Morgenandacht

Margit Fleckenstein (1. Tagung der 10. Synode der EKD Leipzig)

24. Mai 2003

Die Nacht ist vergangen, ein neuer Tag hat begonnen. Lasst uns wachen und nüchtern sein und abtun, was uns träge macht, dass wir ihn preisen, unseren Gott, vom ersten Morgenlied an bis zur Ruhe der Nacht.

Lied: Dich preist der Morgen

Psalm 103

Brüder und Schwestern! Wir haben uns zu einer neuen Synodengemeinschaft zusammen gefunden. Sechs Jahre gemeinsamer Zeit liegen, so Gott will, vor uns. Lassen Sie uns dieses Miteinander immer so gestalten, dass unser Reden und Tun der Kirche Jesu Christi zum Ansehen gereicht!

Ich lese eine Geschichte von Renate Schubert mit dem Titel "Die zwei Gärten":

Ein Mann kam in ein Dorf, in dem, wie überall erzählt wurde, wunderschöne Gärten waren, große und kleine, vornehme und einfache. Der Mann, mit seinem eigenen Garten nicht mehr zufrieden, wollte sich in diesen Gärten einmal umsehen. Vielleicht, so dachte er, kann ich dieses oder jenes dann in meinem Garten verändern.

Am Eingang des Dorfes saß ein sehr alter Mann, der verständig und weise aussah. Ihn fragte er, wie er es anstellen müsse, einen der Gärten zu besehen, um derentwillen das Dorf so berühmt sei. Der alte Mann winkte einen seiner Söhne herbei, und dieser führte ihn in einen großen Garten.

"Die Gartenpforte muss erneuert werden", sagte der Sohn, als sie den Garten betraten, und zeigte auf einige unschöne, schadhafte Stellen. "Und die Wege sind reichlich ausgetreten und müssen eingeebnet werden." Vor einem Rosenstrauch blieb er nachdenklich stehen: "Seht Ihr die Blattläuse? Er wird kaum überleben. Und das Gewächs dort hinten an der Mauer, es wird wohl auch eingehen. Die Wurzeln sind befallen und nehmen das Wasser nicht mehr auf.  Wir können gießen, so viel wir wollen, es hilft nicht mehr." Der Sohn zeigte ihm noch manches, was nicht in Ordnung war. Es schien ein kranker Garten zu sein, und der Mann überlegte, warum man ihn gerade in diesen Garten geführt hatte. Enttäuscht berichtete er dem Alten vom schlechten Zustand des Gartens und fragte ihn, ob er nicht einen anderen sehen könnte. Der weise Alte winkte einen anderen seiner Söhne herbei. Dieser führte den Mann in einen Garten, der ihm wohl gefiel.

"Seht hier, diese Kletterrose", sagte der Sohn und zeigte auf den Bogen über der Gartenpforte. "Sie blüht das ganze Jahr. Es gibt keine andere Kletterrose im ganzen Dorf, die so viele Blüten treibt. Und dort, der Mandarinenbaum. Er trägt die süßesten Früchte." Er gab dem Mann eine reife Frucht von köstlichem Aroma, die ihm wohl schmeckte. "Dieses Beet haben wir neu angelegt. Vor einigen Tagen haben wir die Samen in die Erde getan. Es werden Blumen wachsen, große, weiße, mit starkem Duft, ähnlich wie die blauen dort an der Mauer. Die ersten Sprossen kommen schon. Seht Ihr sie? Und dort ist unser Brunnen. Schaut nur, wie tief er ist. Noch nie hat es uns an Wasser gefehlt." So führte dieser Sohn den Mann durch den Garten und zeigte ihm all seine Schönheiten. Begeistert berichtete der Mann dem Alten von allem, was er in diesem Garten gesehen hatte, und bedankte sich.

Der Weise lächelte nur und fragte: "Habt Ihr nicht gemerkt, dass Ihr in ein und demselben Garten gewesen seid?"

Gebet
Wir wollen beten:
Herr Jesus Christus, wir bewundern die Schönheit der Schöpfung und leiden gleichzeitig an ihrer Zerrissenheit. Lass uns auch in der Unvollkommenheit und Friedlosigkeit dieser Welt deine Spuren finden. Du begleitest deine Kirche durch die Zeiten und hast uns zugesagt, dass du bei uns sein wirst bis ans Ende der Welt. Hilf uns, über alle Irrungen und Wirrungen, über alle Fehler und Schwächen der Kirche hinweg, wie wir Menschen sie gestalten, alles in Liebe zu deiner Kirche und in Freude an unserer Arbeit zu tun. Hilf uns, unseren Beitrag dazu zu leisten, dass Unrecht, Hass und Gewalt, die unsere Welt bedrohen, gewehrt werde, so dass die Menschen Schritte der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe wagen. Sende deinen Heiligen Geist, der uns zu geschwisterlicher Gemeinschaft verbinde!
In deinem Namen beten wir, wie du es uns gelehrt hast:
Vater unser

Segen
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Lied: Wie lieblich ist der Maien



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