4. Tagung der 11. Synode der EKD

Magdeburg, 06. bis 09. November 2011

Grußwort des Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt

Dr. Reiner Haseloff

06. November 2011

Dr. Reiner Haseloff

Es handelt sich um eine unredigierte Fassung.

Sehr geehrte Frau Präses Göring-Eckardt!.
Sehr geehrter Herr Präses Schneider!
Verehrter Herr Bundesinnenminister Friedrich!
Verehrte Landtagsabgeordnete! Lieber Herr OberbürgermeisterTrümper!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Gestern Abend hatte ich schon mit Frau Junkermann die Ehre, Sie in der Johanniskirche empfangen zu dürfen und sozusagen den Auftakt für Ihre wichtige Tagung hier in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt vorbereiten zu können.

Ich begrüße Sie in der Landeshauptstadt des wunderschönen Landes Sachsen-Anhalt, in der Stadt Magdeburg, die man um 1540 bis 1550 „Herrgotts Kanzlei“ genannt hat. „Herrgotts Kanzlei“, das bringt als Begriff eine ganze Reihe von Assoziationen. Wenn wir hinterfragen, was damals damit gemeint war, stellen wir fest, dass es nicht die übliche Arbeit einer Kanzlei war, die beamtenmäßig nach Tagesordnung und Protokoll durchgeführt wurde, nein, es war der Versuch, mit den Medien, die damals zur Verfügung standen – und es gab zeitlich mit der Reformation auch eine Medienrevolution, die die Reformation auch nach vorn trieb – die Botschaft der Reformation zu formulieren und zu verbreiten und in alle Bevölkerungsschichten hinein entsprechend zu hinterlegen, zur Diskussion aufzufordern und auch Geschichte zu beeinflussen und zu schreiben.

Dieser Anspruch von Magdeburg aus diese Gotteskanzlei darzustellen, steht für Sie als Synode natürlich heute ganz oben, wenn es darum geht, eine zumindest für das 21. Jahrhundert für die Kirchen wichtige Frage zu bearbeiten, nämlich die Frage, wie man das christliche Menschenbild, den christlichen Glauben tradieren kann und mit welchen Aussagen, mit welchen Formulierungen, mit welchen Angeboten man entsprechend auch präsent sein muss und sich einbringen sollte.

Ich glaube, dass diese Synode auf jeden Fall mit ihrer Diskussion etwas dazu beiträgt, dass wieder einmal in der Reihenfolge der Themen, die in einem persönlichen und menschlichen Leben wichtig sind, eine entsprechende Wertigkeit hineingebracht wird und wir vor dem Hintergrund vieler operativer Probleme und Nöte in unserer Gesellschaft global, europäisch und national auch als Christen in der Lage sind, zu zeigen, dass wir ein Angebot haben, das zumindest diskussionswürdig ist.

Wenn Sie solche praktischen Dinge wie in den letzten Tagen, liebe Frau Göring-Eckardt, aufgreifen, zum Beispiel wie wir es mit dem Streikrecht in kirchlichen Einrichtungen halten, dann ist es auch aus politischer Sicht bei klarer Trennung zwischen Staat und Kirche durchaus interessant, ob es opportun und möglich sein kann, dass es innerhalb einer Gesellschaft unterschiedliche Spielregeln bei der Lösungsfindung von Problemen geben kann.

Es ist nicht automatisch gesetzt, dass alles nach einem gleichen Ritual ablaufen muss, sondern es auch andere Bindungskräfte geben kann, die bis in das profane berufliche Leben hinein Wirkung entfalten, auch wenn man für sich in Anspruch nimmt, über die sogenannte Definition eines Tendenzbetriebes ganz besondere Intentionen in dieser Gesellschaft vorhalten zu wollen und zu können.

Für den Staat und für die Gesellschaft ist es wiederum eine Herausforderung, aushalten zu müssen, was nicht alles im gleichen Kanon dekliniert bzw. in der gleichen Sicht der Verfahrensweisen aufgenommen und abgearbeitet wird. Es muss in einer pluralen Gesellschaft, die auch aus Menschen besteht, die unterschiedliche Weltanschauungen haben, möglich sein, unterschiedliche Organisationsformen, Herangehensweisen und Problemlösetechniken zu entwickeln.

Das ist nur ein Beispiel, das ich in diesem kurzen Grußwort aufgreifen kann, dass wir durchaus als Politikerinnen und Politiker interessiert sind, welche Angebote und welche Diskussionslinien sich hier im Rahmen der Synode entwickeln. Dass wir als „Lutherland“ Sachsen-Anhalt in Mitteldeutschland natürlich immer auch das besondere Interesse haben, egal, ob Sie nach der Synode wieder in Ihre Heimatkirchen zurückkehren, und uns immer bewusst sind, auf welches wichtige Datum wir zusteuern, das hieße hier, Eulen nach Athen zu tragen. Denn es ist wirklich so, dass wir einen großen Konsens besitzen und entsprechend vorhalten, der darin einmündet, dass 2017 ein nationales, kirchliches, gesellschaftliches, nationalstaatliches, europäisches, aber auch ein globales Datum ist, das wir zu begehen und vorzubereiten haben, wo wir uns auch als Land, das die wichtigsten reformationsgeschichtlichen Stätten in den eigenen Grenzen aufweist, nicht nur gut präsentieren, sondern auch ganz hervorragende Gastgeber sein wollen.

In diesem Sinne wünsche ich, dass Sie dieses schon intuitiv erspüren, gestern Abend in der Johanniskirche, aber auch heute hier in diesen Tagungsräumen, in den nächsten Stunden und Tagen hier in Magdeburg und in Sachsen-Anhalt, dass Sie das Gefühl mitnehmen, nicht nur herzlich willkommen zu sein, sondern sich hier heimisch fühlen und auf dem Weg zum Jahre 2017 schon eine immense Vorfreude entwickeln, wenn viele Pilgerinnen und Pilger nach Sachsen-Anhalt und zu den kirchlichen Angeboten hier nach Mitteldeutschland kommen.

Zum Schluss noch ein Zitat, das ich als Impuls mitgeben will. Manchmal helfen auch die Kalenderblätter, wenn es darum geht, bestimmte Fragestellungen, die man sich selbst auf die Tagesordnung gesetzt hat, auf den Punkt zu bringen. Sie fragen: Ist es möglich, den christlichen Glauben im 21. Jahrhundert noch weiterzugeben und zu transportieren? Da haben wir bisher die richtigen Möglichkeiten gefunden. Rupert Mayer hat mir in dieser Woche mit dem Kalenderblatt Folgendes in die Hand gedrückt: „Es muss Wärme von uns ausgehen, den Menschen muss es in unserer Nähe wohl sein und sie müssen fühlen, dass der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt.“

Ich denke, wenn wir das in den Mittelpunkt der Diskussion stellen, finden wir auch die Lösung, die die Menschen von uns erwarten.

Herzlichen Dank und Ihnen viel Erfolg.



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