Synode fordert bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Schwerpunktthema zur Generationengerechtigkeit

09. November 2004

Den Kinderwunsch junger Menschen unterstützen und die ältere Generation nicht als unbrauchbar auszugrenzen – diese Forderungen erhebt die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Eine Gesellschaft ohne Kinder hat ein demografisches Problem und steht in der Gefahr, hoffnungs- und leblos zu werden“, machte die Vorsitzende des Vorbereitungsausschusses, Oda-Gebbine Holze-Stäblein in ihrer Rede zum Schwerpunktthema der Synode „Keiner lebt für sich allein – Vom Miteinander der Generationen“ deutlich. Die Vereinbarkeit von Kinderwunsch und Berufstätigkeit „darf nicht länger das Privatproblem der betroffenen Familien sein“. Lasten, die Kinder mit sich bringen, sollten auf die gesamte Gesellschaft verteilt werden. Dazu gehörten zum Beispiel die Schaffung von Möglichkeiten der Kinderbetreuung und das Angebot von Teilzeitarbeitsplätzen auch für Männer.

Zum Miteinander der Generationen gehört aber auch die Integration von älteren Menschen. Die Synodalen, die sich vom 7. bis 12. November zur 3.Tagung der 10. Synode in Magdeburg zusammengekommen waren, plädierten für eine „Kultur der Fürsorglichkeit“. An dieser müssten jüngere wie ältere Menschen aktiv beteiligt sein, „beispielsweise dadurch, dass die Sorge für Kinder von ihnen übernommen wird.“ Die Kirche als generationenübergreifende Institution habe eine große Kompetenz in der Arbeit mit jungen und alten Menschen. Diese sollte künftig ausgebaut werden, indem sich die Gemeindearbeit „mehr an Themen als an Altersgruppen“ orientiert.

„Die Abnahme der Kinderzahl in unserer Gesellschaft hat nicht nur sozial- und arbeitsmarktpolitische Folgen“, betonte die Soziologin Rosemarie Nave-Herz in ihrem Referat zur Einführung des Themas. Die Ein-Kind-Situation bringe Kinder in eine Minoritätenstellung innerhalb des Familienverbandes und in der Gesamtgesellschaft. „Gegenüber Minoritäten aber – so lautet eine wohlbekannte These in der Sozialpsychologie – verhält sich die Umwelt selten neutral.“ Während innerhalb der Familie Verwöhnungseffekte auftreten könnten, komme in der Gesellschaft die Abwertung von Kindern zum Tragen.

Dahinter, dass ein Drittel der Frauen heute keine Kinder bekommen, stecke aber keine bewusste Aufkündigung des Miteinanders der familialen Generationen, betonte Nave-Herz. Untersuchungen hätten ergeben, dass kinderlose Ehepaare mit ihrer Eheschließung sehr wohl den Wunsch nach gemeinsamen Kindern verbänden. „Die Einlösung des Kinderwunsches wird überwiegend wegen der Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Kindern immer weiter verschoben.“ „Zuverlässige Unterstützungsmaßnahmen sind für junge Mütter und Väter notwendig, was bisher nicht genug auch politische Unterstützung fand, um die Einlösung des vorhandenen Kinderwunsches zu erleichtern,“ so die Soziologin. Wenn dieses Problem nicht gelöst werde, werde die Kinderlosigkeit weiter steigen und das Miteinander der Generationen „rein quantitativ“ problematisch.


Magdeburg, 9. November 2004

Pressestelle der EKD
Karoline Lehmann

Texte zum Schwerpunktthema



erweiterte Suche