärungen zu kommen. Die dafür erforderlichen Prozesse sind bereits eingeleitet worden; daran werden sich auch deutsche Mitglieder des Zentralausschusses des Ökumenischen Rats beteiligen.

Als ich vor elf Jahren mein Amt als Generalsekretär übernahm, war ich mir bewusst, dass sich der Ökumenische Rat und die ökumenische Bewegung insgesamt in einer Situation des Übergangs befinden. Das Ende des Kommunismus und der Blockkonfrontation in Europa und weltweit sowie die gleichzeitig einsetzende rasche Globalisierung stellten die ökumenische Arbeit vor neue Herausforderungen.

Der Ökumenische Rat hat diese Herausforderungen angenommen und versucht, sich auf die neue Situation einzustellen. Dieser Aufgabe habe ich den größten Teil meiner Arbeitskraft in diesen elf Jahren gewidmet. Der Veränderungsprozess ist freilich noch nicht abgeschlossen und erst die Zukunft wird zeigen, ob die im Austausch mit den Mitgliedskirchen gefundenen Antworten zum Selbstverständnis und zur Rolle des Ökumenischen Rates in der veränderten globalen Situation gerecht werden.

Meine zahlreichen Besuche bei Mitgliedskirchen in aller Welt, in diesem Jahr in verschiedenen Ländern Asiens, in Brasilien, in Russland und zuletzt in Angola, haben mich jedoch davon überzeugt, dass die Stärkung der Gemeinschaft und der wechselseitigen Verantwortung zwischen den christlichen Kirchen unterschiedlicher Tradition heute wichtiger ist als jemals zuvor. Dabei erweist sich immer wieder, dass die Bibel in der Tat die "Basis aller Ökumene" ist, wie es im Kundgebungsentwurf zum Schwerpunktthema dieser Synodalentagung heißt. Denn, ich zitiere noch einmal, "wer die Bibel liest, kennt seine Wurzeln "und" achtet auf den anderen." Aus dieser Einsicht lebt die Gemeinschaft der Kirchen im Ökumenischen Rat.

Das gilt auch für die Ökumene in Deutschland. Der Ökumenische Kirchentag in Berlin ist in der weltweiten Ökumene sehr aufmerksam verfolgt und als ein Hoffnungszeichen begrüßt worden. Die in der Situation vor dem Irak-Krieg bewährte Bereitschaft zum gemeinsamen Zeugnis für den Frieden, die sich nicht zuletzt einer Initiative der EKD verdankt, muss weiter verstärkt werden. Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt, die gerade in der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ein starkes Echo gestoßen ist, will dafür den Rahmen geben.

Ich schließe mit der Hoffnung, dass Sie auch meinem Nachfolger im Amt des Generalsekretärs, Dr. Samuel Kobia, das gleiche Vertrauen und die gleiche Unterstützung zuteil werden lassen, wie ich sie in diesen elf Jahren immer wieder erfahren habe. Dafür danke ich Ihnen und wünsche Ihnen für die Arbeit dieser 10. Synode der EKD Gottes Segen.


Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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