Delegation des Herero-Volkes besucht EKD-Synode

100 Jahre nach Kolonialkrieg ein Zeichen der Versöhnung

02. November 2004

Einhundert Jahre nach der blutigen Niederschlagung des Herero-Aufstandes durch deutsche Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) besucht eine Herero-Delegation unter Leitung des Stammesführers Alphons Maharero auf Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die 3. Tagung der 10. Synode der EKD, die vom 7. bis 12. November in Magdeburg stattfindet. Alphons Maharero ist ein Urenkel von Samuel Maharero, der 1904 den Widerstand gegen die deutsche Kolonialmacht angeführt hatte. Am Donnerstag, den 11. November, wird Maharero sich gegen 9.15 Uhr mit einem Grußwort an die Mitglieder der Synode wenden.

In der Schlacht am Waterberg am 11. August 1904 wurde der Aufstand der Herero im heutigen Namibia von den deutschen Kolonialtruppen niedergeschlagen. Im November 1904 befahl General Lothar von Trotha die Vernichtung des Volkes der Herero. Die historische Forschung bezeichnet diesen kolonialen Krieg heute mit großer Übereinstimmung als Völkermord. Etwa 70.000 Menschen waren bei dem Aufstand getötet worden.

Zur Unabhängigkeit Namibias im Jahre 1990 haben die Vereinigte Evangelische Mission (VEM) und die mit ihr verbundenen deutschen evangelischen Kirchen ihre historische Mitschuld an Kolonialismus, Rassismus und der Apartheid auf dem Gebiet des heutigen Namibias bekannt und die Menschen in Namibia um Vergebung gebeten. Die Kirchenleitung der deutschsprachigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia ELKIN (DELK), eine Partnerkirche der EKD, hat zusammen mit der Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia (ELCRN) ein Gesprächs- und Aktionsforum “Erinnern 1904” ins Leben gerufen. Mit verschiedenen Veranstaltungen wollen sie dazu beitragen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen, Versöhnung und Einheit zu stärken und gegenwärtige Probleme und Herausforderungen Namibias zu identifizieren, die Folgen des Krieges von 1904 sind. Die EKD unterstützt diese Initiative. Für die deutsche Bundesregierung bat die Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei einer Gedenkfeier in Namibia im August dieses Jahres das Volk der Herero um Vergebung.


Hannover, 2. November 2004

Pressestelle der EKD
Silke Fauzi



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