Bericht des Rates - Teil A - mündlich

5. Tagung der 11. Synode der EKD, Timmendorfer Strand, 1. bis 7. November 2012

III. Theologischer Ausblick auf das Reformationsjubiläum

Nikolaus Schneider

„Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude!“ – Mit dem Jubiläumsjahr 2017 gehen wir auf eine besondere Gelegenheit zu, das Kommen Jesu Christi als Mitte des reformatorischen Glaubens neu zur Sprache zu bringen. Dabei stehen wir vor einer beachtlichen Kommunikationsaufgabe! Denn einerseits wollen wir in den Kirchen die reformatorischen Einsichten und die theologischen Aufbrüche der Reformation in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Andererseits müssen wir beachten, dass es vielfach mehr die kulturellen und intellektuellen, die politischen, wirtschaftlichen und bildungspolitischen Folgen der Reformation sind, die den Menschen einen ersten Zugang zum Thema erlauben.

Deswegen hat der Rat der EKD die Position einer Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 geschaffen und Margot Käßmann in diese Aufgabe berufen. Sie trägt im Kontakt mit Rat und Kirchenkonferenz die Anliegen des Reformationsjubiläums in die Gesellschaft hinein und vertritt sie in der Ökumene.

Denn 2017 wollen wir kein nationales Lutherjubiläum feiern, sondern ein internationales Reformationsfest. Deshalb wird die EKD gemeinsam mit dem „Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund“ (SEK) und in enger Verbindung mit der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) im nächsten Jahr zu einer weltweiten Partnerkirchenkonferenz einladen, auf der das Thema Reformationsjubiläum und die jeweiligen Verständnisse der Reformation zur Sprache kommen werden.

Die Reformation war in ihrer Mitte eine religiöse Tiefenerfahrung, in ihren Wirkungen aber ein weltveränderndes Ereignis, das unsere Gesellschaft bis heute prägt. Darum plädieren wir dafür, dass der 31. Oktober 2017 ein gesetzlich geschützter Feiertag wird.

Die Strophen des Liedes „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ sind wie eine Antwort auf die Frage zu lesen, was wir eigentlich 2017 feiern wollen und wozu wir andere zum Mitfeiern einladen: Der zentrale theologische Impuls der reformatorischen Entdeckungen liegt in der Konzentration auf das Evangelium von Jesus Christus. Im Vertrauen auf das uns Menschen unverfügbar bleibende Evangelium von Jesus Christus wird uns eine Heilsgewissheit geschenkt, die sich nicht mehr vor Gott rechtfertigen will durch eigene Werke und Taten, sondern die sich von Gott rechtfertigen lassen kann durch Gottes Werk und Tat. So gesehen feiern die reformatorischen Kirchen 2017 einen einzigen großen Gottesdienst. „Hochgelobt sei der erbarmende Gott“, dieser Vers könnte auch die Überschrift über die Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 sein.

Natürlich: Martin Luther, Huldrych Zwingli und Johannes Calvin sprachen eine andere Sprache als wir heute. Wir können ihre Einsichten nicht einfach nur wiederholen, sondern müssen sie übersetzen in die Gegenwart, nicht nur vom Lateinischen ins Deutsche, sondern von der mittelalterlichen in die moderne Lebenswelt. Dies aber ist eine gemeinschaftliche Aufgabe. Eine besondere Wirksamkeit für diesen Prozess können Christinnen und Christen entfalten, die in und mit den Medien arbeiten.

Hier ist das „Priestertum aller Getauften“ gefragt und die große Chance der Gemeinden wird sichtbar: Die Vielzahl der Stimmen und die Vielfalt der Menschen in unseren Kirchen, seien sie hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig, seien sie mitten in einer Gemeinde verortet oder nur selten zu sehen, alle sind eingeladen, die Länge und Breite und Höhe und Tiefe der Christuserkenntnis auszumessen (vgl. Eph 3,18).

Es gilt, die reformatorische Botschaft von der Freiheit eines Christenmenschen so weiterzusagen, dass die Befreiung aus den Ängsten und Zwängen der Welt auch im 21. Jahrhundert gehört, geglaubt und gelebt werden kann. Das verstehen wir als unseren geistlichen Auftrag und als unseren Beitrag zu einer „Ökumene der Gaben“. Und wenn Gott seinen Segen legt auf diese Ausrichtung des Reformationsjubiläums, dann bleiben wir ganz im Geiste des Liedes, das die diesjährigen Überlegungen geleitet hat:

„Jesus ist kommen, sagt`s aller Welt Enden.
Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier!
Schwöret die Treue mit Herzen und Händen.
Sprechet: wir leben und sterben mit dir.
Amen, o Jesu, du wollst uns vollenden.
Jesus ist kommen, sagt’s aller Welt Enden.“ (EG 66,9)

Ich danke Ihnen für Ihre Geduld und Aufmerksamkeit.


Liebe Schwestern und Brüder, es ist komisch, Liedstrophen immer nur vorzulesen. Lieder soll man singen. Lasst uns zum Abschluss singen aus „Jesus ist kommen“ den ersten und letzten Vers. (EG 66, Vers 1 und 9)