Weitere Berichte

2. Tagung der 12. Synode der EKD, 8. bis 11. November 2015 Bremen

Mündlicher Bericht des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland e.V.

Direktor Christoph Anders

10. November 2015

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr verehrte Frau Präses, verehrte Synodale,

es geschah auf einer EKD-Synode vor fast genau 40 Jahren. Anfang November 1975 wurde in Freiburg die Satzung des Evangelischen Missionswerks in Deutschland (EMW) beschlossen – nach Zustimmung durch Rat und Kirchenkonferenz. Es konnte losgehen. Selbst wenn der Titel jenes "Kirchengesetzes über die Ordnung der Missionsarbeit" manchen beteiligten Akteuren nach den ersten, kirchenpolitisch durchaus turbulenten Jahren wohl eher wie ein misslungener Scherz geklungen haben mag. Zeiten ändern sich.

Für eine kirchliche Organisation sind 40 Jahre noch kein Alter – biblische Angaben können jedoch zu einer angemessenen Einordnung verhelfen: Wer 40 Jahre alt ist, verfügt über Erfahrungen mit Wüstenwanderungen, darf heiraten wie Isaak und Rebecca (1. Mose 25.20), den Weg ins Gelobte Land auskundschaften wie Kaleb (Jos.14,7) oder Zeichen der Heilung am eigenen Leib erfahren – wie der namenlose Gelähmte in der Apostelgeschichte (4,22). Jedenfalls lassen sich emotionale Partnerschaften, Erkundungen in unbekannten Territorien und Erfahrungen von Befreiung auf den bisherigen EMW-Wegstrecken finden.

Dieses Jubiläum hat die Arbeit des letzten Jahres geprägt und manche Einsicht erzeugt: So wurden aus diesem Anlass die Attribute "ökumenisch, multilateral, weltweit" aus der Abkürzung des Werksnamens als Titel des Jahresberichts gewählt. Der Dreiklang beschreibt unverändert wichtige Aspekte des EMW-Profils. Denn dieses Werk ist durch ein ausdifferenziertes Partnerspektrum weltweit unterwegs, die Zusammensetzung seiner Mitglieder und Partner weist auf ökumenische Grundierung und diese ist multilateral, weil sie in Programmen und Projekten bilaterale, konfessionelle und organisatorische Grenzen überschreitet.

Die Erfahrungen dieses Jahres verdeutlichten erneut den Reichtum, der sich aus dieser Konstellation ergibt. Veranstaltungsbeiträge, Grußworte und Glückwünsche haben uns berührt und fließen ein ins intensivierte Nachdenken über die künftige Ausrichtung der Arbeit. In diesen Voten verbinden sich dankbare Verortungen der Zusammenarbeit mit dem EMW mit überraschenden Erwartungen an die künftige Arbeit. Sie sind nun – als thematischer Jahresbericht eigener Art –  zusammengestellt in dem Buch "Ein Geschenk an die weltweite Kirche." Der Titel bezieht sich tatsächlich auf das EMW und ist ein Zitat bezieht aus dem Grußwort eines langjährigen ökumenischen Weggefährten.

Zur Mitgliederversammlung im September in Herrnhut konnten wir die Generalsekretäre der drei Weltbünde ÖRK, LWB und WCRC begrüßen. Sie beschrieben ihre Einschätzungen der sich ändernden Landschaften der Weltchristenheit und verorteten darin die langjährigen Kooperationen mit dem EMW. Die Debatten befassten sich auch mit Fragen der theologischen Ausbildung, die für Weltbünde, EMW und seine Mitglieder von zentraler Bedeutung sind. Schließlich geht nun auch das EMW mit einem neuen Vorstand ins nächste Jahrzehnt: Neben dem bestätigten Vorstandsvorsitzenden Bischof Jan Janssen sind darin nun auch Delegierte des Rates, der Kirchenkonferenz, der Synode und des Kirchenamtes vertreten. Für uns gilt: Geburtstage zu feiern ist anstrengend und macht glücklich!
Eine kondensierte Fassung unseres Jahresberichtes finden Sie in den Synodenakten, Sie können die ausführliche Fassung am EMW-Stand gern erhalten.

Auf folgende Aspekte unserer Arbeit weise ich gesondert hin:

Reformation und die Eine Welt

Die Platzierung des Themenjahres „Reformation und die Eine Welt“ direkt vor dem Jubiläumsjahr könnte sich als Glücksfall erweisen. Mit der Fokussierung des Blicks auf weltweite Konstellationen werden Akzente auch auf die Jubiläumsfeierlichkeiten gesetzt. Erfreulich vielfältig sind  begonnene und geplante Aktivitäten nicht nur in Landeskirchen und Missionswerken. Sie zeigen, wie wichtig es ist, gemeinsam mit ökumenischen Partnern die polyzentrischen Entwicklungswege und aktuellen Profile der Reformation als Weltbürgerin zu entdecken.

Dazu steuert das EMW – seinem Mandat entsprechend – vor allem Texte und Materialien mit Erfahrungen aus anderen Regionen der Weltchristenheit bei. Bei der Erstellung des EKD-Themenmagazins und den beiden jüngsten Stellungnahmen der Kammer für Weltweite Ökumene waren wir beteiligt. Gemeinsam mit Brot für die Welt ist ein – ebenfalls hier zu erhaltener – Kalender unter dem Titel "Reformation auf dem Weg. Menschen verändern die Eine Welt" herausgegeben worden. Das Jahrbuch Mission lädt zu Erkundungen ein unter dem Titel "Reformation: global. Eine Botschaft bewegt die Welt". Druckfrisch liegt nun eine ebenfalls recht polyphone Veröffentlichung unserer Theologischen Kommission vor mit dem programmatischen Titel: "Reformationen. Momentaufnahmen aus einer globalen Bewegung". Wer Interesse hat an der vielfältigen Ausbreitungsgeschichte der Reformation, aktuellen Kirchen-Profilen und überraschenden Selbstinterpretationen, der/die wird hier  fündig. Auch weil die Autoren/innen versuchen, die mit dem Begriff "Eine Welt" angezeigten Verantwortungen von Kirchen und Religionsgemeinschaften anzunehmen. Was können sie tun und lassen, um ihr Zeugnis und Dienst hineinzustellen in das Ringen um Gerechtigkeit und Frieden, um den Fortbestand des Lebens auf diesem  Planeten?

RET-Twin Consultation

In wenigen Tagen beginnt unter den Leitworten "Reformation – Education – Transformation" (=R-E-T) die Twin-Consultation in Sao Leopoldo/Brasilien. Hinweise auf dieses Vorhaben haben Sie den Berichten von Brot für die Welt und dem schriftlichen Bericht des Ratsvorsitzenden entnehmen können. Über 100 Teilnehmende aus fast 40 Ländern sind von den veranstaltenden Organisationen eingeladen worden. Neben EMW und Brot für die Welt sind dies die Fakultäten EST in Sao Leopoldo, die Frankeschen Stiftungen/Halle, die Theologische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg, die drei kirchlichen Weltbünde, die EKD und weitere Missionswerke. Das mit den drei Begriffen angedeutete Spannungsfeld soll ausgeleuchtet werden – zunächst in Brasilien und im Mai 2016 in Halle. Deshalb "Twin", also "Zwilling", verstanden als ein örtlich, inhaltlich und methodisch verflochtener Spannungsbogen, der zwei Veranstaltungen verbindet. So wird zuerst im Globalen Süden und dann im Globalen Norden danach gefragt, wie reformatorische Traditionen auf Theologien, Kirchen und Gesellschaften gewirkt haben. Welche Bildungsprozesse sind ausgelöst worden, die zu gesellschaftlichen Transformationsprozessen führten, und wie haben Kirchen auf Umbrüche in ihren Gesellschaften reagiert und agieren heute darin? Wir sind dankbar, dass auch die EKD dieses Vorhaben finanziell und personell unterstützt und als Teil ihrer Aktivitäten zum Themenjahr versteht. Heute bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit und begleitende Fürbitte für diese Twin Consultaton.

MissionRespekt

Im letzten Jahr haben Sie einiges über den Kongress MissionRespekt und die Rezeption des ökumenischen Dokuments "Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt" lesen und hören können. Die Dokumentation des Kongresses erscheint alsbald. Weitere Initiativen vor allem auf  ACK-Ebene sind erfolgt, Veranstaltungen auf dem DEKT in Stuttgart und nächstes Jahr auf dem Katholikentag kommen dazu. Vor allem findet eine missionstheologische Konferenz statt, auf der unterschiedliche Missionsverständnisse u.a. nach ihren Dialogpotentialen befragt werden. Wir haben es in vielen Beiträgen gehört: Mit den neuen Konstellationen durch die verstärkt eintreffenden Flüchtlinge mit muslimischer Prägung stellen sich Fragen nach den Bedingungen gelingender multireligiöser Konvivenz, nach Formen eines respektvollen, dialogischen Zeugnisses der Frohen Botschaft bei uns mit neuer Dringlichkeit. Prüfen Sie, ob das Dokument, die Kongressergebnisse und andere Materialien auch für Ihre Arbeit hilfreich sein können.

In diesem Jubiläumsjahr ist der tiefe Dank für den bisherigen Weg des EMW besonders ausgeprägt, Erinnerungen werden lebendig an Menschen, die diesem Haus verbunden waren und sind, seine Arbeit geprägt haben oder dies noch immer tun. Dieser Dank gilt in vielfältiger Weise auch für die Begleitung durch die Organe der EKD und die nicht wenigen Menschen, die sich aktiv in EMW-Gremien beteiligt haben und beteiligen. Nicht zuletzt auch den Landeskirchen, die etwa durch ihre Unterstützung der Liste des Bedarfs eine Vielzahl von wichtigen Kooperationsvorhaben ermöglichen. In der Gemeinschaft mit unserer Mitgliedern, Partnern und freundschaftlich verbundener Organisationen hoffen wir, mit Gottes Hilfe auch künftig etwas dazu beitragen zu können, dass die weltweite Christenheit in der Nachfolge ihres Herrn Jesus Christus ihrem Auftrag zur heilsamen Sendung in die Welt entsprechen kann.