Grußworte (Auswahl)

2. Tagung der 10. Synode der EKD Trier, 2. - 7. November 2003

Synodalsenior Pavel Smetana

Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr verehrte Frau Präses, liebe Schwestern und Brüder!

Gestern Abend haben wir feierlich eine Vereinbarung zwischen der EKD und der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder unterschrieben. Mit dieser Vereinbarung ist die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit zwischen unseren Kirchen gelegt. Dies gilt insbesondere für die weitere Entwicklung unserer deutschsprachigen Gemeinde in Prag, die bald nach der samten Revolution gegründet wurde. Wir freuen uns, dass inzwischen Pfarrer Ulrich Biskamp von der EKD als Pfarrer unserer deutschsprachigen Gemeinde entsandt wurde.

Ich möchte ganz herzlich danken für die Einladung unserer kleinen Delegation zu dieser Synode. Diese Gelegenheit möchte ich dazu benützen, um allen Brüdern und Schwestern in Deutschland zu danken, die die Arbeit unserer nicht großen Diaspora-Kirche unterstützt und begleitet haben - mit ihrem Interesse, mit ihren Gebeten, Besuchen, und auch mit finanzieller Hilfe. Es ist ein beachtenswertes Kapitel christlicher Liebe und geschwisterlichen Teilens. Besonders möchte ich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg danken, die ihren Pfarrer Gerhard Frey-Reininghaus für die vielfältige ökumenische Arbeit unserer Kirche freistellte und unterstützte.

In drei Wochen beende ich meinen Dienst als Synodalsenior, den ich fast vierzehn Jahre getan habe. So ist es heute die letzte Möglichkeit, zu Ihnen als Synodalsenior der tschechischen evangelischen Kirche zu sprechen. Gerne möchte ich Ihnen drei Dinge ans Herz legen, die ich für wichtig halte:

Erstens: Auch wenn die Beziehungen zwischen unseren Völkern durch zwischenstaatliche Verträge neu geregelt wurden, die Folgen der Kriegs- und Nachkriegszeit wirken weiter in den Herzen und Gedanken von vielen Menschen in unseren beiden Ländern. Die gemischte Kommission der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und des Rates der EKD hat ein gemeinsames Wort gegenseitigen Verstehens zu dieser sensiblen Frage ausgearbeitet - als Beitrag zur Versöhnung. Wir halten es für unerlässlich, dass diese Zusammenarbeit weitergeht, ganz besonders in den Grenzregionen. Wir bitten Sie, diese wichtige Initiative auch in Zukunft zu unterstützen und dadurch zur Heilung vieler Wunden beizutragen.

Zweitens: Eines der schweren Probleme der Gegenwart an der deutsch-tschechischen Grenze ist die Prostitution, besonders der sexuelle Missbrauch von Kindern. Es geht um ein sehr schwieriges moralisches und soziales Problem, dessen Lösung die Mitarbeit der Kirchen brauchen wird. Ich gebe zu bedenken, ob nicht eine gemeinsame Fachkommission zu diesem Problem geschaffen werden sollte.

Drittens: Die Tschechische Republik gehört zu den Ländern, die am intensivsten von der Säkularisierung betroffen sind. Zum Christentum haben sich im letzten Jahr nur 30 % der Bevölkerung gemeldet. Das bedeutet, dass während der letzten zehn Jahre die Zahl der Christen um weitere 10 % gesunken ist. In dieser Situation machen wir uns die Verantwortung der Kirche für die Mission besonders bewusst. Die Kirche steht, denke ich, vor dem Phänomen, das Dietrich Bonhoeffer in prophetischer Weise in seinen Briefen aus dem Gefängnis beschrieben hat: Viele Menschen in unserem Lande brauchen Gott nicht mehr. Es zeigt sich aber, dass gerade diese Menschen umso mehr barmherzige Nächste brauchen. Ich bin überzeugt, dass sich die Zukunft der Kirche im Bereich des Dienstes entscheidet. Ich bitte Sie, dass Sie unser Ringen um die Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses mit Ihren Gebeten und mit Ihrem Interesse begleiten.

Nochmals danke ich den vielen Freunden unserer Kirche und wünsche Ihnen Gottes Weisheit für Ihre weiteren Verhandlungen.

Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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