Grußworte (Auswahl)

3. Tagung der 10. Synode der EKD (Magdeburg, 7. - 12. Nov. 2004)

Grußwort der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

D. Dr. Christoph Klein, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

11. November 2004

Grußwort der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien

Frau Präses! Hohe Synode! Verehrte Gäste, Schwestern und Brüder!

Anlässlich der 3. Tagung der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland darf ich Sie im Namen der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in Rumänien ganz herzlich grüßen und Ihnen Gottes Beistand und sein Geleit für Ihre Arbeit während dieser Zeit wünschen. Ich freue mich, dass wir dabei durch den Hauptanwalt unserer Kirche, den Leiter unserer Kirchenkanzlei, Friedrich Gunesch, vertreten sind und danke für die Einladung, durch die unsere auch vertraglich vereinbarte Partnerschaft mit der EKD an einem wichtigen Aspekt zum Ausdruck kommt.

So möchte ich in diesem Grußwort die Gelegenheit wahrnehmen, einen tief empfundenen Dank auszusprechen für die zwölf Jahre eines gemeinsamen Weges: für Begleitung, Unterstützung und brüderlich-schwesterliche Verbundenheit der EKD mit unserer Kirche, die in dem "Kontaktausschuss" unserer beiden Institutionen sichtbar und spürbar geworden ist. Dank gebührt vor allem dem Leiter auf Seiten der EKD, Bischof Dr. Rolf Koppe wie auch seinem Vorgänger im Amt, Dr. Heinz-Joachim Held. Mit ihnen und den übrigen Mitgliedern der EKD-Vertretung sind wir uns in diesen Jahren in einer Weise nahegekommen, die ein schönes Zeichen christlicher und menschlicher Gemeinschaft darstellt, für die wir von Herzen dankbar sein dürfen.

Wir danken Gott, dass wir - nicht zuletzt mit Hilfe der EKD-Begleitung - aus der Zeit eines großen Umbruchs in unserer Kirche durch die Massenauswanderung ihrer Glaubensgenossen nach 1989 und die massive Schrumpfung unserer Kirche - heute in der neuen Situation der Diasporakirche relativ stabil und gefestigt dastehen. Der Ausbau neuer Strukturen nach dem Zusammenbruch der "intakten" Volkskirche der Siebenbürger Sachsen und Konsolidierung einer evangelisch-lutherischen Diasporakirche in Rumänien, die auch dem anderssprachigen und anderskulturellen Umfeld offen gegenübersteht, hat das Gesicht unserer Kirche wesentlich verändert. Und das auch, wenn sie weiter in der Kontinuität unserer traditionsreichen siebenbürgisch-sächsischen Kirche steht und bleiben will. Es ist gelungen, den rückwärts gewandten Blick nach vorne zu richten in eine Zukunft, die von den Pfarrern und Mitarbeitern der Kirche gesehen und bejaht wird. Eine neue Kirchenordnung, eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen sowie Bemühungen um Anpassung unserer kirchlichen Formen an die gegenwärtige Situation ermöglichen uns eine unbehinderte und mit viel Freudigkeit aufgenommene Arbeit in den Gemeinden. Diakonische Einrichtungen für die Alten und Bedürftigen (vor allem Altenheime und Sozialstationen), Fürsorge für Schüler und Jugendliche (vor allem durch das "landeskirchliche Schülerwohnheim"), Aufbau von Institutionen und Einrichtungen zur Erhaltung des reichen Kulturerbes ("Begegnungs- und Kulturzentrum Friedrich Teutsch" mit einem modernen kirchlichen Zentralarchiv), Gründung einer Evangelischen Akademie Siebenbürgen, Institutionalisierung der Frauenarbeit und anhaltende Bemühungen um die Aufrechterhaltung und Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit mit anderen Kirchen berechtigen zu der Hoffnung, dass diese Kirche auch weiter eine Vorreiterrolle in Ökumene und Gesellschaft spielen wird und nicht einfach Erhaltung und Weiterführung des Bisherigen im Auge hat.

Das Vertrauen, das die rumänische Gesellschaft in die evangelische Kirche und ihre deutschen Vertreter hat, zeigt sich auch in der an ein Wunder grenzenden Tatsache, dass der deutsche evangelische Bürgermeister von Hermannstadt mit einer überwältigenden Mehrheit von 87% wiedergewählt wurde und dazu der Stadtrat und Kreisrat mehrheitlich von Mitgliedern des Demokratischen Forums der Deutschen (in Hermannstadt evangelische Glaubensgenossen) besetzt wurde. Ähnlich ist es in anderen Städten und Gemeinden geschehen, in denen die wenigen deutschen Bürger noch immer eine wichtige Rolle innehaben.

Diese erfreuliche Entwicklung, die "über Bitten und Verstehen" geht, hat zur Folge, dass unsere geistlichen und weltlichen Mitarbeiter motiviert und engagiert sind, erfüllt vom Wissen um die Bedeutung ihres Dienstes über die eigenen Grenzen unserer kleinen Kirche hinaus. Wir haben in der Mehrzahl junge Pfarrer, die darum früher als es in vergangener Zeit der Fall war, in verantwortliche Ämter eingesetzt oder gewählt wurden. Sie haben meist alte Kuratoren und weltliche Mitarbeiter an ihrer Seite. Das ist ein wichtiger Aspekt des "Generationenproblems", wie es sich bei uns zeigt.

In der rumänischen Gesellschaft ist die "Generationsproblematik" noch nicht in dem Maße im Bewusstsein der Menschen wie bei Ihnen. Viele Jugendliche streben eher weg, wollen aus Rumänien auswandern, anstatt sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen, weil sie geringe Chancen für sich und ihre Zukunft sehen. In unserer Kirche dagegen sind - bedingt durch die Auswanderung auch vieler gestandener Pfarrer - die Jungen sehr schnell in verantwortliche Posten aufgestiegen, so dass nur selten Konflikte zu der älteren Pfarrergeneration zu verzeichen sind. Andererseits empfinden sie das Vorhandensein der älteren Generation als für sie hilfreich, weil sie spüren, dass sie - jedenfalls zur Zeit - ohne deren Mitwirkung - und wohl auch deren Anleitung und Führung - nicht so leicht zurechtkommen würden. Doch die Zeit kommt, da diese Probleme auch bei uns aktuell werden. Darum ist die Thematik, die Sie bei dieser Synode behandeln, für uns wichtig, damit man beizeiten auf die Probleme aufmerksam wird und diesbezügliche Vorarbeiten leisten kann.

In diesem Sinne beglückwünschen wir Sie zu der Entscheidung, die Problematik des "Miteinanders der Generationen" als Schwerpunktthema zu behandeln und sind gespannt auf die Ergebnisse Ihrer Gespräche und Beschlüsse. Vielen Dank, dass wir an Ihrer Arbeit  teilhaben dürfen, sowie auch dafür, dass Sie unsere Sorgen und Fragen partnerschaftlich begleiten. Gott segne unsere Kirchen und ihre Gemeinden nach dem Reichtum seiner Gnade.

Es grüßt Sie, zugleich im Namen unserer Kirche,

D. Dr. Christoph Klein
Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien



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