3. Tagung der 12. Synode der EKD

Magdeburg, 3. bis 9. November 2016

Einbringung des Abschlussberichtes der gemeinsamen Steuerungsgruppe zur Fortentwicklung des Verbindungsmodells

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Vorsitzender der Steuerungsgruppe)

08. November 2016

Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender der Steuerungsgruppe

Es gilt das gesprochenen Wort.

Verehrte Frau Präses,

hohe Synode,

liebe Schwestern und Brüder!

Vor Ihnen liegt der Abschlussbericht der Gemeinsamen Steuerungsgruppe zur Fortentwicklung des Verbindungsmodells. Bereits im vergangenen Jahr konnte ich Ihnen hierzu einen erfreulichen Zwischenbericht geben. Heute können wir sagen, dass wir gemeinsam auf diesem Weg erfolgreich weitergegangen sind und Ihnen heute – so glaube ich – gute Ergebnisse und Vorschläge vorlegen können.

Das Stichwort „Verbindungsmodell“ bezeichnet einen mittlerweile über zehn Jahre langen Prozess, der das Ziel hat, das Zusammenwirken der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse innerhalb der EKD auszugestalten – nach dem Prinzip “so viel Gemeinsamkeit aller Gliedkirchen […] wie möglich und dabei so viel Differenzierung […], wie aus dem Selbstverständnis der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse nötig.“1 Dieser Weg ist schon gekennzeichnet u. a. durch die Verbindungsverträge, die räumliche Zusammenlegung der Ämter in Herrenhausen, sowie die zeitliche wie personelle Verbindung der Synodaltagungen von EKD/UEK und VELKD.

Die Ausgangslage für den heutigen Abschlussbericht finden wir in den Beschlüssen der verbundenen Synodaltagungen der Jahre 2013 und 2014. Diese Beschlüsse haben den Weg geebnet zu vertiefter und verdichteter Gemeinschaft von EKD, UEK und VELKD in der EKD. Sie finden die entsprechende Beschlussvorlage aus 2014 in der Anlage des Abschlussberichtes.

Im vergangenen Jahr habe ich Ihnen an dieser Stelle berichtet zum Sachstand des aus diesem Anlass aufgesetzten Projektes im Kirchenamt. Neben der bereits beschlossenen Grundordnungsänderung der EKD, die wir im vergangenen Jahr auf der Synode verabschiedet haben, ist als wesentlicher Bestandteil ein Organisations- und Teamentwicklungsprozess durchgeführt worden, der darauf zielt, die Ämter der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse mit dem Kirchenamt der EKD zusammenzuführen. Dieser Prozess hat sich über den Jahreszeitraum von März 2015 bis März 2016 erstreckt. Die Ergebnisse werden Ihnen mit dem Abschlussbericht vorgelegt. Auf einige Aspekte, die sich im Verlauf des Verfahrens als besonders bedeutsam herausgestellt haben, möchte ich im Weiteren kurz eingehen.

Einige Kerngedanken, die bereits in den vergangenen Jahren diskutiert wurden, sind zunächst als Prinzipien der Zusammenarbeit festgelegt worden und waren dann im weiteren Verlauf für den Vorschlag einer neuen Organisationsstruktur des Kirchenamtes der EKD leitend. Ausgangspunkt ist die Prämisse der bleibenden Eigenständigkeit der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse und damit der Vorrang des Handelns der Organe innerhalb der Struktur. Dazu kommt neu, dass das Kirchenamt der EKD der Ort des gemeinsamen evangelischen Handelns von EKD, UEK und VELKD ist und dass dieses gemeinsame Handeln die notwendige Differenzierung nach dem Selbstverständnis der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse einschließt. Es wird weiterhin eigenständige Organ-, Auftrags- und Diskursstrukturen für EKD, UEK und VELKD geben. Was in diesen Strukturen von den Organen beschlossen wird, ist für das gemeinsame Kirchenamt bindend. Ziel ist zugleich, mehr noch als bisher im Geist der Kooperation zusammen zu arbeiten. Dem dient die Zusammenführung der Referate in der gemeinsamen Logik der Fachabteilungen. In der Generalsynode der VELKD wurde an dieser Stelle nachgefragt, wie die Ausrichtung des Handelns auf die Fachabteilungen und der Vorrang der Auftragsstruktur sich zueinander verhalten. Im Konsens wurde festgestellt, dass die Arbeit im Kirchenamt zwar auf die Fachabteilungen ausgerichtet ist, dass davon aber im Entscheidungsfall der Vorrang der Auftragsstruktur der Organe nicht berührt ist. Es hat mich gefreut, dass durch die Nachfragen in der Generalsynode dieser Punkt einvernehmlich geklärt werden konnte.

Die gewählte neue Struktur des Kirchenamtes ist anspruchsvoll und bedarf einer guten Kommunikationskultur. Dazu gehört zum einen die wechselseitige Beteiligung bei wesentlichen Vorhaben. Insbesondere für die identitätsstiftenden Handlungsfelder Liturgie, Theologie und Ökumene sowie für die weiterhin untersuchten Querschnittsaufgaben aus den Bereichen Recht und Öffentlichkeitsarbeit liegen hierzu konkrete Vorschläge vor, wie engeres und abgestimmteres Zusammenarbeiten gelingen kann (z. B. 11-Punkte-Plan zur vertieften Kooperation im Bereich der Liturgie, regelmäßige theologische Konferenz, Vorschläge zur Zusammenführung der Gesetzgebungsverfahren, Koordinationsebene Ökumene). Die neue Struktur berücksichtigt diese Erkenntnisse und ermöglicht eine entsprechende Vorgehensweise, in der die Stärken und Kompetenzen der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse für alle noch dienstbarer gemacht werden als bisher. Dieses geschieht durch gegenseitiges Informieren, wechselseitiges Unterstützen und Fördern sowie durch gemeinsames Gestalten. Dieser Punkt war bereits in den Ausgangsbeschlüssen des Jahres 2014 als bedeutsam herausgestellt worden. Zudem ist die neue Struktur so gedacht, dass sich die Amts- und Fachbereiche neben rein inhaltlichen Abstimmungen wechselseitig konsultieren und sich der jeweiligen Kompetenzen bedienen können. Es ist für alle ein Vorteil, wenn die vorhandenen Qualifikationen in der Breite genutzt werden können. Ein solches Verständnis von Aufgabenwahrnehmung fördert auch die Kultur der Zusammenarbeit. Für den Konfliktfall sind Verfahrenswege beschrieben, die zunächst die Lösung auf Sachebene anstreben. Sollte der Konflikt so nicht gelöst werden können, greift der Vorrang der Aufgabenstruktur der jeweiligen Leitungsorgane.

Eine weitere wesentliche Rolle spielt in diesem Prozess die Teamentwicklung. Bereits im Projektverlauf hat sich in den fachlichen Teilprojektteams eine vertiefte und verdichtete Zusammenarbeit entwickelt, die von hoher gegenseitiger Wertschätzung und stetig wachsendem Vertrauen geprägt war. Die Arbeitsatmosphäre war trotz mancher Differenzen stets konstruktiv, das hat dazu beigetragen, dass heute ein Ergebnis vorliegt, das breit von den Akteuren mitgetragen wird. Auf der Basis einer solchen Teamentwicklung und solcher Zusammenarbeit wollen wir nun weiter voranschreiten.

Bei der Umsetzung der neuen Struktur wird daher ein besonderes Gewicht auf die Kulturentwicklung gelegt, da eine solche Neuordnung ja notwendig auch eine Veränderung der Kultur der Leitung und des Miteinanders im Hause mit sich bringt. Für die zukünftige Zusammenarbeit und die anstehenden Veränderungen gilt es, den Teamgedanken weiter zu verstärken und die betroffenen Mitarbeitenden gut zu begleiten. In der Umsetzungsphase ist deshalb gemeinsam zu überlegen, welche Kriterien für eine Kultur der Zusammenarbeit aus evangelischer Sicht prägend sein sollen. Der gemeinsamen Steuerungsgruppe war es zudem wichtig den Prozess der Umsetzung sowohl in struktureller als auch in kultureller Hinsicht zu evaluieren - nach einem angemessenen Zeitraum. Über die Ergebnisse der Evaluation werden wir Ihnen dann berichten.

Liebe Schwestern und Brüder, nach diesem bedeutsamen Schritt der Erarbeitung gemeinsamer Strukturen und Abläufe geht es nun in die Umsetzung. Hierfür wird es eine Projektstelle geben, die diesen Prozess des Zusammenführens und -wachsens intensiv begleitet. Es liegen hier noch bedeutsame und vielfältige Schritte vor uns. Diese Schritte sind dann im weiteren Ablauf durch die neu einzurichtende Lenkungsgruppe zu begleiten.

Die gemeinsame Steuerungsgruppe hat nun ihre Arbeit beendet. Ich möchte an dieser Stelle allen Mitgliedern dieser Steuerungsgruppe sehr herzlich danken. Sie haben sich mit Zeit und Ideen für dieses Projekt engagiert. Sie haben in einem schwierigen Umfeld die Grundlage für das Gelingen eines solch´ schwierigen Zusammenwachsens gelegt. Sie haben durch ihre Beharrlichkeit und durch ihr hohes Engagement maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute hier stehen und diesen Abschlussbericht annehmen können. Herzlichen Dank dafür.

Gleichzeitig möchte ich aber auch allen weiteren Projektbeteiligten für ihr hohes Engagement danken:

dem Projektteam, dass sich diesem sehr ambitionierten Zeitplan angenommen hat, die einzelnen Schritte jeweils intensiv vorbereitet hat und damit wesentlich zum Gelingen des Projektes beigetragen hat
dem Präsidenten und den Vizepräsidenten des Kirchenamtes – und in Doppelfunktion der Leiterin des Amtes der UEK sowie dem Leiter des Amtes der VELKD, die bei der Ausarbeitung dieses Vorschlages maßgeblich Verantwortung übernommen haben,
und allen Mitwirkenden im Kirchenamt, für die die Prozesse mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden waren, die aber durch ihren Einsatz und ihre Offenheit den Grund für Veränderungen gelegt haben.

Liebe Schwestern und Brüder, mit dem vorgelegten Strukturmodell ist die Grundlage gelegt für ein gutes Zusammenwirken und Zusammenwachsen im Kirchenamt der EKD. Ich lege Ihnen diesen Abschlussbericht gerne vor und bitte Sie darum, den nun folgenden Prozess des Zusammenwachsens aktiv zu unterstützen.

Herzlichen Dank.