„So wirst du leben.“ (Lk 10,28)

Europa in Solidarität – Evangelische Impulse

Bescheidenheit

Ein offener Brief der KEK

Seit fast 60 Jahren versuchen die Mitglieder der ökumenischen „Konferenz Europäischer Kirchen“ (KEK), zur Versöhnung und Kooperation der Völker Europas beizutragen. In einem offenen Brief an die Kirchen und Partnerorganisationen in Europa lädt sie zu „Dialog und Konsultation“ ein. Darin geht sie auch auf die Rolle der Kirchen ein:

Bei der Diskussion darüber, auf welche Werte sich die europäische Gesellschaft insgesamt stützen sollte, steht den Kirchen, vor dem Hintergrund der ambivalenten Rolle, die die Religion in Europa in den vergangenen 2000 Jahren gespielt hat, ein gewisses Maß an Bescheidenheit gut zu Gesicht. […] Es sollen einige in diesem Zusammenhang relevante Schlagwörter genannt werden: Kreuzzüge, Kriege um Religion und zwischen Religionen, Inquisition, patriarchale Strukturen, Hexenverfolgung, Kolonialisierung, Sklavenhandel und Sklaverei, Rassismus und Faschismus.
Gleichzeitig sollte nicht vergessen werden, dass die Kirchen im Lauf der Geschichte in der europäischen Gesellschaft auch eine positive Rolle gespielt haben. Denken wir etwa an ihre pastorale und diakonische Arbeit, die Schaffung und Unterhaltung von Systemen der medizinischen Versorgung, von Krankenhäusern, Schulen und Universitäten […]
Der jedem Menschen innewohnende Wert ist für die Kirchen von grundlegender Bedeutung. Hierin zeigt sich ihr Verständnis vom Menschen als Ebenbild und Gegenüber Gottes (Genesis 1,27). Aus eigener Erfahrung wissen die Kirchen um die Spannungen und Konflikte, die mit Vielfalt einhergehen können. Ihre besten Eigenschaften zeigten Kirchen bei der Überwindung solcher Konflikte, wenn das Gefühl, zueinander zu gehören, stärker war als das Streben nach Uneinigkeit. In diesen Fällen wurde mehr Wert gelegt auf das, was die Kirchen eint, anstatt auf das Trennende.