EKD-Ratsvorsitzender Kock warnt: "Krieg darf kein normales Instrument nationaler Außenpolitik werden"

23. Mai 2003

Jeder Krieg sei im Sinne evangelischer Friedensethik ein großes Übel und unentrinnbar mit Schuld verbunden. An diesem Grundsatz ändere auch ein frühzeitiges Ende des Irakkrieges nichts, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock am Freitag, 23. Mai, in seinem Ratsbericht zur 1. Tagung der 10. Synode, die bis zum 25. Mai in Leipzig tagt.

Er sei dankbar dafür, dass der Irakkrieg kürzer gewesen sei und vermutliche weniger Tote gefordert habe, als befürchtet, betonte Kock in seinem Bericht. "Doch wer daraus nun schließen wollte, der Erfolg heilige die Mittel und alle ethischen Bedenken seien damit erledigt, der irrt sich ebenso wie die, die fordern, unser Widerspruch gegen diesen Krieg müsse nun zurückgenommen werden." Mit guten Gründen habe sich der Rat der EKD mehrmals gegen diesen Krieg ausgesprochen und andere Lösungswege gefordert. Es seien bisher kein ausreichender politischer Grund oder Beweise erkennbar, die diesen Angriffskrieg rechtfertigen würden. Es müssten andere Mittel gefunden werden, um Diktatoren in Schach zu halten. Denn: "Noch immer werden - auch von den USA - Gangster an der Spitze anderer Staaten geduldet, solange sie nützlich erscheinen."

Im Sinne evangelischer Friedensethik sei jeder Krieg ein "so großes Übel, dass der Einsatz militärischer Gewalt von der Politik nur im äußeren Notfall erwogen werden darf und auch dann noch unentrinnbar mit Schuld verbunden bleibt," betonte Kock. Jeder Krieg bringe Elend über viele Unschuldige und erreiche häufig nicht einmal die Ziele, um deretwillen er geführt werde. Weltweit hätten viele christliche Kirchen gemeinsame friedensethische Grundüberzeugungen vertreten und damit erkennbar gemacht: "Als der Präsident der Vereinigten Staaten unter Betonung seiner christlichen Glaubensüberzeugung zum Krieg aufrief, tat er dies nicht mit Billigung, sondern unter dem ausdrücklichen Protest der Kirche, der er selber angehört, und vieler anderer Kirchen."

Für die Urteilsbildung und das Handeln der christlichen Kirchen und der EKD bleibe in Zukunft maßgeblich, dass der Einsatz militärischer Gewalt nur im äußersten Notfall, nach dem Ausschöpfen aller anderen Möglichkeiten der Konfliktlösung, erwogen werden darf. Für die Bekämpfung von Terror seien militärische Mittel kontraproduktiv und förderten stattdessen Gewalt. Androhung und Ausübung von Gewalt müssten sich stets an das internationale Recht halten. "Krieg kann und darf nicht zu einem normalen Instrument nationaler Außenpolitik werden." Der präventive Einsatz militärischer Gewalt destabilisiere den internationalen Frieden.

Christliches Friedenshandeln gewinne immer seine Kraft aus dem lebensstärkenden Gottesdienst und dürfe sich nicht im politischen Aktionismus erschöpfen. Im Gottesdienst eröffne Christus eine Sichtweise, die dabei helfe, Leid und Elend auszuhalten und die Mut mache, dagegen anzugehen.

Leipzig, 23. Mai 2003
Pressestelle der EKD
Anita Hartmann



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