„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Zwischenruf: Blick aus Polen

Derzeit reagiert die Mehrheit der Polen – etwa 70 Prozent – mit starker Abwehr auf die Ankunft der wenigen Flüchtlinge im Land. Dies ist auch eine Folge der Angst vor dem Fremden. 75 Prozent der Polen hatten in den letzten drei Jahren keinerlei Kontakt mit Ausländern. Daher lohnt es sich, in die Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft zu investieren und Räume für den interkulturellen Dialog zu schaffen. Ich denke, dass solche Aktionen die Angst vor dem Fremden mindern können und dass eine Entwicklung hin zu einer offeneren Gesellschaft möglich ist. Dieser Prozess bedarf weiser und geduldiger Unterstützung sowie Verständnis für die besonderen Bedürfnisse der Polen nach Jahrzehnten der kommunistischen Abschottung vor äußeren Einflüssen. Momentan meinen dennoch 81 Prozent der Polen, dass es richtig war, der EU beizutreten.

Die Gemeinden der lutherischen Kirche in Polen haben zahlreiche Partnerschaften zu anderen Gemeinden und protestantischen Kirchen in Europa. Mit unseren Partnern arbeiten wir an Projekten zu den Themen Kirche, Bildung, gemeinnützige Arbeit und Jugendarbeit. Die Diakonie führt den Europäischen Freiwilligendienst durch. Als Teil des polnischen ökumenischen Rates beteiligen wir uns am Projekt „Versöhnung in Europa” – einer Aufgabe der Kirchen in der Ukraine, Weißrussland, Polen und Deutschland. Seit 2005 gab es viele Veränderungen in der polnischen Gesellschaft – angefangen von rein ökonomischen Faktoren (z. B. der Möglichkeit, Subventionen für Landwirte zu erhalten, den Bau neuer Straßen und viele Zweige der Wirtschaft zu nutzen) bis hin zu sozialen Aspekten. Wenn ich mein Heimatland von 2005 mit dem von 2015 vergleiche, ist es für mich schwer zu glauben, dass es dasselbe Land ist. Ich träume davon, dass die Veränderungen dieses Jahr noch weiter voranschreiten, damit alle europäischen Werte in Polen einmal mit der gleichen Begeisterung geteilt werden wie die Mitgliedschaft in der EU.