6. Tagung der 11. Synode der EKD, Düsseldorf, 7. bis 13. November 2013

Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos

10. November 2013

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos

Hohe Synode, hochgeehrter Herr Ratsvorsitzender!

Als ich das Motto Ihrer diesjährigen Synode zum ersten Mal hörte „Es ist genug für alle da – Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft“, hatte ich eine ganz falsche Assoziation. Ich achtete nämlich nur auf den ersten Teil. Ich hörte „Es ist genug“ und hatte sofort das „Satis est“ der Confessio Augustana im Ohr, wo es im siebten Kapitel bekanntlich heißt: „Denn dieses ist genug zur wahren Einigkeit der christlichen Kirche, dass da einträchtig nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.

Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Eulen nach Athen trage und Ihnen als orthodoxer Christ die Confessio Augustana zitiere. Vielleicht werden Sie aber ebenso wie ich über meinen Hörfehler schmunzeln, der mich zu der irrigen Meinung verleiten könnte, Sie würden sich auf dieser Synodentagung mit Ekklesiologie befassen. Vermutlich war es ein orthodoxer Hörfehler, denn uns Orthodoxen liegt nun einmal die theologische Frage nach der Kirche sehr am Herzen.

Ich selbst bin im Übrigen davon überzeugt, dass die Zukunft der ökumenischen Bewegung, die uns allen so wichtig ist, von dieser Frage nach der Ekklesiologie bestimmt sein wird. Als orthodoxe Christen verstehen wir die ausgesprochene Klarheit dieses „Santis est“ der Confessio Augustana, und gleichzeitig gestatten wir uns auch die kritische und selbstkritische Anfrage: Was bedeutet es denn im 21. Jahrhundert, dass da einträchtig nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt wird?

Denn das ist meines Erachtens eine immer wieder neu zu stellende Frage für alle unsere Kirchen, nicht zuletzt deshalb, weil davon ja laut Confessio Augustana die wahre Einigkeit der christlichen Kirchen abhängt.

Viele orthodoxe Christen werden zurzeit, vier Jahre vor dem großen Reformationsjubiläum, immer wieder gefragt, wie wir denn zu diesem Jubiläum stehen, ja wie wir eigentlich zur Reformation stehen. Diese Frage stellten bekanntlich schon die Reformatoren selbst. 1559, ein halbes Jahr vor seinem Tod, schickte Philipp Melanchthon seine griechische Fassung der Confessio Augustana an den ökumenischen Patriarchen Joseph II, wo sie aber, wie die Forschung meint, zunächst nicht eintraf. Erst 1575 erreichte dieser griechische Text das Patriarchat und war der Auslöser eines Schriftwechsels der Tübinger Theologen mit dem Patriarchen Jeremias.

Heute stehen wir bewusst in der Tradition der ersten Kontaktaufnahme zwischen der Reformation und der Orthodoxie. Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Orthodoxe Bischofskonferenz haben einen Dialogprozess angestoßen, der nicht von ungefähr den Arbeitstitel „Tübingen II“ trägt. Dies bedeutet: Wir waren im Gespräch, wir sind im Gespräch, und wir werden im Gespräch bleiben, vermutlich auch über das Satis est.

In diesem Sinne überbringe ich Ihnen, verehrte Synodale, die Grüße der orthodoxen Christinnen und Christen unseres Landes, meiner Mitbürger im Bischofsamt, der Geistlichen und der Laien. Ich wünsche Ihnen gute Beratungen und eine gesegnete Zeit bei der Synode. Mir ist natürlich klar, dass auch das Thema Welternährung und nachhaltige Landwirtschaft wichtig, ja überlebenswichtig für uns alle ist.



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