Grußworte (Auswahl)

3. Tagung der 10. Synode der EKD (Magdeburg, 7. - 12. Nov. 2004)

Grußwort der Protestantischen Kirche in den Niederlanden

Elly de Haan-Verduyn, Mitglied des Vorstandes der Generalsynode

11. November 2004

Grußwort der Protestantischen Kirche in den Niederlanden 

Geehrtes Präsidium, liebe Schwestern und Brüder,

es freut mich, Ihre Synode im Namen der Protestantischen Kirche in den Niederlanden grüßen zu können. Das ist an sich etwas Neues in unseren langjährigen Beziehungen. Denn erst seit dem 1. Mai dieses Jahres gibt es im formellen Sinne die Protestantische Kirche in den Niederlanden. Vorher gab es drei Kirchen, die sich seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in wachsender Zusammenarbeit gefunden haben und sich letztendlich in einer Vereinigung zusammengefügt haben.
Zwei reformierte Kirchen - die Niederländische Reformierte Kirche und die Reformierten Kirchen in den Niederlanden - beschlossen in den achtziger Jahren, eine Wiedervereinigung anzustreben. Später schloss sich auch die (sehr kleine) Evangelisch-lutherische Kirche im Königreich der Niederlande an.
Mit einem finalen Beschluss von jeder der drei Synoden am 12. Dezember 2003 wurde der letzte Schritt auf diesem Weg gesetzt.

Wie gesagt, wurde diese Vereinigung ab dem 1. Mai 2004 effektiv. Es ist für uns eine sehr spannende Zeit gewesen, und die Spannungen sind noch immer nicht ganz überwunden. Leider haben ungefähr fünf Prozent der Mitglieder gemeint, die Vereinigung nicht mittragen zu können. Mit diesen Brüdern - es gibt unter den Vertretern dieser neuen Kirche kaum Schwestern - führen wir Verhandlungen, um möglichst juridischen Prozessen vorzubeugen oder diese zu beenden.

Für die große Mehrheit der Protestanten in den Niederlanden und besonders für diejenigen, die innerhalb der Kirche besondere Verantwortung übernommen haben, ist das Entstehen der Protestantischen Kirche ein positives und stimulierendes Faktum. Im letzten Jahrzehnt mussten sich die Synoden der drei Kirchen vor allem auf kirchenrechtliche und organisatorische Fragen konzentrieren. Jetzt aber hat z.B. die Generalsynode in ihren letzten Sitzungen erneut und nachdrücklich die missionarischen und diakonischen Aufgaben der Kirche zum Thema der synodalen Besprechungen gemacht.

Ein besonderes Ereignis war kürzlich auch das Erscheinen einer neuen niederländischen Bibelübersetzung. Hierbei handelt es sich um die erste ökumenische, das heißt von Protestanten und Katholiken akzeptierte Übersetzung. Die Niederlande wären nicht die Niederlande, wenn es nicht auch in der Presse eine manchmal heftige Auseinandersetzung über Übersetzungsprinzipien gegeben hätte. Holländer sind ja alle Theologen, sagt man. Aber dass schon jetzt diese Übersetzung auf der Bestsellerliste - vor Harry Potter - auf die erste Stelle vorgerückt ist, sagt schon etwas.

Diese Neuerscheinung war auch Anlass für eine Umfrage über die heutige geistliche Situation in den Niederlanden. Die sich daraus ergebenden Daten sind weniger positiv. Nur noch ungefähr ein Drittel der Bevölkerung gibt an, zu einer Kirche zu gehören. Die noch immer weiterschreitende Säkularisierung stellt klare Herausforderungen an unsere Kirchen - in den Niederlanden nicht weniger als hier in Deutschland und im breiteren Europa.
Auch die schnellen Änderungen und die noch wachsenden Spannungen in unserer multikulturellen Gesellschaft sind Grund für weitere Sorgen. Der kürzliche Mord an einem Journalisten illustriert, dass wir als Kirche eine große Verantwortung tragen, um über Fragen von Recht und Versöhnung mitzudenken.

Wir freuen uns über den Vertrag zwischen den niederländischen Kirchen und der EKD anlässlich der Fragen zur Pastoralbetreuung der niederländischen Protestanten in Deutschland und der evangelischen Deutschen in den Niederlanden. Weitere Schritte auf dem Weg der kirchlichen Zusammenarbeit in Europa sind notwendig. Die Zusammenarbeit in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa soll mehr sein als eine nur praktische Kooperation. Die nächste Vollversammlung - in Budapest 2006 - wird dafür wichtig sein können.

Im Namen meiner Kirche wünsche ich der Synode der EKD Gottes Segen bei ihren Aufgaben.

In Christus verbunden
Elly de Haan-Verduyn
Mitglied des Vorstandes der Generalsynode



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