Grußworte (Auswahl)

3. Tagung der 10. Synode der EKD (Magdeburg, 7. - 12. Nov. 2004)

Diözesanadministrator Weihbischof Gerhard Feige

Bistum Magdeburg

07. November 2004

Es gilt das gesprochene Wort.

Hohes Präsidium, verehrte und liebe Schwestern und Brüder!

Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute zum ersten Mal an einer Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland teilnehmen zu können.

Ich bin beauftragt, Ihnen die Grüße der Deutschen Bischofskonferenz zu übermitteln, besonders die unseres Vorsitzenden, Kardinal Lehmann. Von Her-zen grüße ich Sie aber auch im Namen der katholischen Christen des jungen, erst seit zehn Jahren bestehenden Bistums Magdeburg – und ganz persönlich.

Sie tagen in einer historisch interessanten, ökumenisch nicht unbedeutsamen und gesellschaftlich spannungsreichen Region.

Unsere christlichen Anfänge liegen bereits im 8. Jahrhundert. Zu unserer Ge-schichte gehören eine Reihe alter Bistümer; Halberstadt – vor 1200 Jahren ge-gründet – war davon das erste. In unserem Gebiet lebten Heilige wie Adalbert, Norbert oder die mittelalterlichen Mystikerinnen Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn. Hier befand sich die Lieblings-residenz Kardinal Albrechts mit dem als „Abgott zu Halle“ kritisierten großen Reliquienschatz. Hier wurde Martin Luther zum Reformator. Hier wirkte zeit-weise der katholische Vermittlungstheologe Julius von Pflug. Hier entstanden die „Magdeburger Zenturien“, das erste konfessionelle Geschichtswerk.

Hier ist auch August Hermann Francke bis zum heutigen Tag in Erinnerung. Vier Jahre lang konnte ich auf meinem Schulweg am Hauptgebäude seiner Stif-tungen in Halle immer wieder die Botschaft aus Jesaja 40,31 lesen: „Die auf den Herren harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.“ Diese Hoffnung, Zuversicht oder Gewissheit, die darin zum Ausdruck kommt, hat katholische und evangelische Christen unserer Region schon zu DDR-Zeiten beflügelt und einander näher gebracht. War es bis zur Wende der marxistisch-leninistische Druck, der uns Christen zusammenrücken ließ, fordert uns heute die extreme Entkirchlichung Mittel- und Ostdeutschlands besonders heraus.

Es ist keine Phrase, sondern beruht auf unverzichtbaren Erfahrungen und drän-genden Einsichten, wenn es im Ökumene-Text von 2004 unseres Pastoralen Zukunftsgespräches heißt: „Im Bistum Magdeburg, gelegen im Ursprungsland der lutherischen Reformation, hat Ökumene eine besondere Bedeutung. In einer Situation, in der christlicher Glaube längst nicht mehr selbstverständlich ist, kommt dem Umgang der Kirchen miteinander sowie ihrem gemeinsamen Auftreten eine besondere Bedeutung für ihre Glaubwürdigkeit zu ... Nur in einem lebendigen Miteinander werden die Kirchen in ihrem Tun und in ihren Anliegen von den Menschen verstanden und angenommen. Angesichts weit verbreiteter Gleichgültigkeit, von Vorurteilen und Gewohnheiten sind die Christen aufgerufen, in Wort und Tat gemeinsam vom Evangelium Zeugnis zu geben.“  Das haben wir in der Vergangenheit auf vielfältige Weise versucht, davon sind wir auch weiterhin überzeugt.

Sie wenden sich in diesen Tagen schwerpunktmäßig dem Miteinander der Gene-rationen zu, einem Thema, das auch uns zutiefst bewegt. Gemeinsam sind wir herausgefordert, für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit einzutreten. Dabei wird man uns nicht nur an unseren Worten messen, sondern mehr noch daran, ob wir Kirchen – wie es unser gemeinsames evangelisch-katholisches Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland von 1997 u.a. for-muliert hat – auch „erfahrbar werden als ... Orte der Umkehr und Erneuerung, an denen Menschen sich verändern, auf ihre Mitmenschen und ihre Nöte aufmerksam werden und alte Verhaltensweisen ablegen; Orte der Solidarität und Nächstenliebe, an denen untereinander und für andere die je eigene Verantwortung bejaht und praktiziert wird; ... Orte der Hoffnung, an denen Perspektiven gesucht werden für eine sinnvolle Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens und an denen bei dieser Suche der Blick über das Heute hinaus geöffnet wird.“

Clemens Wilken hat die Situation der Ökumene einmal sehr treffend in folgender Weise umschrieben:

„Ökumene
ein Fremdwort  —  für die Gleichgültigen
ein Reizwort   —  für die Festgelegten
ein Hauptwort  —  für die Begeisterten
ein Zukunftswort  —  für die noch nicht Resignierten
ein Phantasiewort  —  für die Pragmatiker
ein Fragewort  —  das Strukturen erschüttert
ein Füllwort   —  das als Alibi gebraucht wird
ein Trostwort  —  für die Verletzten
ein Leitwort   —  für die Suchenden
ein Kennwort  —  für die Eingeweihten
und eins der letzten Worte unseres Herrn: Seid eins!“

Ob wir uns weiter um die Einheit der Christen bemühen, ist angesichts dieser Bitte nicht in unser Belieben gestellt. Damit die Welt glaubt und zur Erkenntnis Jesu Christi gelangt, bleibt uns eigentlich gar nichts anderes übrig. Trotz mancher Rückschläge, Schwierigkeiten und Aporien gilt es also, mit allen Kräften um die Einheit im Glauben und in der Liebe weiterzuringen – möglichst vorurteilsfrei, in gegenseitigem Vertrauen, beharrlich und fair. Beten wir dabei auch füreinander, dass uns dies gelingen möge.

Ich wünsche Ihren Beratungen einen gesegneten Verlauf und fruchtbare Ergeb-nisse für Ihre Kirche und zum Wohl unserer Gesellschaft. — Ich danke Ihnen.



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