4. Tagung der 11. Synode der EKD

Magdeburg, 06. bis 09. November 2011

Grußwort der Orthodoxen Kirche in Deutschland

Archimandrit Sfiatkos

07. November 2011

(unredigierte Fassung)

Hohe Synode! Liebe Frau Präses! Lieber Herr Präses Schneider!

Ich danke für die herzliche Begrüßung und die Aufnahme, die ich seit gestern Abend hier erfahren durfte, obgleich die erste Frage immer war: „Wie geht es Ihnen?“ und sich dann die Frage anschloss: „Ist der Metropolit denn nicht da?“

Ich bin gerne sein Vertreter und möchte auch gleich Gerüchten entgegenwirken. Man hat mich gefragt: Ist er verstimmt oder beleidigt? – Nein, er ist auch erkrankt, er leidet an einer Lungenentzündung, und er lässt Sie alle herzlich grüßen. Ich werde Ihre Grüße und Genesungswünsche gerne überbringen, wenn ich Ihn heute Abend sehe.

Ich darf nun sein Grußwort verlesen:

Hohe Synode! „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ – Vor knapp zwei Monaten erinnerte Papst Benedikt XVI. anlässlich seiner Begegnung im Erfurter Augustinerkloster an diese Frage des Reformators Martin Luther. Er erinnerte Sie, verehrte Geschwister aus der Evangelischen Kirche in Deutschland, und alle anderen Kinder und Kindeskinder der Reformation in diesem Land, aber er erinnerte auch uns, die wir aus dem Osten hierhergekommen sind, oder, anders gesagt, uns, die wir uns mit Ihnen auf das Reformationsjubiläum vorbereiten, ohne diese Reformation erlebt zu haben. Auch für uns ist nämlich das Jahr 2017 und seine Vorbereitung eine außerordentliche ökumenische Herausforderung. Wir leben lange genug in diesem Land, und unsere ökumenische Nähe zu Ihnen ist so groß, dass es nicht möglich ist, anlässlich dieses Jubiläums zu sagen: Es geht uns nichts an, damit haben wir nichts zu tun.

Andererseits ist es unbestritten, dass die Reformation eine Vorgang in den Reihen der Westkirche war, die aufgrund der damaligen politischen Konstellation vom Osten zum Teil gar nicht wahrgenommen wurde, ja vielleicht gar nicht verstanden wurde.

Als die Tübinger Theologen sich an den Patriarchen Jeremias II von Konstantinopel wandten, um ihn und orthodoxen Kirche die Reformation vorzustellen, kam es zwar zu einem berühmten Briefwechsel, dieser brach aber im Jahr 1581 ab, wobei der Patriarch jenen bekannten Satz schrieb: „So gehet nun euren Weg und schreibt uns, wenn ihr wollt, nicht mehr über die Dogmen, sondern um der Freundschaft willen.“

Gestatten Sie mir an dieser Stelle die provokative Frage: Wo stehen wir heute in unseren Beziehungen? Sind wir weitergekommen in unseren theologischen Gesprächen, in unserer Freundschaft, im gegenseitigen Verstehen? Vielleicht ist ja die Beantwortung dieser Frage unsere gemeinsame Aufgabe, die wir in den Jahren bis 2017 übernehmen sollten. Hier könnte die wirklich ökumenische Ausweitung des Reformationsjubiläums liegen. Hier liegt fruchtbarer Ackerboden vor uns, den es gemeinsam zu pflügen gilt.

Mit diesem Impuls überbringe ich Ihnen auch in diesem Jahr die aufrichtigen Segenswünsche und herzlichen Grüßen der orthodoxen Christinnen und Christen unseres Landes, meiner Mitbrüder von der Orthodoxen Bischofskonferenz, der Geistlichen und der Laien und wünsche Ihnen gute und gesegnete Beratungen.



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