Berichte

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm. 2. Tagung der 12. Synode der EKD, Bremen, 4. bis 11. November 2015

Einbringung des Zwischenberichtes der Gemeinsamen Steuerungsgruppe zum Stand der Weiterentwicklung des Verbindungsmodells

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Vorsitzender der Steuerungsgruppe)

09. November 2015

Heinrich Bedford-Strohm (Foto: EKD)

Verehrte Frau Präses,
hohe Synode,
liebe Schwestern und Brüder!

Mit Freude bringe ich den Zwischenbericht der Gemeinsamen Steuerungsgruppe zum Stand der Weiterentwicklung des Verbindungsmodells ein. Mit dem Stichwort "Verbindungsmodell" verbindet sich ja ein mittlerweile über zehn Jahre langer Prozess, der das Ziel hat, das Zusammenwirken der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse innerhalb der EKD auszugestalten – nach dem Prinzip "so viel Gemeinsamkeit aller Gliedkirchen […] wie möglich und dabei so viel Differenzierung […], wie aus dem Selbstverständnis der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse nötig".[1]  

Dies sage ich vor allem denjenigen unter Ihnen, die von diesem Prozess noch wenig wissen, weil sie als Mitglieder der 12. Synode noch neu sind. Die verbundenen Synodaltagungen haben im letzten Jahr wegweisende Beschlüsse hin zu vertiefter und verdichteter Gemeinschaft von EKD, UEK und VELKD in der EKD gefasst. Sie finden die entsprechende Beschlussvorlage als Anlage zum Zwischenbericht. Die Beschlüsse sind im vergangenen Jahr bei nur ganz wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen gefasst worden.

Die Beschlüsse des letzten Jahres beinhalteten mehrere Teile. Dazu gehört als markanter Punkt die Änderung der Grundordnung der EKD, die das Kirchesein der EKD verdeutlicht. Damit haben Sie sich am Sonntagabend befasst und den diskutierten Antrag in die Ausschüsse verwiesen.

Ein weiterer wesentlicher Punkt der letztjährigen Beschlüsse besteht in der Einleitung eines Organisations- und Teamentwicklungsprozesses, der darauf zielt, die Ämter der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse mit dem Kirchenamt der EKD zusammenzuführen. Dieser Organisations- und Teamentwicklungsprozess wurde im März dieses Jahres gestartet und wurde bis zum heutigen Datum mit beeindruckenden Ergebnissen durchgeführt. Sie finden den entsprechenden Projektplan ebenfalls als Anlage in der Vorlage zum Tagesordnungspunkt.

Auf dieses Projekt bezieht sich der schriftliche Zwischenbericht, der Ihnen vorgelegt wurde.

Bevor ich darauf etwas näher eingehe, möchte ich vorab noch kurz auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen: Das Prinzip, die Gemeinschaft durch die personale Identität von Mitgliedern der EKD-Synode, der Vollkonferenz der UEK und der Generalsynode der VELKD zu stärken, hat sich bewährt und wird weitergeführt. Aus diesem Grunde wird der Zwischenbericht auch nur hier in der alle zusammenführenden EKD-Synode behandelt und nicht bei allen drei verbundenen Tagungen. Was auf diesem Gebiet für die Synoden schon fast vollständig umgesetzt ist, soll nach Möglichkeit in der kommenden Ratsperiode auch in anderen Bereichen realisiert werden.

Nun aber zum Organisations- und Teamentwicklungsprozess, über den der Zwischenbericht informiert.

Um die Gemeinschaft von EKD, UEK und VELKD zu vertiefen und zu verdichten, wurden identitätsstiftende Handlungsfelder der drei gliedkirchlichen Zusammenschlüsse identifiziert und beispielhaft in den Blick genommen – Theologie, Liturgie, Ökumene, außerdem die Bereiche Recht und Öffentlichkeitsarbeit – mit der Frage: Wie können die Ämter der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse mit dem Kirchenamt der EKD weiter zusammengeführt werden?

Der Prozess hat im März dieses Jahres begonnen und soll im März 2016 abgeschlossen sein.

In einer ersten Phase ging es darum, Strukturen zu beschreiben, z.B.: Wie entsteht eine Agende? Wie arbeiten die verschiedenen Organisationen mit den Weltbünden zusammen? Wie läuft ein Gesetzgebungsverfahren?

In einer zweiten Phase wurden die Arbeitsstrukturen analysiert: wo gelingt die Zusammenarbeit, wo gibt es Kommunikationslücken, wo laufen Dinge nebeneinander her oder aneinander vorbei? Diese beiden Phasen (Erhebung und Analyse) sind weitgehend abgeschlossen.

Nun beginnt die dritte Phase, in der bis Ende März 2016 konkrete Umsetzungsschritte entwickelt werden sollen. Auf der Basis dieser Ergebnisse sollen dann Entscheidungen über veränderte Strukturen getroffen werden.

Eine ganz wesentliche Rolle spielt in diesem Prozess die Teamentwicklung. Der Dreischritt von Erheben, Analysieren und Entwickeln dient ja vor allem dazu, dass die Mitarbeitenden der verschiedenen Organisationen einander gegenseitig besser verstehen und gemeinsam Ansatzpunkte für eine weitergehende Kooperation erarbeiten.

Zu den Handlungsfeldern, die ich eben genannt habe, haben sich Teilprojektteams gebildet, in denen die Arbeits- wie die Leitungsebene vertreten war. Die Teams haben mit hohem Engagement und nach einem ambitionierten Zeitplan gearbeitet – und das zusätzlich zum normalen Geschäft. Dafür habe ich im Namen der Steuerungsgruppe schon Danke gesagt; diesen Dank möchte ich aber hier heute ausdrücklich auch noch einmal sagen. Die Arbeit in den gemischten fachlichen Teilprojektteams hat dazu beigetragen, einander in anderer Weise wertzuschätzen und hat das gemeinsame Verständnis gestärkt.

Es ist nicht gelungen, alle Differenzen zu beseitigen. Aber es ist in allen bearbeiteten Handlungsfeldern gelungen, erste Vorschläge für eine verdichtete Arbeit zu entwickeln, von engerer Abstimmung bis zu weitreichender Zusammenarbeit und Zusammenführung von Bereichen zwischen EKD, UEK und VELKD. Es ist sehr sichtbar geworden: enges Zusammenarbeiten ist möglich.

Das Team "Liturgie" zum Beispiel hat ein Eckpunktepapier mit elf Punkten zur weitergehenden Kooperation erarbeitet.

Das Team "Theologie" hat empfohlen, eine regelmäßige Konferenz der in theologische Prozesse involvierten Vertreter der Landeskirchen einzurichten, die sich über geplante und laufende Arbeitsprojekte austauscht. Und es hat erste Überlegungen angestellt, wie die Wirkung der Arbeitsergebnisse aus den Kammern verstärkt werden könnte.

Das Team "Recht" hat vorgeschlagen, die Rechtsbereiche in der noch zu entwickelnden Aufbauorganisation zusammenzuführen. Und es hat Vorschläge zur Verzahnung des Gesetzgebungsverfahrens und zur Weiterentwicklung einer gemeinsamen Gerichtsbarkeit entwickelt.

Ich finde das alles sehr beachtlich, liebe Schwestern und Brüder. Denn damit ist die Basis geschaffen, um in der nächsten Phase die Entwicklung von Optionen zu struktureller Absicherung der weiterreichenden Zusammenarbeit und Zusammenführung der Ämter zu ermöglichen.

Diese Entwicklung entspricht auch der Atmosphäre in der Gemeinsamen Steuerungsgruppe, die ich als sehr gut und konstruktiv erlebt habe. Allen Mitgliedern möchte ich hier ausdrücklich danken – insbesondere denen, die als "Paten" in den Teilprojektteams mitgearbeitet haben.

Was wir erreicht haben und was der Zwischenbericht dokumentiert, ist dieses: Eine gute Arbeitsatmosphäre trägt entscheidend dazu bei, dass positive Veränderungen möglich sind.

Die verschiedenen Andockpunkte werden in den nächsten Monaten in der "Entwicklungsphase" nun weiter ausgearbeitet werden. Dabei werden die fünf organisatorischen Modelle, die in der Diskussion der gemeinsamen Synodenbeschlüsse 2014 eine wichtige Rolle gespielt haben, als Basis für weitergehende Überlegungen dienen. Und neben dem Präsidenten werden nun auch die Vizepräsidenten als gemeinsame Projektbeauftragte Verantwortung übernehmen. Das heißt: die gesamte Leitungsebene ist in das Projekt eingebunden.

Die Zusammensetzung der Gemeinsamen Steuerungsgruppe hat sich bewährt und das Projekt ist zu zwei Dritteln realisiert. Die Gruppe wird ihre Arbeit in der bestehenden personellen Zusammensetzung weiterführen bis zum Abschluss des Verfahrens – das ist für den 25. März 2016 geplant.

Liebe Schwestern und Brüder, schon jetzt hat der Kommunikationsprozess selbst Vieles bewegt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die dadurch möglich gewordene neue Atmosphäre der Zusammenarbeit auch im Hinblick auf die jetzt für die Zukunft zu findenden Strukturen ihre Wirkung haben wird.

 

Fußnote:

1  Aus den Verträgen zwischen EKD, UEK und VELKD 2005.