Grußworte

2. Tagung der 12. Synode der EKD, Bremen, 4. bis 11. November 2015

Grußwort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (unredigierte Fassung)

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos

08. November 2015

Metropolit Dr. h.c. Augoustinos, Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Präses, hohe Synode,

auch in diesem Jahr darf ich als Gast an Ihrer Synodaltagung teilnehmen und Ihnen die Grüße und Segenswünsche der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), das heißt der orthodoxen Bischöfe dieses Landes, unserer Priester und unserer Gläubigen überbringen. Dies geschieht seit vielen Jahren. Doch hat sich, seitdem ich vor einem Jahr vor Ihnen stand, unser Land verändert, und wir, die Kirchen in Deutschland, stehen vor neuen Herausforderungen und Aufgaben.

Die alten Griechen, denen wir Europäer alle irgendwie verpflichtet sind, hatten ein erstaunliches Wort „periodos“, das wörtlich übersetzt Herumgehen bzw. Umgang bedeutet. Dies konnte zunächst ein tatsächliches Umhergehen bedeuten, etwa die morgendliche Visite des Arztes im Krankenhaus. Daraus entwickelte sich die Bedeutung des Kreislaufs der Gestirne, und letztlich wurde daraus die Periode als Zeitintervall, Zeitabschnitt oder Zeitraum, wo wie wir den Begriff ja auch im Deutschen kennen.

Dass dahinter die Vorstellung von der Zeit als Kreis oder Kreislauf aufscheint, muss nicht eigens erwähnt werden. In der Tat machen wir gerade in diesem Jahr, das seit der Synode in Dresden vergangen ist, die Erfahrung einer Wiederkehr von Situationen, die wir schon längst abgelegt hatten, vielleicht sogar vergessen hatten. Die allabendlichen Bilder von Menschen auf der Flucht vor Armut und Not, vor Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hatten wir alle für überholt gehalten. Die Älteren unter uns erinnern sich nun wieder an die Jahre nach dem Krieg, an Vertreibung und Heimatlosigkeit. Jetzt, da wir glaubten, angekommen zu sein in Frieden und Wohlstand, erkennen wir, dass die Zeit tatsächlich ein Kreislauf ist, dass sich die Geschichte wiederholt, dass wir "wieder und wieder" gefragt sind zu agieren und zu reagieren.

Auch die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland hat sich zur Flüchtlingsfrage geäußert, und in ihrer Erklärung heißt es unter anderem:

"Als Orthodoxe Kirche in Deutschland, deren Gläubige mehrheitlich einen Migrationshintergrund besitzen, wissen wir auch um die Bedeutung der Begrüßung, aber auch der Integration in der hiesigen Gesellschaft, welche der nächste Schritt und das Ziel jeder Aufnahme neu hinzukommender Menschen hierzulande sein muss. Anders gesagt: Aus der sogenannten 'Willkommenskultur' muss eine 'Integrationskultur' werden. Sprachkenntnisse, Bildung, Integration in den Arbeitsmarkt und allgemein in die Wertegesellschaft unseres Landes sind nur einige Stichworte, die wir hier nennen.
Unter den Flüchtlingen, die sich nach Deutschland aufgemacht haben, sind auch zahlreiche orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Christen, deren Vorfahren seit rund 2.000 Jahren in Treue zu ihrem Glauben und ihrer Tradition in der Heimat gelebt haben. Angesichts von Krieg, Verfolgung und Terror haben sie diese verlassen und stehen nun hier vor einem Neuanfang. In besonderer Weise heißen wir sie willkommen und ermutigen sie, diesen Weg der Integration mutig zu gehen."

Geschichte als Kreislauf bedeutet also in diesem Fall, dass wir selbst, die einst in diesem Land willkommen geheißen wurden, nun unsererseits den Gruß des Willkommens aussprechen und weitergeben. So ist auch dieser Augenblick der Geschichte ein neuer Aufbruch auf dem Weg des Friedens, auf dem Weg, auf den der Herr selbst unsere Füße stellt. Dieser Weg ist nicht leicht. Es ist aber der Weg, den wir als Kirchen in diesem Land gehen möchten. Es ist der Weg, den wir als orthodoxe Christinnen und Christen gemeinsam mit Ihnen, liebe Geschwister aus der EKD, gehen möchten.

In manchen unserer Gottesdienste – bei der Taufe oder der Trauung – haben wir eine schöne Zeichenhandlung, die diesen Weg symbolisiert. Dreimal, trinitarisch also, gehen wir in einer Art Prozession um einen Altartisch, auf dem das Evangelienbuch liegt. Manche sprechen sogar von einer Art liturgischem Tanz, der hier stattfindet. Ein Herumgang, ein Periodos, in deren Mitte das Wort Gottes steht. Ich glaube, das würde auch Ihnen als evangelischen Christen gut gefallen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns, dass wir die vor uns liegenden Herausforderungen in Geduld und Demut annehmen. Ihnen allen aber wünsche ich eine fruchtbare Zeit hier in Bremen und Gottes Segen bei Ihren Beratungen.

Metropolit Dr. h. c. Augoustinos