Grußworte (Auswahl)

2. Tagung der 10. Synode der EKD Trier, 2. - 7. November 2003

Helmut Schröer

Oberbürgermeister der Stadt Trier

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geeehrte Frau Präses Rinke, verehrte Gäste, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Herzlich willkommen in Trier. 1985 tagte die Synode bereits in Trier. Die zweite Veranstaltung in Trier dieser Art ist uns eine große Freude, aber auch - das sage ich ganz offen - eine Auszeichnung. Sie tagen, meine Damen und Herren, in einer alten Stadt, in der ältesten Stadt Deutschlands. Der Minister sprach von "wahrscheinlich". Es gibt den einen oder anderen unter Ihnen, der mag das bezweifeln. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben in Trier nie darum gestritten, das älteste Zeltlager gewesen zu sein.

Ich glaube, der Gottesdienst heute morgen in der Basilika, die seit 1856 die Kirche vom Erlöser ist, und auch der Inhalt des Gottesdienstes - Konstantin - hat gezeigt, dass das eine tolle Stadt gewesen sein muss, die urbs opulentissima, von der Ausonius gesprochen hat, eine großartige Stadt.

In der Tat war die Stadt Trier eine der Hauptstädte des Römischen Reiches, die Hauptstadt des Weströmischen Reiches, das vom schottischen Limes bis nach Nordafrika reichte. Von hier aus wurde die Kultur verbreitet. Ich gebe zu, manchmal habe ich den Eindruck, es ist nicht gelungen.

Eine Weltstadt! Insofern haben Sie, meine Damen und Herren, den richtigen Tagungsort gewählt.

Die Geschichte dieser Stadt ist geprägt von bedeutenden Persönlichkeiten des Geisteslebens: Ambrosius, Konstantin, Friedrich von Spee, Karl Marx, Oswald von Nell-Breuning und auch Caspar Olevian, ein bedeutender Reformer, der im 16. Jahrhundert in Trier geboren wurde, dann in Lausanne und Genf als Schüler Calvins studierte und danach in Trier lehrte und predigte, ein bedeutender Bürger dieser Stadt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dem Oberbürgermeister einer Stadt wie Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, bleibt natürlich nichts anderes übrig, als darüber zu erzählen, dass wir eine große Vergangenheit haben. Ich werde deshalb von Gästen der Stadt sehr häufig gefragt - das ist hier heute Vormittag auch passiert: Habt ihr denn überhaupt eine Zukunft? Dass ihr alt seid, das sehen wir ja. Wir Trierer sind auch stolz, dass man unserer Stadt das Alte ansieht.

Wir sind in der Tat eine alte Stadt, aber diese Stadt hat auch eine bedeutende Zukunft. Sie steht mittendrin. 1792 war Goethe in Trier - er war auch in Trier! - und schrieb an Christiane Vulpius, seine spätere Frau, einen Brief: "Wo dieses Trier liegt in der Welt, das kannst du weder denken noch vorstellen." An sich eine Frechheit! Dieses Wort, das hier gesprochen wird, ist wiederum verständlich, wenn man sich die Situation in der damaligen Zeit vergegenwärtigt.

Warum war Goethe hier? Er zog mit dem Herzog von Weimar in den Krieg. Das war über Jahrhunderte die Bedeutung dieser Stadt: Eine große römische Stadt, eine Hauptstadt, und sie hat über Jahrhunderte als Aufmarschgebiet gedient. Von hier zog man in den Krieg gegen den so genannten Erzfeind. Das war auch damals, 1792, der Fall. Das war in den folgenden Jahrhunderten nicht anders.

Sie können sich vorstellen, was es bedeutete, in eine Stadt zu ziehen und dort Zukunft zu gestalten, von der man wusste, der Krieg ist die Regel, der Frieden die Ausnahme. Hier gab es keine Zukunft. Das galt nicht nur für die Stadt, das galt für die gesamte Region. Hier investierte man nicht. Insofern war diese Region, die eine glänzende Vergangenheit hatte, eine sehr arme Region. Vielleicht hat Karl Marx nicht ohne Grund hier seine ersten Schriften verfasst.

Diese Situation hat sich in den letzten 60 Jahren entscheidend geändert. Die Stadt Trier ist eine europäische Stadt. Sie tagen in einer europäischen Stadt und in unmittelbaren Nachbarschaft zu Luxemburg, zu Frankreich, zu Belgien und zu den Niederlanden. Sie tagen in einer europäischen Region.

Wir Trierer haben in den letzten Jahrzehnten erfahren, was es bedeutet, mit den Nachbarn in Frieden zu leben, Freunde zu haben und keine Grenzen. Das ist die Zukunft unserer Stadt.

Wir haben eine Universität, 1473 gegründet, von Napoleon 1804 geschlossen und nach etwa 30 Jahren sehr erfolgreich wieder eröffnet. Diese Universität hat ein Siegel. Die lateinische Inschrift lautet: "Treveris ex urbe deus complet dona sophiae", was so viel heißt wie: Von der Stadt Trier ausgehend vervollkommnet Gott die Gaben der Weisheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihrer Tagung einen guten Verlauf.

Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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