4. Tagung der 11. Synode der EKD,

Magdeburg, 06. bis 09. November 2011

Grußwort des Bundesministers des Inneren

Dr. Hans-Peter Friedrich

06. November 2011

Dr. Hans-Peter Friedrich

Es handelt sich um eine unredigierte Fassung.


Grüß Gott, liebe Frau Präses Göring-Eckardt,
sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Präses Schneider,
Herr Ministerpräsident, Herr Oberbürgermeister, hohe Synode, meine sehr verehrten Damen und Herren!


Ich habe es tatsächlich geschafft, trotz des Nebels heute fast pünktlich zu sein, und freue mich sehr, dass ich bei dem sehr schönen Gottesdienst in dem sehr schönen Gotteshaus dabei sein konnte.

Die Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist nicht nur ein innerkirchliches Ereignis – Sie haben viele Themen zu diskutieren; einige wurden angesprochen –, sondern die Standpunkte, die Sie formulieren, wirken auch in die Welt und in die Gesellschaft hinaus. Ich darf Ihnen auch im Namen von Frau Bundeskanzlerin Merkel und der gesamten Bundesregierung gutes Gelingen und Gottes Segen für Ihre Arbeit wünschen.

Neben der innerkirchlichen Gesetzgebungsarbeit haben Sie sich ein inhaltliches Schwerpunktthema gegeben: „Was hindert’s, dass ich Christ werde?“ – Missionarische Impulse. Es ist vielleicht für viele im 21. Jahrhundert und mitten im christlichen Abendland überraschend: missionarische Impulse, Mission. Dabei bezeichnet Mission an sich nur etwas, was in einer offenen Gesellschaft ganz selbstverständlich ist, nämlich dass jede Weltanschauung, jede Gemeinschaft und auch jede religiöse Gemeinschaft für ihre Ideen und Überzeugungen werben muss. Für die Kirche und für die Religionsgemeinschaften bedeutet das in erster Linie, von Gott zu reden, Gott zu bezeugen und aufzuzeigen, was Gott für das persönliche Leben des Einzelnen bedeutet. Ich habe in dieser Woche in einer Predigt gehört oder einer Ansprache den Satz gelesen: Wir müssen verhindern, dass der Gottesglaube verdunstet. Ich glaube, das bringt die Sache sehr gut und sehr genau auf den Punkt.

Angesichts der vielfältigen Suche der Menschen in der heutigen Zeit nach dem Sinn und nach dem Kompass in ihrem Leben und andererseits der sinnstiftenden Kraft, die von der christlichen Religion ausgeht, fragen Sie zu Recht: Was hindert’s eigentlich, Christ zu werden? Andererseits haben sich die christlichen Kirchen eine sehr schmerzliche Frage zu stellen, nämlich: Was sind die Gründe dafür, dass sich so viele Menschen, die an Gott und Jesus glauben, von ihrer Kirche abwenden? Muss Mission angesichts der Zahl der Kirchenaustritte nicht damit anfangen, die eigenen Mitglieder zu erreichen, zu überzeugen und zu begeistern?

Gerade in einer globalisierten Welt, geprägt vom ständigen Wandel, suchen Menschen nach der Antwort auf existenzielle Fragen und suchen nach Halt und Sinn. Gerade das bieten christliche Kirchen. Aber diesen Halt bieten auch andere Gemeinschaften und Weltanschauungen. Was also ist das Alleinstellungsmerkmal des Christentums in diesem so großen Angebot? Sicher nicht nur eine Regieanweisung für das Leben – das haben andere auch –, und sicher sollten wir auch verhindern, dass Kirchen auf Moralanstalten reduziert werden.

Kern des christlichen Glaubens und, denke ich, Aufgabe der Kirche ist es, die unbedingte Liebe Gottes zu allen Menschen zu bezeugen. Mission muss bedeuten, die ansteckende Hoffnung an den Nächsten weiterzugeben, nicht nur im Großen und nicht nur medial inszeniert, sondern im Kleinen, im Tun, im Alltag, in dem – ich darf das aus der Predigt von heute aufgreifen – Aneinander-Hängen im unmittelbaren Umfeld.

Sie haben sich hier versammelt, meine sehr verehrten Damen und Herren, um den Glauben und die Grundlagen für den Glauben und seine Verkündung und Bezeugung deutlich zu machen und der Mission im 21. Jahrhundert eine Perspektive zu geben. Es liegt natürlich im Wesen der Religion, dass sie nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet. Auch der weltanschaulich neutrale Staat kann, soll und darf Religion nicht aus dem öffentlichen Leben verbannen. Denn auch und gerade der säkulare Staat ist auf das wertorientierte Handeln seiner Bürger angewiesen, und er braucht das Engagement und die Einsatzbereitschaft, die aus religiösen Werten wie Nächstenliebe und Verantwortung vor Gott und den Menschen erwachsen. Das macht die Gesellschaft lebendig und lebensfähig. Es gestaltet Gemeinschaft, es stiftet Gemeinsinn, Kraft und Geborgenheit, die sich aus Glaubenswurzeln speisen, und stärken den Einzelnen nicht nur in seiner individuellen Sinnsuche, sondern stärken auch die Gesellschaft und die Gemeinschaft insgesamt. Sie lassen im Anderen den Mitmenschen und das Geschöpf Gottes erkennen und geben die Kraft und die Möglichkeit, im Austausch und im Miteinander über alles Trennende hinweg Gemeinsamkeiten mit ihm zu suchen.

Meine Damen und Herren, wer Brücken schlagen will, muss die Tragpfeiler fest einrammen, und wer einen Dialog führen will, muss die Standpunkte fest formulieren und konsequent vertreten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie diese Standpunkte erarbeiten und in den Grund fest einrammen und darauf den Dialog führen. Für Ihr Tun in den nächsten Tagen alles Gute und Gottes Segen!



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