3. Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

6. bis 9. November 2016 in Magdeburg

Einbringung zur Festsetzung des Schwerpunktthemas der 4. Tagung der 12. EKD-Synode 2017

Präses Dr. Irmgard Schwaetzer

08. November 2016

Präses Dr. Irmgard Schwaetzer

Es gilt das gesprochenen Wort.

Liebe Synodale, liebe Schwestern und Brüder! Was passiert eigentlich 2018? – Das ist eine Frage, die mir eigentlich schon das ganze Jahr über gestellt worden ist, aber in der letzten Zeit doch etwas verstärkt: Was passiert eigentlich 2018? – Diejenigen, die diese Frage stellen, sind nicht nur Synodale. Es sind Kirchenmitglieder. Es sind aber auch Menschen, die uns mit Aufmerksamkeit beobachten, obwohl sie sich uns nicht direkt zugehörig fühlen.

Was passiert 2018? – Da hat die Synode eine Verantwortung, nicht alleine, sondern Rat und Kirchenkonferenz sind natürlich genauso in der Verantwortung; denn das sind die drei kirchenleitenden Gremien, wie sie in der Grundordnung beschrieben sind.

Die Synodentagung 2018 beginnt zehn Tage nach dem 31. Oktober, also nach dem Tag des Reformationsjubiläums. Ich glaube, es wäre ganz weltfremd, wenn wir davon ausgingen, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht noch erfüllt wären, vielleicht auch ein wenig zugedröhnt, aber auf jeden Fall voller Erlebnisse, die wir sehr wahrscheinlich noch nicht alle richtig sortiert, einsortiert haben, die uns auf jeden Fall weiter beschäftigen.

Was läge da näher, als ein Stück dieses Anschauens auch während unserer Synodentagung zu machen? Aber wie es für eine Synode selbstverständlich ist: natürlich nicht nur anschauen, sondern sofort darüber reden, wie wir das in einer der Zukunft zugewandten Kirche fruchtbar machen können und wie wir daraus Leitlinien in die Zukunft entwickeln können.

Dieser Aspekt ist vielleicht in der Vorlage, die Ihnen zugegangen ist, nicht deutlich genug beschrieben worden. Aber um nichts anderes hat es sich bei den Überlegungen des Präsidiums gehandelt, und zwar Sie darum zu bitten, die Vorbereitung der nächsten Synode ein wenig anders vorzunehmen, nämlich nicht mit einem festgefügten Vorbereitungsausschuss, in dem Wissenschaftler, Praktiker, Synodale und Kirchenamt gemeinsam arbeiten und mit einem vorgefertigten Papier in die Synode kommen, sondern einen flexiblen Prozess in Gang zu setzen, in dem wir alle eine Rolle haben und gefragt werden.

Der Rat hat zu Beginn seiner Amtsperiode in gleich mehreren Sitzungen einen Bezugsrahmen für seine eigene Arbeit festgelegt. Diese eigene Arbeit geht, wie wir wissen, bis zum Jahr 2021. Der Bezugsrahmen lautet: Aus dem Evangelium leben – Erkennbares Zeugnis in Wort und Tat in einer Gesellschaft im Wandel.

Das ist doch eigentlich eine gute Überschrift für das, was auch uns bewegt und was uns selbstverständlich auch auf unserer nächsten Tagung bewegen wird. Es geht um inhaltliche Vergewisserung, es geht um öffentliches Zeugnis, und es geht um Mitverantwortung für die Welt.

Der Weg, den wir bei der Ausfüllung dieser drei Zielbestimmungen gehen wollen, muss doch abgeleitet sein aus dem, was die Synode 2011 in ihrem Beschluss zum missionarischen Wirken unserer Kirche hier in Magdeburg, in diesem Saal beschlossen hat. Wir haben einen Dreiklang in den Mittelpunkt gestellt, wie wir vorgehen wollen.

Der Weg ist: hinhören auf das Wort Gottes, selber aufbrechen, vieles von dem, was wir gewohnt sind, nicht weiterzuführen, auch ein Stück aus uns selbst heraustreten, auf die anderen zu, also aufbrechen. Das ist ein ganz wichtiger Zwischenschritt zwischen hinhören und dem, was dann kommt, nämlich weitersagen. Nicht bei uns selbst bleiben, sondern auf andere zugehen. Das war der Dreiklang der Mission, den wir in unserer Kundgebung hier in Magdeburg festgelegt haben.

Unsere Überlegung, um einen solchen Prozess in Gang zu setzen, war, dass wir ungefähr 30 Personen benennen. Wir fanden den Begriff des Scouts für diejenigen sehr schön. Vielleicht sollte man noch hinzufügen: prophetische Scouts.

Ob wir die dann finden, ist immer noch eine andere Frage. Also: Scouts. Sie sollen aus Zivilgesellschaft und Kirche benannt werden – und natürlich aus der Synode. Das sollen Menschen sein, die fachkundig und engagiert sind, zum Beispiel in der Kultur, in der Politik oder in der Ökumene. Ganz wichtig: als Jugendliche, als Erlebnispädagogen, in der Diakonie.

Sie sollen sich während des Jahres, das wir nun begonnen haben, umsehen bei unterschiedlichen Veranstaltungen, bei Präsentationen, bei Gottesdiensten, bei Diskussionen, bei all dem, was noch im Jahr 2016 und im Jahr 2017 stattfinden soll.

Aber sie sollen es sich selber aussuchen, was sie selber für wichtig und relevant halten. Dahin sollen sie gehen. Jeder kann eine Zahl von drei bis fünf oder auch mehr solcher Punkte für sich selber definieren und uns darüber berichten.

Was sollen sie berichten? ‑ Wir wollen ihnen ganz vieles selber überlassen, aber auf drei Fragen möchten wir auf jeden Fall eine Antwort haben: An welche Zielgruppe richtete sich der Punkt, den sie ins Auge gefasst haben, den sie besucht haben? Was war die reformatorische Botschaft, die dort zum Klingen gebracht worden ist? Welche Zukunftsperspektive vermittelten diejenigen, die diesen Gottesdienst, diese Diskussion oder diese Ausstellung organisiert haben für uns alle, also für eine Kirche, die der Zukunft zugewandt ist?

Das ist eine sehr komplexe Geschichte. Weil das alles natürlich nicht im luftleeren Raum stehenbleiben darf, wird sich die Gruppe der Scouts, die dann so benannt wird, dreimal während dieses Jahres treffen: einmal zu Beginn ‑ so stellen wir uns das vor ‑, einmal in der Nähe, am Rande, vor oder nach dem Kirchentag in Wittenberg ‑ das alles muss erst noch festgelegt werden, wenn klar ist, wer sich mitzumachen bereiterklärt ‑ und einmal natürlich zur Auswertung. Diese Auswertung wird dann das formulieren, was der Synode bei ihrer Tagung in Bonn zur weiteren Beratung vorgelegt werden wird.

Wir stellen uns das so vor, dass auch an der Stelle die Synode in einen offenen Prozess eintritt. Die Gruppe könnte zum Beispiel 10 oder 15 Thesen für die Zukunft einer offenen Kirche formulieren, aus denen die Synode dann aber die Aufträge herausfiltert und sich auf die Aufträge konzentriert, die sie für den Rat und die Kirchenkonferenz, aber auch für sich selber, für ihre eigene Arbeit in die Zukunft hinein, definiert.

Ich denke, aus all diesen Überlegungen merken Sie schon, dass es nicht nur um ein Jahr gehen kann, sondern dass es wirklich darum geht, das, was wir alle im Jahr 2017 hoffentlich erleben, nämlich einen Aufbruch, in unsere Kirche hineinzutragen und diesen Aufbruch fruchtbar zu machen, vielleicht auch Formate zu finden, wie wir den Dialog, die Transparenz und die Kommunikation zwischen den Landeskirchen und der EKD sowie zwischen den Landeskirchen untereinander noch weiter stärken und wie wir Plattformen, auf denen wir Erfahrungsaustausch betreiben, noch intensiver wahrnehmen können und daraus unsere Schlüsse für die Zukunft ziehen. Es ist also ein offener Prozess, der aber schon mit Beschlüssen enden soll, aber, wie wir es uns vorstellen, nicht mit den Beschlüssen: "2018 machen wir das, 2019 machen wir dieses und 2020 machen wir jenes", sondern wirklich eher mit der Überlegung, was unserer Kirche jetzt nottut, um unsere Botschaft auch ein Stück weit noch intensiver aus sich selber heraus in die Gesellschaft hinein sagen zu können.

Wir sind nicht die Einzigen, die an einem solchen Prozess arbeiten. Wir haben gerade die Erkenntnisse aus zehn Jahren Reformprozess hier miteinander besprochen. Dabei sind auch Vorschläge gemacht worden, die im Raum stehen und die selbstverständlich weiter bedacht werden müssen. Wir haben darüber hinaus die Erkenntnisse aus der 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die bei den Ratszielen jetzt zum Teil schon im Fokus stehen, vor allen Dingen die Frage, welches Pfarrerbild in Zukunft unsere Arbeit bestimmen wird, aber auch, wie wir die Weitergabe des Glaubens ‑ das ist das für mich bedrängendste Thema aus der KMU 5 ‑ stärker in den Fokus nehmen können.

Drittens gibt es Überlegungen im Rat und auch in der Kirchenkonferenz zu den Zielen 2021. Ich habe darüber in meinem Präsesbrief Ende Januar berichtet. Darüber hinaus gibt es Aufbruchssignale aus dem, was 2017 passiert, aus denen wir Spontaneität und Kreativität gewinnen wollen.

Die Synode wird die Impulse aus diesen Strängen auch gewichten müssen. Aber dafür müssen sie vorher in der Vorbereitungsgruppe eben zusammengeführt und auch schon einmal gewichtet werden. Das Präsidium bittet darum, dass Sie die Verantwortung für diesen Prozess in den Händen des Präsidiums lassen. Wir müssen selbstverständlich auch den Zukunftsausschuss mit einbeziehen. Denn ihm haben wir den Auftrag gegeben, seine Arbeit genau in dieser Richtung zu gestalten.

Ich will noch einen Blick auf die mögliche Zusammensetzung dieser Scout-Gruppe werfen. Selbstverständlich sollte sie nach unserer Auffassung je etwa zur Hälfte von Personen aus der Zivilgesellschaft und Synodalen bestehen, wobei wir bei den Synodalen die bunte Mischung, die hier versammelt ist, gern wiederspiegeln möchten, das heißt, Erfahrene, neue Synodale, Ältere, Junge, die, die als Ausschussvorsitzende oder in den synodalen Sprechergruppen Verantwortung übernommen haben. Das sind unsere Vorstellungen.

Ich weiß, dass Sie in den synodalen Arbeitsgruppen selber auch schon Ihre Ideen entwickelt haben. Deswegen möchte ich noch einmal signalisieren: Genauso offen, wie wir uns diesen Prozess vorstellen, sind wir selbstverständlich für Ihre Überlegungen, wie ein solcher Weg durch das Jahre 2017 hin zur Synodentagung in Bonn im November gestaltet werden kann. Deswegen danke ich Ihnen an dieser Stelle für all das, was Sie bisher mit bedacht haben, und freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.