Grußworte (Auswahl)

3. Tagung der 10. Synode der EKD (Magdeburg, 7. - 12. Nov. 2004)

Grußwort der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia

Reinhard Keding, Bischof der Evangelisch Lutherischen Kirche in Namibia (DELK)

11. November 2004

Grußwort der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia 


Geehrtes Präsidium, liebe Schwestern und Brüder,

ich danke herzlich für die Einladung zur Synode. Obgleich eine Synode Routine ist, so ist es für mich eine besondere Freude, dass ich die Einladung in diesem Jahr befolgen kann.

Das Jahr 2004 ist für uns in Namibia und auch für Sie in Deutschland ein besonderes Gedenkjahr. Die doppeldeutige Thematik der Ausstellung "Namibia/Deutschland - eine geteilte Geschichte", die bis vor kurzem in Köln und demnächst in Berlin zu sehen sein wird, umschreibt die Schwierigkeit der Erinnerung an den Widerstand gegen die Kolonialmacht, wodurch tausende Tote - vor allem unter den Hereros - zu beklagen waren. Auch deutsche Soldaten der Schutztruppe und Zivilisten kamen in der kriegerischen Auseinandersetzung ums Leben. Gedenktafeln an mehreren Orten erinnern daran. Ebenso erinnert ein Heldenfriedhof, der erst kürzlich in der Nähe von Windhukeingeweiht wurde, an alle die sich zur Wehr gesetzt haben, gegen politische Unabhängigkeit.

Seit 1990 ist Namibia ein unabhängiger Staat. Nun liegt die nicht leichte Arbeit vor uns, uns der Vergangenheit zu erinnern. Nicht, um die Schuldigen zu suchen und anzuprangern, sondern um der Zukunft Willen, friedliche Wege des Zusammmenlebens zu finden, ohne die schrecklichen Dinge der Vergangenheit - sowohl in der Kolonialzeit als auch in der Zeit der Apartheid - zu verharmlosen.

Wie schwer dieses Erinnern für die Menschen ist, das wissen Sie aus Erfahrung auch in Deutschland.

Ich freue mich, dass ich mit einer kleinen Delegation aus Namibia hier zu Gast sein kann. Dieser Besuch soll ein weiterer symbolischer Versuch sein, dass durch persönliche Begegnungen der Nachkommen von Menschen, die einmal Feinde waren, freundschaftliche Bande geknüpft werden können. Chief Alfons Maharero wird zu einem anderen Zeitpunkt die Gelegenheit haben, ein Grußwort an Sie zu richten.

Ich bin davon überzeugt, dass wir als Kirchen einen wichtigen Beitrag zum Versöhnungsprozess leisten können. Wir brauchen viel Geduld dafür, aber vor allem Menschen, die sich bewusst für solche Prozesse einsetzen und im Dialog Antworten auf schwierige Fragen finden, wie z.B. Landreform; Einheit der Christen und besonders die Lutherischen Kirchen in Namibia, Kampf gegen HIV-AIDS; Armut und Korruption, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wir bitten Sie, uns kritisch und geschwisterlich auf diesem Weg zu begleiten, und ich danke der EKD, vor allem den zuständigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Afrikareferat für eine lange, wenn auch nicht immer spannungslose, Partnerschaft.

Ein zweiter Grund meiner Freude über die Teilnahme an der Synode ist ein mehr persönlicher.
Im kommenden Jahr werde ich nach Deutschland zurückkehren müssen, da ich dann zwölf Jahre als Kirchenleiter in Namibia gearbeitet habe. Von 1997 - 1989 arbeitete ich in einer anderen Partnerkirche im südlichen Afrika als entsandter Pastor.

Im Ganzen werde ich dann 24 Jahre als ein "Botschafter der EKD" meiner Berufung nachgegangen sein; also den größten Teil meines Berufslebens. Dazu kommt noch ein Auslandsvikariat über die EKD in Kanada.
Diese Arbeit hat mich sehr bereichert; sie hat mich sehr herausgefordert und ich bin dankbar für viele Impulse, die ich setzen konnte. Meine Familie hat durch diese Auslandserfahrung einen weiten Blick bekommen. Natürlich sind wir alle auch hin- und hergerissen und sind ein wenig heimatlos.
 Ich habe das immer als heilsam fürs Leben gedeutet, dass wir uns nie ganz heimisch machen konnten.
Die Erfahrung, dass die weltweite Christenheit eine Heimat gibt, ist ein wertvoller Ersatz für anderes, was wir vermissten.
Dankbar bin ich für viele Bekanntschaften, die ich durch die Arbeit als Kirchenleiter der ELKIN (DELK) geschlossen habe. Ich denke an die Partnerschaftskonferenzen, an die vielen Besucherinnen und Besucher, die nach Namibia kamen und auch unsere Kirche kennenlernen wollten sowie an die Möglichkeit, zweimal an der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes teilnehmen zu können. Am Wichtigsten aber sind mir die vielen geschwisterlichen Begegnungen im Land geworden. Sie sind nicht einfach und immer wieder von vielen Missverständnissen getrübt; aber sie sind im Vertrauen auf den gemeinsamen Herrn gewagt worden.

Auch in dieser Hinsicht danke ich der EKD für viel Unterstützung in meiner Arbeit und in der Zeit des Sterbens meiner Frau, mit der ich 25 Jahre gemeinsam diesen Dienst tun konnte. Ich danke für viel Vertrauen, dass mir entgegen gebracht wurde.

Ich bin und bleibe der ökumenischen Bewegung verpflichtet und hoffe, dass ich in diesem Sinne in meiner Heimatkirche, der Landeskirche Hannover einen Dienst tun kann.

Vielen Dank!
Reinhard Keding
Bischof der Evangelisch Lutherischen Kirche in Namibia (DELK)



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