„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Was bedeutet Europa?

Wir baten Vertreter der größten Religionsgemeinschaften Deutschlands um Statements

Werte

Die Europäische Union ist Ausdruck und Mittel dafür, dass sich die europäischen Nationen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, aber auch den Kriegen der Jahrhunderte davor, endlich zusammengetan haben, um das Miteinander auf dem Kontinent parlamentarisch und partnerschaftlich zu gestalten. Das ist ihr großer und geschichtlich einzigartiger Verdienst. Er ist nur vielen nicht bekannt und wird auch nicht so empfunden! Das zu kommunizieren halte ich für eine entscheidende Aufgabe. Zugleich gilt: Die EU ist keine göttliche Einrichtung. Man kann auch Frieden halten ohne eine solche Struktur. Das muss vor dem Hintergrund des Brexit immer wieder mal gesagt werden, damit die panischen Klänge etwas eingefangen werden.

Ich habe in den letzten Jahren die EU nicht so sehr als Friedensgarant wahrgenommen, sondern als Union, die weltweit ökonomische Kraft ausstrahlt und sich behaupten will gegen andere globale Player und die das Reisen erleichtert hat. Diese Faktoren sind zu wenig.

Wenn sich die EU zu sehr auf ihre ökonomische Stärke fixiert, wenn sie meist nur davon spricht und sie ins Schaufenster stellt, werden die, die davon nichts sehen, frustriert. Das ist schlecht für die Zukunft der EU und der Menschen.

Die Ökonomie spielt in der EU eine zu starke Rolle, der Frieden (und der eindeutige Erfolg in dieser Frage) eine zu schwache.

Wenn man zu viel mit der EU will, kann man auch viel verlieren. Vielleicht ist weniger mehr! Deswegen plädiere ich für eine Konzentration auf Kernwerte und Kernfragen in der EU. Dabei darf nie vergessen werden, dass Europa mehr ist als die EU. Europa ist Europas Kultur, Geschichte und religiöse Prägung. Zu Europa gehört die Schweiz! Auch England bleibt zu Europa gehörig. Wenn wir die EU als Institution wichtiger nehmen als Europa und seine Werte, kann es sein, dass die EU nicht mehr friedensfördernd wirkt.

Schließlich: Die Zeit, in der das Neue Testament verfasst wurde, ist mehr mit der heutigen Zeit vergleichbar, als es uns bewusst ist. Im römischen Reich gab es zentrale Mächte, die Frage nach Identität, es gab eine gut funktionierende Verwaltung, recht eigenständige Provinzen mit vielen Volksgruppen und Sprachen, freien Handel, miteinander konkurrierende Religionen, aber auch Toleranz fordernde Bildungsschichten. Es ist nicht alles völlig neu, was wir heute erleben, es ist nur dichter. Das zu wissen macht gelassen.

Als Christen sollen wir, egal in welchem politischen System wir leben, vor allem von dem sprechen, der sagt: „Fürchtet euch nicht. Ich bin Anfang und Ende!“ (Apg. 1,17)

Europa ist Europas Kultur, Geschichte und religiöse Prägung.