EKD-Synodenpräses Irmgard Schwaetzer: Trumps Wahlsieg fordert Christen heraus

Magdeburg (epd). Die evangelische Synodenpräses Irmgard Schwaetzer sieht Christen durch den Wahlsieg Donald Trumps herausgefordert. Christen trügen Werte wie Barmherzigkeit und Mitgefühl in die Gesellschaft, sagte Schwaetzer, die der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorsteht, vor Beginn der abschließenden Beratungen der diesjährigen Tagung des Kirchenparlaments in Magdeburg. Erste Analysen des Wahlergebnisses hätten gezeigt, dass Trump vor allem Zustimmung von jenen bekommen habe, die sich in der amerikanischen Gesellschaft abgehängt fühlen.

"Die Zeit des Spaltens ist jetzt vorbei"

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, hat mit Fassungslosigkeit auf den Ausgang der US-Wahl reagiert. "Denn die Aussagen von Donald Trump im Wahlkampf waren so spalterisch und so abwertend gegenüber anderen Menschengruppen, dass man Sorge haben muss, wenn Donald Trump jetzt diese politische Macht hat", sagte Bedford-Strohm am Rande der EKD-Synodentagung in Magdeburg.

Der bayerische Landesbischof forderte zugleich auf, in die Zukunft zu schauen. "Die Zeit des Spaltens ist jetzt vorbei", sagte er: "Wir müssen mithelfen, dass die klaren Grundorientierungen, für die wir als Christen stehen, in die öffentliche Debatte hineinkommen." Er hoffe, dass die von Trump im Wahlkampf angeschlagenen Töne nicht dieselben seien wie künftig als Präsident.

Werte wie Nächstenliebe und Empathie sollen in die Politik hineinstrahlen

Nach Bedford-Strohms Auffassung kommt auf Deutschland und Europa künftig eine größere Verantwortung zu. In der Welt müsse stärker für die Schwachen eingestanden werden. Werte wie Nächstenliebe und Empathie müssten auch in die Politik hineinstrahlen. Er hoffe, dass "alles Schüren von Hass endlich ein Ende hat und auch die Politik in dieser Hinsicht zur Vernunft kommt".

Der Theologieprofessor verwies darauf, dass er auch familiär stark Anteil an der Wahl in den Vereinigten Staaten genommen habe. Er ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet und hat in den Vereinigten Staaten studiert. Auch seine drei Söhne haben einen amerikanischen Pass.

"Das wird die ganze Welt verändern"

"Ich denke, das wird nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch die ganze Welt verändern", sagte die Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber dem Internetportal "evangelisch.de" am Rande der Synodentagung. Wenn nur die Hälfte der Wahlversprechen von Trump umgesetzt würden, führe das zu einer massiven Verschlechterung der demokratischen Bedingungen in den USA. Bosse-Huber verwies unter anderem auf Menschen mit Migrationshintergrund, die rassistischen Anwürfen ausgesetzt worden seien.

Ein Teil der Synodalen hatte die Fernseh-Wahlberichterstattung aus den USA am frühen Morgen in der Lobby des Tagungshotels verfolgt. Unter ihnen war auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, der mit einer US-Amerikanerin verheiratet ist und in den Vereinigten Staaten studiert hat. Auch seine drei Söhne haben einen amerikanischen Pass. Der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten wollte sich zunächst nicht zum Wahlergebnis äußern.

"Besonders sensibel sein, wo heute Mauern und Zäune gebaut werden"

Schwaetzer ging auch auf die Bedeutung des 9. November in der deutschen Geschichte ein. "1918, 1938, 1989 - das sind drei Jahrestage, die in größter Spannung zueinander stehen", sagte die ehemalige FDP-Bundesministerin. Am 9. November 1918 war nach dem Ende der Monarchie in Deutschland die Republik ausgerufen worden, 1938 hatten die Nationalsozialisten die Novemberpogrome gegen die Juden inszeniert, und 1989 fiel an diesem Tag die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland.

"Uns haben Mauern und Zäune dann nicht mehr getrennt", sagte Schwaetzer: "Und auch das bringt uns dazu, besonders sensibel zu sein, wo immer heutzutage Mauern und Zäune wieder gebaut werden." Der designierte US-Präsident Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer errichten zu wollen, um Zuwanderer abzuhalten.

9. November 2016

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