4. Tagung der 11. Synode der EKD

Magdeburg, 6. bis 9. November 2011

Grußwort der Deutschen Bischofskonferenz

Bischof Dr. Gerhard Feige, Bistum Magdeburg

06. November 2011

Bischof Dr. Gerhard Feige

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Präses der Synode Frau Göring-Eckardt,
sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender,
verehrte Synodale,
sehr geehrte Anwesende, liebe Schwestern und Brüder,

es ist mir eine Freude und Ehre, heute als Gast an Ihrer Synode teilzunehmen und für die Deutsche Bischofskonferenz ein Grußwort an Sie zu richten. Dass Sie die Deutsche Bischofskonferenz wie in jedem so auch in diesem Jahr dazu einladen, zeugt von Ihrer ökumenischer Gesinnung und unserer geschwisterlichen Verbundenheit. Gerade hier in den östlichen Bundesländern, wo wir als Christen in der Minderheit sind, braucht es solche Zeichen, die deutlich machen: Jenseits von allem, was uns trennt und was uns manchmal auch Probleme bereitet, gehören wir zusammen. Getauft auf den einen Herrn Jesus Christus sind wir geeint in ihm. Und darum gilt es trotz mancher Irritationen, Missverständnisse und Enttäuschungen nicht nachzulassen, sich weiterhin um verantwortbare Lösungen zu bemühen – möglichst vorurteilsfrei, in gegenseitigem Vertrauen, mit Herz und Verstand, beharrlich und fair. Dass so etwas möglich ist, habe ich erst wieder vor wenigen Tagen beim Kontaktgespräch zwischen Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz auf beeindruckende Weise erfahren.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Sie befassen sich bei der diesjährigen Synodaltagung mit dem Schwerpunktthema „Was hindert’s, dass ich Christ werde?“ – Perspektiven evangelischer Mission im 21. Jahrhundert.“ Mit dieser Frage steht keine Kirche allein. Es war um die Jahrtausendwende, als geradezu zeitgleich ein Grundwort in das Leben der beiden Kirche in Deutschland zurückkehrte, das lange vergessen schien oder schamhaft verschwiegen wurde: die Mission. Im Jahr 1999 stellte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ihre Versammlung in Leipzig unter das Leitthema „Reden von Gott in der Welt. Der missionarische Auftrag der Kirche in der Welt“. Die katholischen Bischöfe veröffentlichen im Jahr 2000 das Dokument „’Zeit zur Aussaat’– Missionarisch Kirche sein“.

Der historische Kontext dieser Neubesinnung auf das Thema „Mission“ war die Dekade nach der so genannten Wende, in der die kirchliche Realität der neuen Bundesländer mehr und mehr im Bewusstsein der beiden Kirchen ankam. Mein Erfurter Kollege, Bischof Joachim Wanke, brachte diese Realität auf die eindringliche Formel: „Das Evangelium Jesu Christi ist den Menschen weithin unbekannt“. Im Osten lebten viele Menschen, die aufgrund ihrer Erziehung und Sozialisation und begünstigt durch einen staatsverordneten Atheismus den Glauben an Gott für ihren Lebensentwurf nicht als notwendig erachteten. Und auch im Westen erschien vielen Menschen ein Leben ohne Gott plausibler als eine Lebensdeutung aus dem christlichen Glauben heraus.

Die gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen machten deutlich: Der herkömmliche Weg des Christwerdens und Christbleibens entspricht nicht mehr den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft. Der christliche Glaube ist kein Erbe mehr, das sich der Einzelne in der Kindheit und Jugend aneignet wie die Muttersprache oder wie grundlegende Werte und Normen des Miteinanders. Er wird immer mehr zu einem Angebot, das der Einzelne prüft und dann bewusst annimmt oder ablehnt.

An diesen Herausforderungen, vor denen die Kirchen gemeinsam stehen, hat sich in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert. Neben einem zunehmenden Agnostizismus und Atheismus beobachten wir aber auch eine Offenheit für Spiritualität und religiöse Sinndeutungen. Von einem Verschwinden des Religiösen kann keineswegs die Rede sein. So begegnen wir auch in unseren Kirchen ungetauften Menschen, die sich bewusst entscheiden, Christ zu werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt in der katholischen Kirche der Katechumenat als Weg der christlichen Initiation mehr und mehr an Bedeutung. Im Bistum Magdeburg werden inzwischen über 10 % der Taufen an Erwachsene gespendet. Evangelischerseits ist es in unserer Region ähnlich.  Trotz des Rückgangs der volkskirchlichen Strukturen sind also auch Zeichen des Wachstums auszumachen. Wenn die katholische Kirche beginnend mit dem 11. Oktober 2012 – dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils – ein „Jahr des Glaubens“ begehen wird, dann ist das auch eine Chance, dass wir uns als Deutsche Bischofskonferenz noch einmal verstärkt dem Thema der Neuevangelisierung zuwenden.

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt deutlich den Zusammenhang von Mission und Ökumene hervorgehoben, wenn er sagt: „Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.“ Damit wird weder die Fortführung theologischer Dialoge, die der Papst ausdrücklich gewürdigt hat, in Frage gestellt, noch sollen die drängenden Anfragen und Probleme damit nivelliert werden. Vordringlich aber ist für den Papst, dass wir nicht einem wachsenden Säkularisierungsdruck nachgeben, sondern uns auf unseren gemeinsamen christlichen Glauben besinnen, der uns „Gabe und Auftrag“ zugleich ist. Gemeinsam sollten wir uns um das Christuszeugnis mühen und miteinander über konkrete Formen nachdenken, wie wir dieser Aufgabe noch besser gerecht werden können. Vielleicht liegt in dieser Perspektive für evangelische wie katholische Christen auch eine geeignete Möglichkeit, gemeinsam auf das Reformationsgedenken im Jahr 2017 zuzugehen. Ich wünschte sehr, dass wir uns danach nicht ferner, sondern näher wären.

In Deutschland ist es uns in der Vergangenheit gelungen, wenn auch nicht immer auf hindernisfreien, so doch auf verlässlichen ökumenischen Wegen unterwegs zu sein. Besonders dankbar und froh bin ich dabei über die positiven Erfahrungen, die wir hier in unserer Region schon seit langem miteinander gemacht haben. Bleiben wir auch künftig beieinander, stärken und ermutigen wir uns gegenseitig im Glauben an Gott und im Einsatz für die Menschen! Und lassen wir uns immer wieder aufs Neue von Gottes mächtigem Geist bewegen.

Verehrte Synodale! In diesen Tagen stehen für Sie nicht nur grundlegende Fragen nach der missionarischen Strahlkraft des christlichen Glaubens im 21. Jahrhundert an, sondern darüber hinaus viele Entscheidungen von mehr oder weniger großer Tragweite. Ich wünsche Ihren Beratungen – im Namen der Deutschen Bischofskonferenz und auch ganz persönlich – einen gesegneten Verlauf und fruchtbare Ergebnisse.



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