5. Tagung der 11. Synode der EKD

Morgenandacht

Norman Rentrop

06. November 2012

Norman Rentrop

Wie war das in Ihrem Leben?
Wer hat Ihnen von Gott erzählt, und was ist daraus geworden?

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
mit diesen Fragen begrüße ich Sie zur Morgenandacht.

Was unsere Synoden von weltlichen Zusammenkünften so wohltuend unterscheidet, ist, dass wir uns hier auf der Synode immer wieder Zeit zur Andacht nehmen, um uns auf Gott zu besinnen.

Wir tun dies: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Denn wir glauben:
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir singen gemeinsam „Großer Gott wir loben Dich“,
Nr. 331 im Gesangbuch, die Strophen 1 und 2

Mit Herzen, Mund und Medien erzählen von den großen Taten Gottes

1. Die Bibel im Nachttisch

Hört die heutige Losung, Psalm 44,2:

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, in alten Tagen.

Wie war das in Ihrem Leben?

Das Hören von Gott, wer hat Ihnen von Gott erzählt, was haben Sie gehört und was ist daraus geworden?

Der Psalmist stellt das Hören vor das Erzählen:

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, in alten Tagen.

Wenn ich bei mir selbst nachspüre: Wer hat mir von Gott erzählt und wann habe ich gehört?

Dann kommen Erinnerungen hoch an meine Mutter, meinen Vater, meine Großeltern, und über meine leiblichen Väter und Mütter hinaus Erinnerungen an meine Kindergarten-Tante Edith, Pfarrer Bleek, der mich getauft und konfirmiert und getraut hat, … aber das mit dem Hören kam bei mir erst viel später

Nach meiner Konfirmation war bei mir nicht mehr viel mit Kirche und Bibel lesen.

Etliche Jahre später war ich zu einer Fernseh-Sendung nach Baden-Baden eingeladen. Abends im Hotel öffnete ich die Schublade des Nachttisches, sah die Bibel, die die Gideons dort ausgelegt hatten, und tat etwas, was ich lange, lange nicht mehr getan hat:
Ich begann, in der Bibel zu lesen.

Ich las mich fest und merkte: Da bin ja ich gemeint.
Seitdem möchte ich das tägliche Lesen in der Bibel nicht mehr missen. Ich frage mich: Was bedeutet das für mich? Wie kann ich das in meinem Leben anwenden? Was will mir Gott dadurch sagen, dass er mich gerade jetzt zu dieser Bibelstelle führt? Und wenn ich vor dem Einschlafen im Gebet mit Gott eine bestimmte Situation angesprochen habe, fand ich mehrfach am nächsten Morgen eine Bibelstelle oder einen Zusammenhang, die ganz neue Wege aufzeigten oder Zuversicht gaben.

Lies in der Bibel – das ist gut für die Seele.

2. Mein Leben für Jesus Christus

Ein paar Jahre später bekam ich eine Einladung. So richtig schön schriftlich und formell. In eine evangelische Kirche, die ich in meiner Heimatstadt Bad Godesberg vom Vorbeifahren kannte, in der ich bis dahin noch nie gewesen war. Aus der rund 100 km entfernten Grugahalle in Essen wurde ein Evangelist übertragen auf die Video-Leinwand in der Godesberger Kirche.

Und die Predigt sprach in mein Herz hinein. Sie forderte dazu auf, „sein Leben Jesus Christus zu übergeben“. So klar und deutlich hatte ich das noch nie verstanden. Ich hörte auf einmal, und es erreichte mein Herz.

Ich fühlte mich angesprochen und folgte dem Aufruf, nach vorne zu kommen und übergab mein Leben Jesus Christus mit einem Gebet: „Ich bekenne, dass ich ein Sünder bin und ich glaube, dass der Herr Jesus Christus für meine Sünden am Kreuz gestorben und zu meiner Rechtfertigung auferstanden ist. Ich nehme ihn jetzt an und bekenne ihn als meinen persönlichen Erretter.“

Der Glaube kommt aus dem Hören, sagt uns Römer 10,17.

Auch für König Salomo war das Hören wichtig: Als er im Heiligtum übernachtete, erschien ihm der Herr im Traum und sagte zu ihm: „Wünsche dir, was du willst; ich will es dir geben!“ (GN 1.Könige 3, 5)

Salomo wünschte sich nicht langes Leben, nicht Reichtum, nicht den Tod seiner Feinde. Salomo wünschte sich ein „hörendes Herz“.

So bete ich gerne vor Gottesdiensten für offene Herzen und offene Ohren – bei mir und bei allen.

Unser Gott ist ein Gott der Offenbarung. Am Anfang war das Wort. Er hat Menschen berufen, das Wort weiterzugeben. Wir als Evangelische glauben an das Priestertum aller Gläubigen. Wir sind alle berufen, das Wort von Gott weiterzugeben.

3. Die Sache Jesu Christi geht weiter

Dieses Weitergeben des Glaubens von einer Generation an die nächste scheint manchmal ins Stocken zu kommen. Dennoch erlebe ich immer wieder, wie Menschen zum Glauben kommen.
Da ist das junge Mädchen, die Eltern beide nicht in der Kirche, aber die Nachhilfelehrerin betet für sie. Und eines Tages eröffnet das Mädchen den Eltern, sie wolle sich taufen und konfirmieren lassen.
Eine andere Familie: Da kann die Mutter mit dem Glauben nichts anfangen, der Vater hofft und betet. Das Kind wird nicht getauft. Und eines Tages, kaum auf dem Gymnasium, eröffnet es seinen Eltern den Wunsch, getauft zu werden.

Die Menschen kamen zu Jesus und seinen Jüngern und Jesus und seine Jünger gingen und gehen hinaus in alle Welt zu den Menschen.


4. Wer nicht hören kann, darf sehen

Mir wurde damals aufs Herz gelegt: Bibel TV: Biblische Filme wie die Verfilmung des Lukas Evangeliums, Bibel Dokumentationen, wie sind die Qumran-Rollen gefunden worden, welche Bedeutung haben sie, Kinderfilme wie „Jonas und der Wal“ u.a. Tag und Nacht aus-zustrahlen.

Als sich dann der frühere MDR-Fernsehdirektor und Altsynodale Henning Röhl bereit erklärte, den neuen Sender aufzubauen, war der Weg vorgezeichnet: alles dafür tun, dass Menschen auch vor dem Fernseher so einfach und so schnell wie möglich Zugang zum Wort Gottes haben.

Heute in unserer Mediengesellschaft verbringt der Bundesbürger im Durchschnitt deutlich mehr Zeit mit Medien als mit seiner Familie. 63 Stunden jede Woche ist der Bundesbürger mit Fernsehen gucken, Radio hören, Internet surfen, E-Mails bearbeiten, Zeitungen, Zeitschriften und Bücher lesen befasst: 9 Stunden jeden Tag.

Mit seinen Kindern verbringt der deutsche Vater wochentags hingegen nur gut 2 Stunden, die Mutter 5 Stunden am Tag, Wochenends mehr. Auch wenn Gespräche zwischen Eltern und Kindern in der Regel intensiver erlebt werden als mediale Ansprache, zeigen diese Zahlen, welche Bedeutung christliche Medienarbeit in den unterschiedlichsten Formen hat.

Wenn wir Menschen erreichen wollen, bieten Medien heute die große Möglichkeit.
Im Alten Testament lesen wir die Mahnung Gottes an sein Volk, die Geschichte Gottes mit seinem Volk lebendig zu erhalten. Die Alten sollen den Jungen erzählen, wie Gott sie aus Ägypten in die Freiheit geführt hat. Die Alten sollen die Geschichte so weitergeben, dass sie im Leben der Jungen ihre Wirkung entfaltet.

Für mich gehört zum Christsein, darüber zu berichten, wie Gott in meinem Leben handelt. Und davon zu erzählen, welche Hoffnung mich trägt. Die Herrnhuter Brüdergemeine hat als Lehrtext zur heutigen Losung 1.Petrus 1, 8,9-10 dazugestellt:

Jesus Christus liebt ihr, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt. So erreicht ihr das Ziel eures Glaubens: das Heil eurer Seele. Nach diesem Heil haben die Propheten, die von der Gnade, die euch zuteil werden sollte, kündeten, gesucht und geforscht.

Liebe und Vertrauen sind Eckpfeiler jeder tiefen Beziehung. Und dieses liebevolle Vertrauen ist die Grundlage für eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus.

Für mich bekräftigen diese Verse, dass unser Glaube ein Ziel hat.
Nicht der Weg ist für uns Christen schon das Ziel, sondern das Ziel wirft Licht auf den Weg. Das Ziel besteht im Heil unserer Seele, in der ungeteilten Gemeinschaft mit Gott. Und unser Leben soll dazu dienen, dass Menschen erkennen, welches Ziel Gott mit einem jeden hat.
Dieses Ziel ist nicht Gesundheit, nicht materieller Reichtum, nicht Macht. Das Ziel ist das Heil der Seele, die ungeteilte Gemeinschaft mit Gott.

Darf ich von diesem Ziel, das mein Leben hell macht, erzählen?
Ja, lehrt uns die Losung!
Erzählen kann jeder.
 
5. Dass der persönliche Glaube nicht privat bleibe

Sich Drücken gilt nicht. Glaube ist persönlich, aber nicht privat. Zum Glauben gehören das Bekenntnis und die Gemeinschaft.
So wie hier. So wie in unseren Gemeinden.

So segne der Herr unser Erzählen und unser Hören, gebe uns Mut zum Bekennen.
Auf dem Erzählen von Gott liegt eine große Verheißung:

Jesus sagt klar: Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. (Matthäus 10,32-33)

Das Erzählen – das Bekenntnis zu Jesus Christus – ist so das Passwort für den Himmel. Amen.

Ich möchte beten:

Vater Danke für Dein Wort
Danke für jeden Einzelnen, dem wir begegnen.
Danke, dass wir dein Wort weitergeben dürfen.
Schenke Du offene Ohren und offene Herzen
Segne Du unser Reden und unser Hören,
unser Hören und unser Reden.
Schenke Du, dass wir unserer Verantwortung als Väter und Mütter in Worten und Taten gerecht werden.
Schenke Du Glaube, Liebe, Hoffnung.
Das bitten wir in Deinem Namen, Herr Jesus Christus. Amen.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus Amen.

Lied „Komm Herr segne uns“ Gesangbuch 170, Strophen 1 und 2

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Wir bitten heute um den Segen Gottes nicht mit den vertrauten Worten Aarons, sondern mit den Worten des Königs Salomo:

Der HERR, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unsern Vätern gewesen ist. Er verlasse uns nicht und ziehe die Hand nicht ab von uns.

Er neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen und halten seine Gebote, Satzungen und Rechte, die er unsern Vätern geboten hat.

Amen.