Grußworte (Auswahl)

3. Tagung der 10. Synode der EKD (Magdeburg, 7. - 12. Nov. 2004)

Dr. Lutz Trümper

Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg

07. November 2004

Es gilt das gesprochene Wort!

Frau Präses Rinke, Herr Bischof Huber, Frau Ministerin Schmidt, Herr Minister Paqué, meine Damen und Herren!

Von Goethe stammt der Satz: Die Kirchen schließen den Menschen in den einfachen großen Formen zusammen und in ihrem hohen Gewölbe kann der Geist sich doch wieder ausbreiten und aufsteigen. Dass Ihnen das während der Zeit der Synode gelingen möge, wünsche ich Ihnen allen und ich begrüße Sie ganz herzlich in der Landeshauptstadt Magdeburg. Fünf Tage sind Sie in Magdeburg zu Gast, und Sie haben damit eine gute Gelegenheit, die Stadt von Kaiser Otto dem Großen, Otto von Guericke und Georg Philip Telemann kennen zu lernen. Ich habe eben gehört und gesehen, dass ich zur Geschichte nicht allzu viel mehr sagen muss, weil Sie das meiste davon schon wissen und gestern Abend in der Johanneskirche waren und dort erleben konnten, welche Tradition Magdeburg mit seinen Kirchen in der Geschichte hat.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass der Dom in Magdeburg nicht nur die Bedeutung als Kirche in der Geschichte hatte, sondern auch für viele Magdeburger, die nicht in der Kirche sind, wenn sie die Stadt verlassen und wieder zurückkommen. Dann sieht man aus allen Richtungen den Dom, den Magdeburger Dom, und dann wissen die Magdeburger, sie sind wieder zu Hause, sie fahren auf den Dom zu und fühlen sich in ihrer Heimatstadt wieder sehr wohl. Und das besonders nach der Wende 1989, nachdem auch die Kirche wieder ihren Platz gefunden hat, auch wenn noch nicht alles so ist, wie man sich das wünscht. Ich weiß sehr wohl Herr Bischof Noack, dass Sie und wir natürlich großes Interesse daran haben, dass wieder viel mehr Menschen in die Kirche kommen. Aber ich weiß auch, dass der Weg lang sein wird und dass wir hart daran arbeiten müssen, damit wir in der Frage auch wieder einmal Westverhältnisse haben werden. Ich glaube, das wird nicht so schnell gehen, wie in vielen anderen Bereichen auch.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit der Wende sind auch neue Freiheiten in Magdeburg wieder zum Tragen gekommen. Die Pluralität der Meinungen hat auch dazu geführt, dass die Kirchen stärker denn je um Mitglieder werben müssen. Sehr geehrte Gäste unserer Stadt, das Thema der zehnten Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland "Keiner lebt für sich allein - vom Miteinander der Generationen" zeigt, dass sich die Evangelische Kirche in Deutschland bemüht, grundsätzliche Themen und Probleme in unserer Gesellschaft aufzugreifen. Auch Magdeburg möchte eine Stadt für alle Generationen sein. Die immer noch vorherrschende Abwanderung junger Menschen aus den neuen Bundesländern und die zunehmende Alterung der Gesellschaft stellen uns dabei vor erhebliche Probleme. Ich darf Ihnen aber sagen, dass wir seit 2003 das erste Mal in der Stadt ein positives Zuwanderungsverhältnis haben. Trotzdem brauchen wir mehr denn je junge Leute in der Stadt, und wir bemühen uns in unserer kommunalen Politik natürlich auch, die Bedingungen so zu schaffen, dass sich junge Menschen in der Stadt Magdeburg wohl fühlen.

Was die Kinderbetreuung betrifft, da haben wir, Frau Ministerin, keine Probleme. Es gibt bei uns den Rechtsanspruch einhundert Prozent, dass alle Eltern ihre Kinder von null bis 14 Jahren in alle Einrichtungen bringen können. Von daher gibt es keine Probleme. Trotzdem haben wir zu kämpfen, dass viele, die ihre Kinder dorthin bringen, keine Arbeit finden. Und darum müssen wir uns mit aller Kraft darum bemühen, dass die Leute eine Chance haben, Arbeit zu finden. Wir werden uns als Kommune in den nächsten Jahren verstärkt mit den knappen Haushaltsmitteln im Schul- und Kindergartenbereich engagieren. Das ist unsere vordergründige Aufgabe für die nächsten vier Jahre, und wir werden andere Projekte dafür zurückstellen müssen.

Die Stadt Magdeburg wird die Entwicklung, die auch die Entwicklung der Kirchen der Stadt betrifft, weiterhin fördern und unterstützen, und wir können uns trotz aller Schwierigkeiten auf dem Weg der deutschen Einheit ehrlichen Herzens über die neu gewonnenen Chancen freuen. Gerade weil unser Land vor großen Herausforderungen und tiefgreifenden Reformen steht, ist es wichtig, auf unsere Grundwerte und Freiheiten hinzuweisen und diese auch zu vermitteln. Ich bin sicher, dass in der Kirche bei der Erörterung der zentralen Werte die Menschenwürde, die christliche Nächstenliebe und Solidarität und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft eine besondere Rolle spielen.

Die 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hier in Magdeburg zeigt und stärkt auch ein Stück weit die innere Einheit unseres Landes. Ich wünsche der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland viele Impulse für die Weiterentwicklung des kirchlichen Alltags und der kirchlichen Arbeit, und ich wünsche uns Kraft für die gemeinsame Erneuerung in Deutschland. Allen Teilnehmenden und Gästen wünsche ich einige schöne späte Herbsttage. Kommen Sie zum Jubiläumsjahr 2005, wo wir 1200 Jahre alt werden, zurück nach Magdeburg, regen Sie in Ihren Gemeinden und in Ihren Heimatorten die Diskussionen an und befördern Sie den Austausch zwischen Ost und West, zwischen den Menschen überhaupt. Seien Sie noch einmal herzlich willkommen in Magdeburg.



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