„Türsteher für einen Raum der Weite“

Eröffnungsgottesdienst zwischen Werken von Arnulf Rainer

04. November 2005

Der Pfarrer an der St. Matthäus-Kirche in Berlin und Direktor der Stiftung St. Matthäus, Christhard-Georg Neubert, ist sich sicher: In einer Welt des kulturellen Pluralismus, der scheinbaren Gleichwertigkeit der Lebensstile und Werte rufen die Bilder der Engel von Arnulf Rainer (75) zur Konzentration, zur Kontemplation. Ausgestellt werden die Bilder zur Zeit in der St. Matthäus-Kirche, in der am Sonntag, 6. November, die 4. Tagung der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eröffnet wird.

„Dahinter Engel“ hat der österreichische Maler die Ausstellung überschrieben. Engel seien wie Türsteher für einen Raum der Weite und des Lichtes, erklärt Christhard-Georg Neubert, der für die Ausstellungen in der St. Matthäus-Kirche verantwortlich ist: „Sie verbürgen eine Wirklichkeit, die Christenmenschen Zuversicht verheißt, Trost und Stärke.“ Mit seinen auf Meditation und Kontemplation verweisenden Verhüllungen und Übermalungen habe es der Maler auf „das dritte Auge, das geistige Auge“ abgesehen. Die Kirche werde so zu einem Raum der Begegnung, in der das Fremde wahrgenommen werden und das Eigene im Gegenüber zu den Bildwerken erfahren werden könne.

Arnulf Rainer begann sein künstlerisches Schaffen mit detailfreudigen Graphikzeichnungen, die zur Schule des Neo-Surrealismus gehören. Er versuchte dann in seinen »Übermalungen« das Verhältnis Künstler – Bürger zu artikulieren und gestaltete die Welt des Unbewussten mit Filzstiften und Kreiden auf durchsichtigen Folien. Der heute im Innviertel, Oberösterreich, lebende und international hoch anerkannte österreichische Künstler ist seit 1981 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Sein Werk ist geprägt von der konsequenten Suche nach neuen künstlerischen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten, dem Erforschen von Grenzbereichen und dem Infragestellen des Bekannten und Erreichten. Seine Art zu arbeiten beschreibt er selbst: „Wenn ich male, bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht und beschimpfe Leute. Ich bewege und verwandle mich permanent als Leib, Körper und Seele.“

Berlin, 04. November 2005

Pressestelle der EKD
Christof Vetter



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